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Musik

Musik hat eine zentrale Bedeutung für die rechtsextremistische Szene – sowohl als internes Identifikationsmittel als auch zur Kommunikation nach außen und zur Nachwuchswerbung. Hier wird nachfolgend der hohe Stellenwert einschlägiger Musik erläutert und ein Überblick über rechtsextremistische Bands, Liedermacher und Konzerte, sowie über die Verbreitungswege und den Einsatz der Musik als Werbemittel vermittelt.

Viele Jugendliche sind in ihrer politischen Überzeugung, ihren Werten und ihrer Weltanschauung noch nicht gefestigt. Musik ist für Jugendliche ein wichtiges Mittel zur Identifikation und zum Ausdruck von Lebensgefühlen und Emotionen. Verschiedene Musikstile ermöglichen – verbunden mit spezifischer Kleidung und szeneeigenen Symbolen – eine Selbstzuordnung zu verschiedenen Subkulturen.

So nutzen Rechtsextremisten Musik, um Jugendliche mit rechtsextremistischem Gedankengut in Kontakt zu bringen. Das Angebot an rechtsextremistischer Musik ist hinsichtlich Qualität, Stil und Zielrichtung größer geworden und reicht von Skinhead-Musik und Balladensängern über Vikingrock, Black Metal, Hatecore und Neofolk bis hin zu Rap und Techno. Die Texte enthalten nationalistisches, fremdenfeindliches, antisemitisches und antidemokratisches Gedankengut.

Neu aufkommende Musikstile vermischen sich zu immer neuen Richtungen. Hauptströmungen sind vor allem die Musik von rechtsextremistischen Skinhead-Bands und Liedermachern. Daneben gibt es rechtsextremistisch beeinflusste Musik, insbesondere im Bereich Dark-Wave/Gothic, Hatecore und in der Black-Metal-Szene. Neben rassistischen, ausländerfeindlichen, antisemitischen und nationalistischen Inhalten werden auch vermehrt soziale Missstände und der Kampf gegen das bestehende politische System thematisiert. So befasst sich beispielsweise der aus Skandinavien stammende Vikingrock in Deutschland mit Vorstellungen von der Epoche der Wikinger und nordischer Mythologie als idealisierender Gegenentwurf zu den aktuellen gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen.

Soziale Erfahrungen und gruppendynamische Erlebnisse mit rechtsextremistischem Hintergrund begünstigen ein Abgleiten in das neonazistische Milieu. Der Einstieg in die rechtsextremistische Szene erfolgt somit nicht nur über einschlägige Musik. Diese ist jedoch als Trägermedium rechtsextremistischen Gedankenguts von großer Bedeutung, um Nachwuchs zu ködern und die Ideologie zu festigen. Vor allem die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) bzw. ihre Jugendorganisation Junge Nationalisten (JN) und Angehörige der Neonazi-Szene versuchten in der Vergangenheit immer wieder, durch Verteilaktionen von sogenannten Schulhof-CDs vor Schulen und Jugendeinrichtungen gezielt Nachwuchs zu gewinnen. Dabei wurde die Musik als Träger und Mittler rechtsextremistischen Gedankenguts benutzt. In Bayern nutzten Rechtsextremisten Schulhof-CDs u. a. als Wahlkampfmittel zur Bayerischen Kommunal- und Landtagswahl im Jahr 2008, zur Bundestagswahl 2009 und vereinzelt auch 2013 an. Anfangs waren zusätzlich Bestellcoupons für Infomaterial, Aufkleber oder sogar Mitgliedsanträge für die NPD enthalten. Später fanden Multimedia-CDs Verwendung, die auch Propagandatexte, Bilder oder Links zu rechtsextremistischen Internetseiten enthielten. Verteilaktionen von Schulhof-CDs spielten in den letzten Jahren auf Grund der leichten Verfügbarkeit rechtsextremistischer Musik im Internet keine große Rolle mehr in der rechtsextremistischen Propaganda. Im Herbst 2018 versuchte die NPD das Aktionsformat als „Schulhof-CD 2.0“ neu aufzulegen und zu modernisieren. Die Partei produzierte einen neuen Musik-Sampler, der in Hessen im Kontext des dortigen Landtagswahlkampfes thematisiert wurde. Die CD mit nichtindizierten Musiktiteln rechtsextremistischer Bands und Liedermacher soll an Jugendliche verteilt werden, ist aber auch digital zum Herunterladen im Internet verfügbar.

