Situation in der Oberpfalz

Polizisten stehen vor fahnenschwenkenden Demonstranten bei einer Demonstration von Rechtsextremisten.
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Parteien

Zum Parteienspektrum in Bayern zählen insgesamt etwa 480 Mitglieder der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD). Darunter sind ca. 165 bayernweite Fördermitglieder. Von den Mitgliedern sind etwa 30 dem Regierungsbezirk Oberpfalz zuzurechnen.

Der neonazistischen Partei Der Dritte Weg (III. Weg) werden etwa 25 Mitglieder und Sympathisanten zugeordnet.

Die im Jahr 2012 gegründete neonazistische Partei DIE RECHTE verfügt in der Oberpfalz über keine Parteistruktur und ist dort nicht aktiv.

Auf Grundlage der Erkenntnisse des BfV bearbeitet das BayLfV die Junge Alternative (JA) und die Gruppierung Der Flügel (Flügel) seit Mitte Januar 2019 als Beobachtungsobjekte. Gegenwärtig werden der JA in Bayern etwa 120 Personen und dem Flügel ca. 130 Personen zugerechnet. Von den ca. 120 bayernweiten JA-Mitgliedern werden etwa 10 der Oberpfalz zugerechnet.

Parteiungebundene Strukturen

In diese Kategorie fallen alle Gruppen und Organisationen, welche einen gewissen Bindungs- und Organisationsgrad erkennen lassen. Hierunter zählen organisierte neonazistische Gruppierungen, kommunale Wählervereinigungen, Verlage und Vertriebsdienste, Bürgerinitiativen, Vereine, kameradschaftsähnliche Stammtischrunden und Gesprächszirkel. Vor allem finden sich hier organisierte Neonazis und die „Identitäre Bewegung“ (IB). Es ist von etwa 50 Personen in der Oberpfalz auszugehen.

Unstrukturiertes Personenpotenzial

Dem weitgehend unstrukturierten rechtsextremistischen Spektrum sind in der Oberpfalz ca. 150 Personen zuzurechnen. Hierbei handelt es sich um organisationsungebundene subkulturell geprägte Rechtsextremisten (Skinheads), rechtsextremistische Einzelpersonen und Internetaktivisten.

Logo der Partei NPD
© Wikimedia

Das Bundesverfassungsgericht hat mit Urteil vom 17. Januar 2017 entschieden: „Kein Verbot der NPD wegen fehlender Anhaltspunkte für eine erfolgreiche Durchsetzung ihrer verfassungsfeindlichen Ziele.“ Somit bestätigte das Gericht, dass die NPD verfassungsfeindliche Ziele verfolgt, aber zu unbedeutend ist, um diese umzusetzen.

Bei der Bundestagswahl 2017 erreichte die Partei nur 0,4 Prozent. Bei der Wahl zum Europäischen Parlament am 26. Mai 2019 halbierte sich der Anteil der Wählerstimmen für die NPD in Bayern auf 0,2 Prozent. Zur Landtagswahl am 14. Oktober 2018 und zur Kommunalwahl am 15. März 2020 war die Partei nicht angetreten. Sogenannte „Schutzzonenprojekte“ der Partei, wie etwa im Januar 2019 in Amberg, fanden in der Oberpfalz zuletzt nicht mehr statt

Bezirksverband Oberpfalz

Seit dem 22. Juli 2012 ist Heidrich Klenhart Vorsitzender des Bezirksverbandes (BV). Folgende Kreisverbände (KV) sind dem BV angegliedert:

  • Neumarkt i.d.OPf. / Amberg
  • Weiden / OPf.-Tirschenreuth
  • Regensburg
  • Cham / Schwandorf

Sowohl der NPD-BV als auch der NPD-KV Neumarkt i.d.Opf./Amberg verfügen über eigene Webseiten. Die Internetseiten präsentieren sich mit einer einheitlichen Struktur und enthalten Mitteilungen, Veranstaltungshinweise und Selbstdarstellungen. Sie werden in unregelmäßigen Abständen aktualisiert. Der KV Neumarkt i.d.OPf. / Amberg verfügt zudem über einen eigenen Facebook-Account.

Über öffentlichkeitswirksame Aktionen der anderen NPD-Kreisverbände liegen gegenwärtig keine Erkenntnisse vor.

