Kopfhörer mit Laptop und einem Notenblatt auf braunem Holztisch
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Musik

Musik hat eine zentrale Bedeutung für die rechtsextremistische Szene – sowohl als internes Identifikationsmittel als auch zur Kommunikation nach außen und zur Nachwuchswerbung. Hier wird nachfolgend der hohe Stellenwert einschlägiger Musik erläutert und ein Überblick über rechtsextremistische Bands, Liedermacher und Konzerte, sowie über die Verbreitungswege und den Einsatz der Musik als Werbemittel vermittelt.

Viele Jugendliche sind in ihrer politischen Überzeugung, ihren Werten und ihrer Weltanschauung noch nicht gefestigt. Musik ist für Jugendliche ein wichtiges Mittel zur Identifikation und zum Ausdruck von Lebensgefühlen und Emotionen. Verschiedene Musikstile ermöglichen – verbunden mit spezifischer Kleidung und szeneeigenen Symbolen – eine Selbstzuordnung zu verschiedenen Subkulturen. Dies macht sich die rechtsextremistische Szene zu Nutze.

In der rechtsextremistischen Musik-Szene gibt es – entsprechend der verschiedenen „rechten“ Subkulturen – ein breites Spektrum an Stilrichtungen: Skinhead-Musik, NS-Black Metal, NS-Hatecore, Neofolk, NS-Rap, NS-Techno, teilweise Vikingrock und Liedermacher. Neu aufkommende Musikstile vermischen sich zu immer neuen Richtungen. Hauptströmungen sind vor allem die Musik von rechtsextremistischen Skinhead-Bands und Liedermachern. Daneben gibt es rechtsextremistisch beeinflusste Musik, insbesondere im Bereich Dark-Wave/Gothic, Hatecore und in der Black-Metal-Szene. Neben rassistischen, ausländerfeindlichen, antisemitischen und nationalistischen Inhalten werden auch vermehrt soziale Missstände und der Kampf gegen das bestehende politische System thematisiert. So befasst sich beispielsweise der aus Skandinavien stammende Vikingrock in Deutschland mit Vorstellungen von der Epoche der Wikinger und nordischer Mythologie als idealisierender Gegenentwurf zu den aktuellen gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen.

Soziale Erfahrungen und gruppendynamische Erlebnisse mit rechtsextremistischem Hintergrund begünstigen ein Abgleiten in das neonazistische Milieu. Der Einstieg in die rechtsextremistische Szene erfolgt somit nicht nur über einschlägige Musik. Diese ist jedoch als Trägermedium rechtsextremistischen Gedankenguts von großer Bedeutung, um Nachwuchs zu ködern und die Ideologie zu festigen. Vor allem die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) bzw. ihre Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN) und Angehörige der Neonazi-Szene versuchten in der Vergangenheit immer wieder, durch Verteilaktionen von sogenannten Schulhof-CDs vor Schulen und Jugendeinrichtungen gezielt Nachwuchs zu gewinnen. Dabei wurde die Musik als Träger und Mittler rechtsextremistischen Gedankenguts benutzt. In Bayern nutzten Rechtsextremisten Schulhof-CDs u. a. als Wahlkampfmittel zur Bayerischen Kommunal- und Landtagswahl im Jahr 2008, zur Bundestagswahl 2009 und vereinzelt auch 2013 an. Anfangs waren zusätzlich Bestellcoupons für Infomaterial, Aufkleber oder sogar Mitgliedsanträge für die NPD enthalten. Später fanden Multimedia-CDs Verwendung, die auch Propagandatexte, Bilder oder Links zu rechtsextremistischen Internetseiten enthielten. Verteilaktionen von Schulhof-CDs spielten in den letzten Jahren auf Grund der leichten Verfügbarkeit rechtsextremistischer Musik im Internet keine große Rolle mehr in der rechtsextremistischen Propaganda. Im Herbst 2018 versuchte die NPD das Aktionsformat als „Schulhof-CD 2.0“ neu aufzulegen und zu modernisieren. Die Partei produzierte einen neuen Musik-Sampler, der in Hessen im Kontext des dortigen Landtagswahlkampfes thematisiert wurde. Die CD mit nichtindizierten Musiktiteln rechtsextremistischer Bands und Liedermacher soll an Jugendliche verteilt werden, ist aber auch digital zum Herunterladen im Internet verfügbar.