Insbesondere Skinhead-Konzerte vermitteln den Besuchern nicht nur rechtsextremistische Gesinnung sondern auch ein Gemeinschaftsgefühl und ermutigen sie, ihre politische Überzeugung auch nach außen selbstbewusst, mitunter auch gewaltbereit zu vertreten. Das Radikalisierungspotenzial derartiger Musikveranstaltungen ist langfristig nicht zu unterschätzen, auch wenn die Konzerte am Veranstaltungstag selbst oft ohne unmittelbare Auswirkung stattfinden.

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Konzerte gehören seit jeher zur rechtsextremistischen Szene. Sie sind wichtig für die Knüpfung sozialer Kontakte und zur Stärkung der Gruppenidentität. Veranstalter sind in der Regel langjährige Szeneaktivisten.

Um ein Einschreiten der Sicherheitsbehörden zu erschweren, versuchen Veranstalter rechtsextremistische Konzerte als private Tanzabende bzw. Plattenpartys oder Geburtstagsfeiern zu tarnen und diese über Mittelsmänner anzumelden. Die Teilnehmer wird über soziale Netzwerke der ungefähre Veranstaltungsort mitgeteilt. Erst unmittelbar vor Beginn des Konzerts wird die konkrete Örtlichkeit bekannt gegeben oder die Teilnehmer werden über Vortreffpunkte informiert. Zur weiteren Absicherung gegen unerwünschte Gäste führen Ordner schließlich vor den Veranstaltungsorten Einlasskontrollen durch. Diese konspirativen Vorbereitungsmaßnahmen üben einen zusätzlichen Reiz aus. Veranstalter – es handelt sich dabei meistens um langjährige Aktivisten – erlangen bei der erfolgreichen Durchführung eines Konzerts innerhalb der Szene viel Anerkennung.

Um für Rechtsextremisten, die zuvor parteipolitisch nicht aktiv waren, attraktiver zu werden, kombinierte die NPD in der Vergangenheit immer wieder Parteiveranstaltungen mit Auftritten von Bands oder Liedermachern. Als Beispiele können hier die Pressefeste der Parteizeitung Deutsche Stimme, auf denen teilweise über zehn Bands bei einer Veranstaltung spielten, genannt werden. Bei diesen Veranstaltungen traten neben bekannten Aktivisten der NPD als Redner auch rechtsextremistische Bands oder Liedermacher im Rahmenprogramm auf. Dieses Konzept wurde mittlerweile sowohl von anderen Parteien als auch von Organisationen übernommen. So ist die Kombination von politischen Redebeiträgen und rechtsextremistischer Musik auf einschlägigen Veranstaltungen inzwischen sehr verbreitet. Damit soll Konzertverboten vorgebeugt werden.

Der Teilnehmerkreis rechtsextremistischer Konzerte setzt sich größtenteils aus langjährigen Szenemitgliedern, aber auch aus Sympathisanten, die erstmalig Kontakt mit der Szene knüpfen wollen, zusammen. Auf solchen internen Veranstaltungen werden oft Titel mit strafbarem Inhalt gespielt. Um sich nicht selbst strafbar zu machen, ermuntern die auftretenden Bands das Publikum, die entsprechenden Textpassagen zu singen. Bei aufgeheizter Stimmung kommt es auch zu anderen Straftaten wie „Heil Hitler“-Rufe oder Zeigen des Hitlergrußes sowie zu Gewalttaten.