© Screenshot: der-dritte-weg.info (gesichert 02.12.20)

Am 21. Juni 2014 gründeten Szene-Aktivisten aus Niederbayern und der Oberpfalz im Rahmen einer Sonnwendfeier in der Region Furth im Wald (Landkreis Cham) den Stützpunkt Ostbayern der Partei III. Weg. Leiter dieses Stützpunktes Ostbayern war bis Juni 2020 Walter Strohmeier.

Die Partei III. Weg ist die derzeit aktivste rechtsextremistische Organisation in der Oberpfalz. Die regionalen Aktionsschwerpunkte befinden sich im Raum Regenburg, Cham und Furth i. Wald. Vor allem in diesen Regionen führen Parteimitglieder des Stützpunktes Ostbayern Flugblatt-Verteilungen und Kundgebungen durch. Inhaltlich beschäftigt sich die Partei vorranging mit den Themen Asyl und Zuwanderung und thematisierte in diesem Zusammenhang auf ihrer Internetseite auch gewaltsame Übergriffe von Asylbewerbern.

Zudem führten Aktivisten der Partei im Januar 2020 in Waldmünchen/Lkr. Cham eine Flyerverteilung mit den Schlagworten „Kriminelle Ausländer raus“ und „Asylflut stoppen“ durch. Über diese Flyerverteilung berichtete der III. Weg am 15. Januar 2020 auf der parteieigenen Internetseite unter dem Titel „Illegale Einwanderung – Infoverteilung in Waldmünchen“. Auf diese Weise versucht der III. Weg, tatsächliche oder vermeintliche Straftaten von Asylbewerbern und Flüchtlingen zu nutzen, um Ängste in der Bevölkerung zu schüren. Auf ihrer Webseite widmet sich die Partei zudem ausführlich der Corona-Krise. Realweltliche Aktionen mit Corona-Bezug gab es in der Oberpfalz jedoch nicht.

Neben der Durchführung von öffentlichkeitswirksamen rechtsextremistischen Propagandaaktionen finden sich die Mitglieder des Stützpunktes Ostbayern und ihre Familien auch zu Freizeitaktivitäten zusammen, die das Kameradschafts- und Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Partei stärken sollen: So berichtete die Partei auf ihrer Webseite über eine Wanderung auf den Kaitersberg (Lkr. Cham) am 24. November 2019. Im Zeitraum von Juni 2016 bis Februar 2020 bewarb der Stützpunkt Ostbayern zudem einen monatlichen Stammtisch im Landkreis Cham. Dieser sollte jeden 2. Freitag im Monat stattfinden und richtete sich an „Mitglieder, Förderer, Interessenten und Freunde“ der Partei.

Die Partei III. Weg trat am 26. Mai 2019 zur Europawahl an und führt aus diesem Grund auch in Ostbayern zahlreiche Wahlkampfveranstaltungen durch. In Bayern konnte die Partei III. Weg insgesamt 1.886 Stimmen auf sich vereinen. Dies entspricht einem Stimmenanteil von unter 0,1 Prozent. Bei der Kommunalwahl in Bayern am 15. März 2020 trat die Partei nicht an. Jeder Stützpunkt ist mit der Parteiseite verlinkt. Eigene Webseiten sind nicht vorhanden.

Logos der Jungen Alternative (JA) und des Flügels
© Wikimedia

In Bayern wird die JA durch den Landesverband Junge Alternative für Deutschland Bayern (JA Bayern) vertreten. Die JA Bayern weist keine flächendeckenden bayerischen Strukturen auf. So existieren gegenwärtig zwar unterhalb des bayerischen JA-Landesverbandes (LV) vier Bezirksverbände (Franken, Oberbayern, Ostbayern und Schwaben), die Bayern in seiner Gesamtheit abdecken sollen, doch finden sich darunter aktuell nur rund zehn Kreisverbände.

In der Oberpfalz wird die JA durch den Bezirksverband Ostbayern vertreten. Vorsitzender des Bezirksverbandes ist Luis Hill. In der Oberpfalz existiert gegenwärtig lediglich ein Kreisverband Regensburg. Der Kreisverband verfügt über eine eigene Facebook-Seite sowie einen Instagram-Account. Öffentliche Aktionen oder Veranstaltungen konnten zuletzt nicht festgestellt werden. Am 10. Mai 2019 organisierte die Junge Alternative Ostbayern einen Ausflug zur Walhalla in Regenstauf/Lkr. Regensburg. Im Nachgang veröffentlichte die JA sowohl auf ihrer Facebook-Seite, als auch auf der Internetseite der JA Bayern zahlreiche Bilder zur Veranstaltung.