Aufgrund des intensiven Überwachungsdrucks der Sicherheitsbehörden und des damit verbundenen finanziellen Risikos gelingt es den Veranstaltern in Bayern nur noch sehr selten, Skinhead-Konzerte durchzuführen. Konzerte werden bevorzugt in benachbarte Bundesländer, insbesondere Thüringen, bzw. ins Ausland verlagert. Das Publikum von Rechtsrockkonzerten ist international. Zu sogenannten Memorial-Veranstaltungen von verstorbenen neonazistischen Musikern reisen oft hunderte Jugendliche aus ganz Europa an. So fand am 15. Juli 2017 im thüringischen Themar unter dem Titel „Rock gegen Überfremdung II“ mit etwa 6.000 Besuchern aus dem In- und Ausland das bisher größte rechtsextremistische Konzert in Deutschland statt. Aus Bayern reisten etwa 300 Rechtsextremisten, sowohl aus dem parteigebundenen als auch aus dem parteiungebundenen Spektrum, an. Der hohe Zuspruch für die Veranstaltung durch subkulturell geprägte Rechtsextremisten aus vielen Ländern Europas zeigt das enorme Mobilisierungspotenzial rechtsextremistischer Musik, das verschiedenste Gruppen wie Hammerskins, Kameradschaften und Parteimitglieder sowie rechtsextremistische Einzelpersonen vereint. Am 29. Juli 2017 veranstaltete der in der Oberpfalz ansässige Rechtsextremist Patrick Schröder mit „Rock für Identität“ in Themar ein weiteres rechtsextremistisches Konzert, zu dem etwa 1.050 Besucher anreisten. Beide Veranstaltungen waren als politische Kundgebungen nach dem Versammlungsgesetz angemeldet, um ein Verbot durch die Behörden zu erschweren. Dem Kundgebungscharakter wurde dadurch Rechnung getragen, dass das Musikprogramm regelmäßig von politischen Redebeiträgen unterbrochen wurde.

Im Hinblick auf rechtsextremistische Musik- und Konzertveranstaltungen ist im Bundesgebiet ein allgemeiner Trend zur Verbindung politischer Rednerveranstaltungen mit Musikveranstaltungen festzustellen. 2020 beeinträchtigten die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Beschränkungsmaßnahmen im gesamten Bundesgebiet die Durchführung rechtsextremistischer Konzerte und sonstiger Großveranstaltungen.

Eines der bislang größten rechtsextremistischen Konzerte in Bayern fand am 12. Oktober 2013 in Scheinfeld (Lkrs. Neustadt a.d. Aisch) mit rund 1.000 Teilnehmern aus dem gesamten Bundesgebiet und dem benachbarten Ausland statt. Die Veranstaltung wurde konspirativ vorbereitet und das Teilnehmerpotenzial gegenüber den zuständigen Behörden bis zuletzt verschleiert. Veranstalter des Konzerts war der Neonazi und NPD-Funktionär Patrick Schröder. In Bayern konnten seitdem weitere rechtsextremistische Konzerte von Patrick Schröder verhindert werden.

Am 10. Januar 2020 fand im Rahmen einer Veranstaltung der rechtsextremistischen Skinhead-Vereinigung Voice of Anger (VoA) in der „Gartenschänke“, dem Clubheim der VoA in Memmingen, eine Musikdarbietung statt.

Am 18. Januar 2020 planten der Betreiber des Modelabels Ansgar Aryan, Patrick Schröder, und der stellvertretende Landesvorsitzende der NPD Bayern, Axel Michaelis, eine rechtsextremistische Veranstaltung in Geiselwind. Diese sollte von Schröders Medienprojekt FSN (Frei Sozial National) durchgeführt werden. Dabei war zunächst eine Podiumsdiskussion zwischen Schröder und dem Liedermacher Frank Rennicke geplant. Im Anschluss sollte ein musikalischer Auftritt Rennickes erfolgen. Nachdem der Vermieter der Veranstaltungsörtlichkeit von den Sicherheitsbehörden über die Hintergründe der geplanten Veranstaltung informiert wurde, zog dieser die Nutzungszusage zurück und die Veranstaltung konnte somit verhindert werden.

Am 1. Februar 2020 fand in den Geschäftsräumen des rechtsextremistischen Versandhandels Freizeitland Murnau/Versand der Bewegung im oberbayerischen Murnau ein „Redner- und Liederabend“ der NPD statt. Als Redner trat der nordrhein-westfälische NPD-Landesvorsitzende auf. Für den Musikbeitrag sorgte der rechtsextremistische Liedermacher F.i.e.L. (Fremd im eigenen Land) aus Mecklenburg-Vorpommern.

Am 12. September 2020 fand in einem Privatanwesen in Burgkunstadt ein Sommerfest der NPD Lichtenfels/Kronach statt, an dem sich etwa zehn Personen beteiligten. Im Rahmen dieses Festes trat der rechtsextremistische Liedermacher Frank Rennicke auf. Als Redner war der ehemalige NPD-Bundesvorsitzende Günter Deckert vor Ort.

Im Januar 2019 im Rahmen des Dreikönigstreffens des NPD Kreisverbands Lichtenfels-Kronach in Schwürbitz trat der rechtsextremistische Liedermacher Frank Rennicke auf. Am 11. Februar 2019 veranstaltete derselbe Kreisverband ebenfalls in Schwürbitz einen Liederabend mit dem rechtsextremistischen Sänger Lunikoff und etwa 50 Teilnehmern.

Am 2. März 2019 trat der Liedermacher Reichstrunkenbold in Geiselwind vor etwa 30 Zuhörern auf. Dieser Auftritt fand im Rahmen einer Informationsveranstaltung der NPD-Jugendorganisation Junge Nationalisten in Bayern statt.

Ebenfalls am 2. März 2019 veranstaltete die Gruppierung Voice of Anger in Memmingen ein Konzert mit etwa 50 Teilnehmern. Bei dem Konzert trat in der ehemaligen Gaststätte „Gartenschänke“ neben der Band Unbeliebte Jungs auch der Musiker Der Metzger auf.

Voice of Anger führte in Memmingen außerdem am 30. März 2019 und am 20. April 2019 zwei Feiern durch, bei denen jeweils Liedermacher auftraten. Während am 30. März etwa 60 Personen an der Feier teilnahmen, verfolgten am 20. April etwa 40 Personen den Auftritt des Liedermachers Griffin. Der 20. April, der Geburtstag Adolf Hitlers, wird in der  rechtsextremistischen Szene bis heute immer wieder mit entsprechenden Feierlichkeiten begangen.

Anfang August 2019 führten die Stützpunkte Mainfranken und Oberfranken des III. Weg ein gemeinsames Sommerfest durch. Teil dieses Festes, das etwa 50 Personen besuchten, waren die Auftritte der Liedermacher Flygien und Varghona.

Aktivisten des III. Weg aus Bayern nahmen am 28. September 2019 am Gesamtparteitag der Partei in Thüringen teil. Bei der Veranstaltung traten neben mehreren Rednern auch die „Parteimusiker“ Studio Drei und der rechtsextremistische Rapper Makss Damage auf. Mit dem neuen Lied „Löwen“ führte Makss Damage nach Aussage der Partei auf ihrer Homepage eine „kämpferisch wirkende Hymne“ der Partei vor. Den Besuchern wurden Informationsstände und Sportwettkämpfe, einschließlich Kampfsportvorführungen angeboten, an denen der Leiter des Stützpunkts Nürnberg/Fürth als Ringrichter und Kämpfer teilnahm.

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Rechtsextremistische Bands nutzen Konzerte als Möglichkeit, ihren Bekanntheitsgrad zu erhöhen und für Tonträger und Merchandising-Artikel zu werben. Dabei beziehen sie ihre finanziellen Einnahmen meist durch den Verkauf und Vertrieb von Tonträgern, die über Versandhandel, Verkaufsstände auf rechtsextremistischen Veranstaltungen und über das Internet verbreitet und vermarktet werden.