Der Flügel gründete sich als „Sammlungsbewegung innerhalb der AfD“ durch die sogenannte „Erfurter Resolution“, die am 14. März 2015 im Rahmen des Landesparteitags der AfD Thüringen vorgestellt wurde. Ende April 2020 vollzog der Flügel formal seine Selbstauflösung, die wohl als taktisch motivierte Reaktion auf die Beobachtung durch den Verfassungsschutz angesehen werden kann. Offizielle Strukturen des Flügels in Bayern waren nicht bekannt. In Bayern fanden einzelne interne Veranstaltungen oder öffentliche AfD-Veranstaltungen mit Bezug zum Flügel statt.

© Screenshot: deutschekonservative.de (gesichert: 22.12.20)

Die Partei Deutsche Konservative weist keine flächendeckenden bayerischen Strukturen auf. Der Vorsitzende des bayerischen Landesverbands, Ewald Ehrl, fällt seit mehreren Jahren durch seine intensiven Beziehungen zu rechtsextremistischen Personenzusammenhängen auf. Veranstaltungen mit Mitgliedern rechtsextremistischer Parteien wie der NPD und dem III. Weg wurden offen organisiert.

Ideologisch decken sich die Äußerungen der Partei bzw. des Vorsitzenden des Landesverbandes mit der Ideologie bzw. der Propaganda der Partei III. Weg. Öffentlichkeitswirksame Parteiaktivitäten waren ausschließlich in der Region Cham/Schwandorf zu verzeichnen. Der Landesvorsitzende Ehrl trat hier regelmäßig zu Wahlen auf Landes- und Bundesebene an und führt in diesem Zusammenhang entsprechende Wahlkampfveranstaltungen durch. Zur Bundestagswahl 2017 verzichtete die Partei III. Weg auf regionaler Ebene zugunsten des Landesvorsitzenden Ehrl auf eine eigene Kandidatur und betrieb für ihn Wahlkampf.

Unter dem Motto „Tot sind nur jede, die vergessen werden!“ veranstaltete die Partei III. Weg am 16. November 2019 ihre alljährliche Demonstration zum „Heldengedenken“ in Wunsiedel. Viele der ca. 200 Teilnehmer zeigten ihre Parteizugehörigkeit durch Tragen von Jacken mit Emblemen, Fahnen oder Transparenten. Die Aktivisten Matthias Fischer (stellvertr. Parteivorsitzender und Gebietsverbandsleiter Mitte), Julian Bender (Gebietsverbandsleiter West) sowie der ehemalige Gebietsverbandsleiter Süd und Stützpunktleiter Ostbayern, Walter Strohmeier, beteiligten sich mit Redebeiträgen an der Veranstaltung.

Indem die rechtsextremistische Szene den vom Nationalsozialismus geprägten Begriff des „Heldengedenkens“ zum Volkstrauertag aufgreift, verdeutlicht sie ihre positive Bezugnahme auf das Dritte Reich. So wird vonseiten der Rechtsextremisten während der von ihnen durchgeführten Gedenkdemonstrationen ausschließlich der gefallenen deutschen Soldaten gedacht. Dieses Gedenken schließt in der Regel die Angehörigen der Waffen-SS ausdrücklich mit ein.

Am 15. Februar 2020 veranstaltete die Partei III. Weg unter dem Motto „Ein Licht für Dresden“ einen öffentlichen Trauermarsch in Bamberg. Mit Blick auf den 75. Jahrestag der Bombardierung Dresdens sollte nach Parteiangaben auf diese Weise der Opfer der alliierten Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg gedacht werden.

Unter den etwa 130 rechtsextremistischen Teilnehmern waren viele Angehörige der fünf bayerischen III. Weg-Stützpunkte. Zudem beteiligten sich Aktivisten aus benachbarten Bundesländern und Delegationen aus dem europäischen Ausland. Bei drei stationären Kundgebungen während des Trauermarsches traten unter anderem der III.-Weg-Vorsitzende Klaus Armstroff sowie mit Walter Strohmeier und Matthias Bauernfeind zwei führende Parteiaktivisten aus Bayern als Redner auf.