Das Internet bietet rechtsextremistischen Bands darüber hinaus zahlreiche Möglichkeiten, ihre Musik einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Beispielsweise stehen rechtsextremistische Musikclips und -alben in der Regel auch zum Download zur Verfügung.

Aktuell sind folgende rechtsextremistische Bands in Bayern aktiv:

  • Burning Hate (Oberfranken)
  • Edelweiss (Raum München)
  • Eskalation (Oberfranken/Unterfranken)
  • Kodex Frei (Raum Kempten)
  • MPU (Raum Hof)
  • Prolligans (Raum Allgäu)
  • Schanddiktat (Raum Dillingen an der Donau)
  • Siegesfahne (Raum Berchtesgaden)
  • Urweisse (Raum München)
  • White Rebel Boys / White Rebel Voice (Raum Hof)

Die über lange Jahre aktive rechtsextremistische Band Nordwind löste sich 2020 nach dem Tod ihres zentralen Aktivisten auf.

Weitere Informationen zu einzelnen Bands finden Sie in den regionalen Lagebildern zur Situation in den bayerischen Regierungsbezirken.

Aktive rechtsextremistische Bands in Bayern (entnommen aus Verfassungsschutzbericht Bayern 2020, S.141-142)
© StMI
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Rechtsextremistische Liedermacher treten zumeist bei internen Szene-Veranstaltungen wie Lieder- und Balladenabenden und im musikalischen Rahmenprogramm von Parteiveranstaltungen, insbesondere der NPD, auf. In ihren Balladen verherrlichen sie auch von ihnen definierte „deutsche Ideale“ wie Kameradschaft, Mutterschaft, Gehorsam, Heldentum, Tapferkeit, Solidarität, Treue, Ordnungssinn sowie die Zeit des NS-Regimes.

Ein Beispiel hierfür ist das Lied Das Mädel mit der Fahne“ des szenebekannten deutschen Liedermachers und in Bayern wohnhaften Frank Rennicke. In seinem Lied besingt Rennicke die Opferbereitschaft für das „Reich“:

„…Und noch an dem Abend sank die Fahne dahin das bewaffnete Mädel ging ihm nicht aus dem Sinn. Ihr Leib war zerschossen, ihre Lippen ganz bleich. Sie starb noch am Abend für die Fahne vom Reich. Das Opfer des Mädchens, vergesst ihr es nie. Verliert nie den Stolz und kämpfet wie sie. Bis es endlich soweit, bis auch ihr irgendwann, die Zeichen des Reiches man frei zeigen kann. Die Zeichen des Reiches man frei zeigen kann.“

Frank Rennicke tritt seit Anfang der 1990er-Jahre bundesweit als Liedermacher und Interpret rechtsextremistischer Musik in Erscheinung und kann als eine der zentralen Figuren in der rechtsextremistischen Musikszene betrachtet werden. Sich selbst bezeichnet er als nationaler Barde. Rennicke, der in Oberfranken wohnhaft ist, hat ein starkes Sendungsbewusstsein und setzt Musik und Gesang bewusst als politisches Transportmittel ein.

Rennicke ist Herausgeber zahlreicher, auch wegen Jugendgefährdung indizierter Tonträger. Er wurde bereits mehrfach u. a. wegen Volksverhetzung und Verbreitung von jugendgefährdenden Schriften verurteilt. In seinen „nationalen“ Liedern hatte er u. a. zum Fremdenhass aufgestachelt und Migranten in Deutschland das Recht abgesprochen, sich in unserer Gesellschaft zu integrieren. In jüngster Vergangenheit beteiligte er sich auch als Redner oft an asylfeindlichen Veranstaltungen.

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In den letzten 15 bis 20 Jahren wandelte sich der allgemeine Musikgeschmack unter Jugendlichen: Rap-Musik erfreute sich stärkerer Beliebtheit und war zunehmend in den Charts vertreten. Mit Blick auf die rechtsextremistische Szene lässt sich beobachten, dass Rechtsextremisten verstärkt Rap-Musik für ihre Zwecke zu nutzen versuchen. So wollen sie sich in ihrer Agitation dem allgemeinen Geschmack von Jugendlichen anpassen.

Oftmals geschieht dies mit geringer musikalischer Qualität und geringem Erfolg. Es finden sich jedoch auch Beispiele dafür, dass rechtsextremistische Rapper größeren Anklang mit ihren Inhalten finden. Dies trifft etwa für den rechtsextremistischen Musiker Makss Damage aus Nordrhein-Westfalen zu, der einen Vorlauf als Rapper im Linksextremismus hat, und noch mehr für den in Bayern lebenden Rapper Chris Ares, in dessen Texten sich ausgehend von unpolitischen Themen eine zunehmende Politisierung hin zum Rechtsextremismus beobachten lässt. Aufgrund der größeren Reichweite ist hier die Gefahr einer Radikalisierung von Jugendlichen über rechtsextremistische Rap-Musik hier wesentlich größer.

Einige rechtsextremistische Rapper wie Makss Damage sind im klassischen neonazistischen Spektrum zu verorten. Ihre Texte sind auch für unpolitische Dritte aufgrund der darin enthaltenen Aussagen recht schnell als rechtsextremistisch zu identifizieren. Andere rechtsextremistische Rapper wie Chris Ares verbreiten neben Liedern mit politischen Texten ebenfalls Songs mit unpolitischen Inhalten. So können auch politisch nicht vorgeprägte Jugendliche angesprochen werden. Dafür werden oftmals Ideologieelemente und Verschwörungstheorien der Neuen Rechten bzw. der Identitären Bewegung (IB) gezielt in den Texten verwendet. Diese erscheinen im Gewand einer unverfänglich wirkenden Sprache: Statt dumpfe Parolen wie „Ausländer raus“ zu schwingen, wird z. B. eine „Remigration“ gefordert. Gerade junge Menschen können Texte mit solchen Inhalten mitunter nicht ohne weiteres als rechtsextremistisch erkennen.

Die meisten rechtsextremistischen Rapper verorten die Ursprünge ihrer Musik nicht in der durch Afroamerikaner geprägten Subkultur des Hip-Hop. Sie behaupten, wie etwa Makss Damage in einem Interview, dass die Rap-Musik ursprünglich von Weißen stamme.

Dem bayerischen identitären Rapper Christoph Zloch gelang es 2019 unter seinem Künstlernamen Chris Ares kurzfristig, mit seiner Veröffentlichung „2014 – 2018“ auf verschiedenen Download-Plattformen wie iTunes die Hip-Hop Charts anzuführen. Damit zeigt sich einerseits die Bedeutung des Vertriebs von extremistischer Musik als Download im Internet und andererseits die gestiegene Reichweite von identitärer Rap-Musik.

Im Jahr 2020 veröffentlichte Ares ein weiteres Album. Kurz nach Erscheinen wurden das Album sowie die darauf enthaltenen Songs von mehreren Video- und Musikplattformen durch die Betreiber entfernt. Auch der Versandhändler Amazon nahm das Produkt kurz vor Verkaufsstart aus dem Sortiment. Über szeneinterne Vertriebsplattformen ist die Musik von Ares jedoch weiterhin erhältlich.

Auf seinem Telegram-Kanal kündigte Christoph Zloch am 25. September 2020 das Ende seiner Kunstfigur Chris Ares an. Damit einhergehend löschte er die Inhalte seiner Social-Media-Kanäle. Seinen Rücktritt begründet Zloch in einem längeren Statement auf seinem Telegram-Kanal mit tiefgreifenden „persönlichen Veränderungen“.

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Rechtsextremistische Musik ist nicht im üblichen Handel erhältlich. Für die Produktion und Verbreitung existieren langjährige nationale und internationale Vertriebsstrukturen. Mit ihrer Internetpräsenz haben sich die einzelnen Szenevertreiber den üblichen technischen Standards angepasst. Die Websites unterscheiden sich kaum noch vom Online-Angebot kommerzieller Versandhäuser. Hörproben und Kurzvideos sollen den potenziellen Kunden zum Kauf animieren. In Deutschland ansässige Produzenten und Vertriebe bieten in der Regel ausschließlich Produkte an, die strafrechtlich nicht relevant sind. Mit kostenlosen Downloads, Konzertberichten oder Bestellmöglichkeiten von CDs und Merchandising-Artikeln sollen gezielt Jugendliche angesprochen werden.