Die Oberpfälzerin Jasmine Eisenhardt gehört seit 2015 dem Parteistützpunkt Ostbayern der Partei III. Weg an. Am 28. Juli 2018 gab sie während einer Rednerveranstaltung der Partei III. Weg in Furth im Wald offiziell ihre Kandidatur für die Europawahl 2019 bekannt. Eisenhardt war eines von zehn Mitgliedern der Partei, die zur Europawahl 2019 antraten. Am 25. Juli 2020 wurde sie zur Landesvorsitzenden des neugegründeten Landesverbands Bayern der Partei III. Weg gewählt.

Patrick Schröder ist seit 2005 Vorsitzender des NPD-Kreisverbandes Weiden / OPf.-Tirschenreuth. Schröder nahm an einer Vielzahl von Veranstaltungen der NPD teil, in unregelmäßigen Abständen trat er auch als Redner und Leiter von Versammlungen auf.

Zudem betätigt sich Schröder bundesweit als Redner auf politischen Kundgebungen rechtsextremistischer bzw. rechtsorientierter Gruppierungen. Insbesondere in Südthüringen unterhält er Kontakte zu maßgeblichen Aktivisten der rechtsextremistischen Szene.  Schröder beschäftigt sich in den letzten Jahren vor allem auch mit der Organisation und Durchführung von Rechtsrock-Konzerten außerhalb Bayerns, wie z.B. in Themar / Thüringen, mit mehreren tausend Teilnehmern. Das strikte Vorgehen der bayerischen Sicherheitsbehörden führt dazu, dass viele Musikveranstaltungen nicht mehr in Bayern, sondern in benachbarten Bundesländern durchgeführt werden.

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Die KSA besteht aus etwa 20 Aktivisten. Einzelne Aktivisten pflegen Kontakte zur NPD und treten bei Kundgebungen und Demonstrationen als Unterstützer der Partei III. Weg auf. 2019 waren keine öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten festzustellen.

Der Vorsitzende des NPD-Kreisverbandes Weiden / OPf.-Tirschenreuth, Patrick Schröder, ist Inhaber bzw. Geschäftsführer der rechtsextremistischen Online-Versandhandel FSN-Shop, Ansgar Aryan und Patriotic Store. Rechtsextremistische Versandhandel kommerzialisieren die subkulturell geprägte rechtsextremistische Szene. Die Angebotspalette umfasst Textilien, Fahnen und szenetypische Devotionalien. Dabei verfolgen die Betreiber der Versandhandel insbesondere wirtschaftliche Interessen, manche unterstützen mit ihren Einnahmen auch die Szene.

Patrick Schröder, betreibt seit 2007 – mit Unterbrechungen – zudem von Weiden i.d. OPf. aus das rechtsextremistische Internetradio Radio FSN (Frei-Sozial-National) sowie seit August 2012 auch das Internet-TV FSN-TV. FSN-TV wurde mittlerweile zum Format FSN – The Revolution umbenannt. Dort werden neben Interviews mit Protagonisten aus der rechtsextremistischen Szene in moderierten Beiträgen Aktionshinweise, Konzert- und Demonstrationstermine und Informationen über aktuelle und politische Ereignisse innerhalb des rechtsextremistischen Spektrums verbreitet.

Für den 18. Januar 2020 kündigte Schröder eine Veranstaltung seines Medienprojekts FSN (Frei Sozial National) im Bereich Nordbayern an. Neben einer Podiumsdiskussion und Vorträgen war auch ein Liederabend des rechtextremistischen Liedermachers Frank Rennicke eingeplant. Die Veranstaltung fand nicht statt.

© Screenshot: ib-bayern.de (gesichert: 02.12.20)

Die IB Bayern umfasst die Regierungsbezirke Oberbayern, Niederbayern und Oberpfalz. Die Organisation gliedert sich in Bayern nicht nach Regierungsbezirken, sondern nach vermeintlichen„Volksgrenzen“. Angehörige der bayerischen Gruppen pflegen Kontakte zur IB im gesamten Bundesgebiet. Einzelne Aktivisten haben Verbindungen zur Aktivitas der Münchner Burschenschaft Danubia und zur IB in Österreich.