In Bayern wird die einschlägige Musik derzeit von rechtsextremistischen Vertrieben angeboten. Die Vertriebs-Szene bietet neben den Tonträgern u. a. Textilien szenetypischer Marken und Accessoires mit rechtsextremistischen Symbolen an. Einige rechtsextremistische Musiker bewerben ihre Lieder auch auf ihren eigenen Webseiten (z. B. Frank Rennicke).

Die Verbreitung und Vermarktung findet durch Versandhandel, Internetbörsen sowie durch Verkaufsstände bei rechtsextremistischen Veranstaltungen statt. Ebenso werden in entsprechenden Foren Videos von Konzertauftritten der einschlägigen Bands und Liedermacher angeboten. Rechtsextremistische Musik-Clips und Videos werden aber auch über unpolitische Plattformen wie z. B. YouTube oder Facebook verbreitet. Strafrechtlich relevante oder indizierte Tonträger, die sich in Deutschland nicht auf gewöhnlichen Vertriebswegen absetzen lassen, werden gezielt „unter der Hand“ oder auch im Internet angeboten und bestellt. Dabei gilt das Verbot eines Textes oder gar einer ganzen CD oft als „Gütesiegel“.

Zur Herstellung von Tonträgern werden professionelle Aufnahmestudios und -techniken verwendet, die den Musikern meist im Ausland zur Verfügung stehen.

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Logo Radio FSN
© Screenshot: fsn-tv.de (gesichert: 02.12.20)

Rechtsextremisten nutzen auch Internet-Radios zur Verbreitung „ihrer“ Musik. In Internet-Radios fungieren Rechtsextremisten als Administratoren sowie Moderatoren und verbreiten eigene Kommentare und Musiktitel deutscher und internationaler Skinhead-Bands. Die Homepages bieten häufig noch weitere Angebote wie Chats und Diskussionsforen, die jedoch meist anmeldepflichtig sind.

Das Programmangebot besteht überwiegend aus rechtsextremistischer Musik. Gelegentlich werden auch indizierte bzw. strafbare Titel gespielt. Als Wortbeiträge werden Anmoderationen für Musiktitel, Interviews mit Rechtsextremisten (z. B. Bandmitgliedern), Kommentare oder Kritiken zu CDs sowie gelegentlich Werbung für Konzerte, Demonstrationen, Vertriebe und CDs gesendet. Die Sendezeiten variieren von wenigen Stunden wöchentlich bis hin zu einem 24-Stunden Programm. Internet-Radios unterliegen einer hohen Fluktuation, manche sind nur vorübergehend in Betrieb.

Der Rechtsextremist Patrick Schröder betreibt seit mehreren Jahren das Internetradio Radio FSN (Frei-Sozial-National) sowie das Internet-TV FSN-TV, welches mittlerweile zum Format FSN – The Revolution umbenannt wurde. Es werden neben Interviews mit Protagonisten aus der rechtsextremistischen Szene in moderierten Beiträgen auch Aktionshinweise, Konzert- und Demonstrationstermine und Informationen über aktuelle und politische Ereignisse innerhalb des rechtsextremistischen Spektrums verbreitet.

Patrick Schröder, der mit einem Co-Moderator auftritt, erreicht mit seinen Sendungen ein überregionales Szenepublikum. Während sich frühere Radioprojekte ausschließlich dem Thema Musik widmeten, behandelt Radio FSN in moderierten, herunterladbaren Sendungen auch Themen zur „Ausländerproblematik“. Weiterhin gibt es „ungeschulten Kameraden“ Tipps für den politischen Kampf, Aktionshinweise und Demonstrationstermine sowie Infos über aktuelle Ereignisse wie z. B. laufende Strafprozesse gegen Rechtsextremisten. Die aufgezeichneten Sendungen werden als Podcasts angeboten und u. a. auf dem Video-Portal YouTube bereitgestellt. Auch in den sozialen Medien, beispielsweise auf Facebook, ist FSN – The Revolution mit eigenen Accounts aktiv.