Im September 2019 veranstalteten IB-Aktivsten der Regionalgruppen Bayern und Franken ein sog. „Aktivistenwochenende“. Laut der Webseite und dem Twitter-Kanal der IB Bayern wurde dort eine intensivere Zusammenarbeit der süddeutschen Regionalgruppen Franken und Bayern beschlossen. Als Bindeglied soll dabei die neu gegründete Ortsgruppe aus der Oberpfalz dienen.

Die Ortsgruppe aus der Oberpfalz verfügt derzeit über keine eigene Internetseite. Aktivitäten der Aktivisten werden über die Webseite der IB Bayern veröffentlicht. Am 6. Dezember 2019 wurde dort ein Beitrag mit dem Titel „Aktion für Demokratie und Meinungsfreiheit in Amberg“ veröffentlicht. Darin stilisierte sich die Ortsgruppe als Opfer einer vermeintlichen „medialen Hetzkampagne“ und berichtete über eine Banneraktion in Amberg. Ferner verfügt die Ortsgruppe über einen eigenen öffentlichen Instagram-Account, hier sind derzeit jedoch lediglich zwei Beiträge geteilt worden.

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In der Oberpfalz existieren kleinere rechtsextremistische Skinhead-Gruppen bzw. -Szenen in den Regionen Regensburg, Cham / Roding / Bad Kötzting, Amberg / Schwandorf und Weiden.

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© Mika Baumeister / Unsplash
Logo der Gruppe „Sozialrevolutionäre Aktion“ (SRA)
© Screenshot: sozialrevolutionaere-aktion.com (gesichert: 22.12.20)

In Regensburg gründete sich 2017 die autonome Gruppe Sozialrevolutionäre Aktion (SRA). Bei der SRA sind hinreichende tatsächliche Anhaltspunkte für Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung zu erkennen: Die Gruppierung lehnt Staat, Staatsgewalt und Staatsvolk in ihrer Gesamtheit sowie die parlamentarisch-repräsentative Demokratie, die Volkssouveränität, das (Mehr-)Parteienprinzip und das Rechtsstaatsprinzip ab. In ihrem Selbstverständnis bekennt sich die SRA zudem zum Kommunismus:

„(…) Wir stehen in der Tradition der kämpfenden ArbeiterInnenklasse weltweit. Folgerichtig stehen wir deshalb für einen proletarischen Internationalismus ein. (…) Wir lehnen das kapitalistische Weltwirtschaftssystem in all seinen Ausprägungen entschieden ab. Wir sehen in diesem die Ursächlichkeit der derzeitigen Unterdrückung, Vertreibung, Entfremdung, Ausbeutung, Verelendung, Endmündigung sowie den weltweiten Dauerkriegszustand. (…) Dies gilt es zu erkennen und zu überwinden. (…)“
(Fehler aus dem Original übernommen)

Die SRA lehnt sämtliche Strukturen und die Herrschaft von Menschen über Menschen ab und vertritt somit anarchistisches Gedankengut:

„(…) radikales Denken heißt, den Ursachen auf den Grund zu gehen, deshalb lehnen wir vertikale und hierarchische Strukturen ab. (…)“

Die SRA befürwortet eine Überwindung der bestehenden Gesellschaftsverhältnisse durch Revolution. Zum Erreichen ihrer Ziele distanziert sich die Gruppe nicht von der Anwendung von Gewalt.

Linksextremisten der SRA bildeten zusammen mit anderen linksextremistischen Gruppierungen wie der „Linksjugend ['solid]“ einen „revolutionären Block“ bei der 1. Mai-Kundgebung in Regensburg.

Am 1. September 2020 organisierte die Sozial-Revolutionäre Aktion (SRA) in Regensburg einen Anti-Kriegstag. Daran nahmen sowohl FDJ-Mitglieder als auch Unterstützer des „Arbeiterbunds für den Wiederaufbau der KPD“ teil.