„Menschen die bislang noch nicht in den Kontakt mit politischer Musik gekommen sind, soll durch das unverbindliche Hören unserer Lieder die ‚Angst‘ vor diesen Musikrichtungen genommen werden.“ (Website Radio FSN)

Logo „Revolution auf Sendung“
© Screenshot: der-dritte-weg.info (gesichert: 22.12.20)

Unter der Bezeichnung „Revolution auf Sendung“ die neonazistische Partei Der Dritte Weg (III. Weg)  ein Internetradioformat. Dieses Format ist eine Mischung aus Interviews, Nachrichten aus Sicht der Partei, Musikbeiträgen und Besprechungen von Liedern. Die Sendungen werden monatlich auf der Webseite der Partei eingestellt. Bei den Interviewpartnern handelt es sich um rechtsextremistische Aktivisten. Neben Parteimitgliedern kommen dabei auch andere rechtsextremistische Aktivisten und Musiker zu Wort.

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Die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ, früher Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien) listet u. a. rechtsextremistische Trägermedien, z. B. CDs auf: Liste A umfasst alle indizierten Trägermedien, die nach Einschätzung der BzKJ keinen strafrechtlich relevanten Inhalt haben; Teil B alle Trägermedien, die sowohl jugendgefährdende als auch einen möglicherweise strafrechtlich relevanten Inhalt haben.

So hat die BzKJ etwa die CD „White Songs - Full of Hate“ der oberfränkischen Skinheadband White Rebel Boys in Teil A der Liste der jugendgefährdenden Medien eingetragen.

Nach der Bewertung der BzKJ propagieren die Verfasser in den Titeln Nr. 2, 3, 9 und 12 der CD durchgängig die Ideologie und insbesondere die Rassenlehre des Nationalsozialismus; demnach wenden sie sich in den Liedtexten gegen Menschen mit dunkler Hautfarbe und popularisieren die Reinheit des Blutes, womit getreu der Ideologie des Nationalsozialismus der Erhalt der weißen Rasse gemeint ist. Die Wut der Interpreten richtet sich gegen all diejenigen, die kein „germanisches Blut in ihren Adern“ haben. In Deutschland lebende Migranten werden als „krimineller Abschaum“ bezeichnet, den es aus dem Land zu werfen gelte. So heißt es:

„In ihren Adern fließt kein germanisches Blut / Mit ihren Taten schüren sie unsere Wut / We are white rebel boys defend our blood and our soil / We are white rebel boys we stand and fight“

(... Wir sind weiße Rebel-Boys, verteidigen unser Blut und unsren Boden / Wir sind weiße Rebel-Boys, wir stehen und kämpfen).

Und an anderer Stelle:

„Was habt ihr nur aus unserem schönen Land gemacht / Frauen können nicht mehr auf die Straße in der Nacht / Vor vielen Jahren sah es hier noch anders aus / Werft diesen kriminellen Abschaum endlich raus, raus, raus, raus! / Entwurzelte Seelen wollt ihr nationalisieren / Und merkt dabei nicht mal dass wir die Lebensart verlieren. / ... / Von diesem Abschaum unterdrückt im eigenen Land / Schließt euch uns an im Nationalen Widerstand! / Dann sieht es hier auch wieder anders aus / Dann werfen wir den kriminellen Abschaum endlich raus, raus, raus, raus, werft sie raus“

Die BzKJ sah ferner in Lied Nr. 12 Parallelen zum sog. Horst-Wessel-Lied, dem Kampflied der SA, und sah insoweit eine Verherrlichung des Nationalsozialismus und des Hakenkreuz-Symbols als gegeben an.

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