Logo FDJ
© BayLfV

Bei der FDJ handelt es sich um eine bundesweite Organisation von orthodoxen-Kommunisten, die sich zum Marxismus-Leninismus in seiner Reinform bekennen und sich dabei ganz bewusst in die Tradition der DDR, des Stalinismus und der Sowjetunion stellen. 1951 wurde die „FDJ in Westdeutschland“ vom Bundesverwaltungsgericht verboten. Dieses Verbot galt jedoch nicht für die FDJ in der DDR. Die heutige „Freie Deutsche Jugend“ sieht sich in der Tradition der „Ostdeutschen“-FDJ und versucht so, das Verbot aus dem Jahr 1951 zu umgehen. Schon seit geraumer Zeit ist eine zunehmende Präsenz der FDJ in der Öffentlichkeit zu beobachten, vorwiegend in den neuen Bundesländern. Häufig treten dabei auch Minderjährige mit provokanten Statements auf, wie zum Beispiel, die DDR sei „das bessere Deutschland gewesen“. Im Sommer demonstrierten überwiegend aus Westdeutschland stammende Anhänger der FDJ in mehreren ostdeutschen Städten unter dem Motto: „30 Jahre sind genug! Revolution und Sozialismus!“ In den Medien haben diese eher kleinteiligen Demonstrationen eine vergleichsweise hohe Aufmerksamkeit erlangt.In „größeren westdeutschen Städten“ sollen laut FDJ seit 1994 Ortsgruppen der FDJ existieren. In Bayern sind Ortsgruppen der FDJ in Ingolstadt, München, Nürnberg und Regensburg bekannt. Ausgehend von diesem orthodox-kommunistischen Personenkreis sind auch vermehrt Aktivitäten in Bayern feststellbar. So verteilten im Juli 2020 Angehörige der FDJ vor zwei Münchner Gymnasien Flugblätter mit der Aussage: „Dieser Staat mit seinen rassistischen Gesetzen, rassistischer Polizeigewalt, Abschiebungen steht auf der Seite der Spaltung.“ Die DDR dagegen wird als antifaschistischer Staat glorifiziert, der vom kapitalistischen Westdeutschland „annektiert“ wurde. Insbesondere die Regensburger Ortsgruppe der FDJ ist in und außerhalb Bayerns aktiv. Dies dürfte vor allem damit im Zusammenhang stehen, dass der Pressesprecher der FDJ aus Regensburg stammt. In der Regensburger Ortsgruppe der FDJ bestehen personelle und ideologische Überschneidungen zum Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD. Am 1. September 2020 organisierte die Sozial-Revolutionäre Aktion (SRA) in Regensburg einen Anti-Kriegstag. Daran nahmen sowohl FDJ-Mitglieder als auch Unterstützer des Arbeiterbunds für den Wiederaufbau der KPD teil.

  Bayern
Gründung 1994
Sitz Ingolstadt, München, Nürnberg und Regensburg

 

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Reisepass Deutsches Reich der Reichsbürgerbewegung
© picture alliance / blickwinkel/M

Das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz beobachtet die Reichsbürger- und Selbstverwalterszene als sicherheitsgefährdende Bestrebung. In Bayern liegen zu rund 4.130 Personen belastbare Hinweise bezüglich ihrer Zugehörigkeit zur Reichsbürgerszene vor. In kleinen Teilen der Szene finden sich auch ideologische Überschneidungen mit dem Rechtsextremismus; insbesondere dort, wo sich Versatzstücke nationalsozialistischer, antisemitischer und revisionistischer Denkmuster wiederfinden.

In Bayern sind unter anderem die Reichsbürger-Gruppierungen Volksstaat Bayern (ehem. Bundesstaat Bayern) und Staatenlos.info – Comedian e. V. aktiv. Am 6. April 2020 verbot Bundesinnenminister Horst Seehofer die Reichsbürger-Gruppierung Geeinte Deutsche Völker und Stämme (GdVuSt). Dieser Gruppierung wurden in Bayern jedoch nur Einzelpersonen zugerechnet.

Bei der Auswertung regionaler Schwerpunkte von Reichsbürgern und Selbstverwaltern in Bayern zeigten sich für die Regierungsbezirke Mittelfranken, Oberfranken und Oberbayern im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung leicht überdurchschnittliche Reichsbürgerzahlen gegenüber den anderen vier Regierungsbezirken. In Bayern konnten im Jahr 2019 nur vereinzelt öffentlichkeitswirksame Aktivitäten von Reichsbürgergruppierungen festgestellt werden.

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