Insbesondere Skinhead-Konzerte vermitteln den Besuchern nicht nur rechtsextremistische Gesinnung sondern auch ein Gemeinschaftsgefühl und ermutigen sie, ihre politische Überzeugung auch nach außen selbstbewusst, mitunter auch gewaltbereit zu vertreten. Das Radikalisierungspotenzial derartiger Musikveranstaltungen ist langfristig nicht zu unterschätzen, auch wenn die Konzerte am Veranstaltungstag selbst oft ohne unmittelbare Auswirkung stattfinden.

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Konzerte gehören seit jeher zur rechtsextremistischen Szene. Sie sind wichtig für die Knüpfung sozialer Kontakte und zur Stärkung der Gruppenidentität. Veranstalter sind in der Regel langjährige Szeneaktivisten.

Um ein Einschreiten der Sicherheitsbehörden zu erschweren, versuchen Veranstalter rechtsextremistische Konzerte als private Tanzabende bzw. Plattenpartys oder Geburtstagsfeiern zu tarnen und diese über Mittelsmänner anzumelden. Die Teilnehmer wird über soziale Netzwerke der ungefähre Veranstaltungsort mitgeteilt. Erst unmittelbar vor Beginn des Konzerts wird die konkrete Örtlichkeit bekannt gegeben oder die Teilnehmer werden über Vortreffpunkte informiert. Zur weiteren Absicherung gegen unerwünschte Gäste führen Ordner schließlich vor den Veranstaltungsorten Einlasskontrollen durch.

Um für Rechtsextremisten, die zuvor parteipolitisch nicht aktiv waren, attraktiver zu werden, kombinierte die NPD in der Vergangenheit immer wieder Parteiveranstaltungen mit Auftritten von Bands oder Liedermachern. Als Beispiele können hier die Pressefeste der Parteizeitung Deutsche Stimme, auf denen teilweise über zehn Bands bei einer Veranstaltung spielten, genannt werden. Bei diesen Veranstaltungen traten neben bekannten Aktivisten der NPD als Redner auch rechtsextremistische Bands oder Liedermacher im Rahmenprogramm auf. Dieses Konzept wurde mittlerweile sowohl von anderen Parteien als auch von Organisationen übernommen. So ist die Kombination von politischen Redebeiträgen und rechtsextremistischer Musik auf einschlägigen Veranstaltungen inzwischen sehr verbreitet. Damit soll Konzertverboten vorgebeugt werden.

Der Teilnehmerkreis rechtsextremistischer Konzerte setzt sich größtenteils aus langjährigen Szenemitgliedern, aber auch aus Sympathisanten, die erstmalig Kontakt mit der Szene knüpfen wollen, zusammen. Auf solchen internen Veranstaltungen werden oft Titel mit strafbarem Inhalt gespielt. Um sich nicht selbst strafbar zu machen, ermuntern die auftretenden Bands das Publikum, die entsprechenden Textpassagen zu singen. Bei aufgeheizter Stimmung kommt es auch zu anderen Straftaten wie „Heil Hitler“-Rufe oder Zeigen des Hitlergrußes sowie zu Gewalttaten.

Banner Rock gegen Überfremdung 2017

Aufgrund des intensiven Überwachungsdrucks der Sicherheitsbehörden und des damit verbundenen finanziellen Risikos gelingt es den Veranstaltern in Bayern nur noch sehr selten, Skinhead-Konzerte durchzuführen. Konzerte werden bevorzugt in benachbarte Bundesländer, insbesondere Thüringen, bzw. ins Ausland verlagert. Das Publikum von Rechtsrockkonzerten ist international. Zu sogenannten Memorial-Veranstaltungen von verstorbenen neonazistischen Musikern reisen oft hunderte Jugendliche aus ganz Europa an. So fand am 15. Juli 2017 im thüringischen Themar unter dem Titel „Rock gegen Überfremdung II“ mit etwa 6.000 Besuchern aus dem In- und Ausland das bisher größte rechtsextremistische Konzert in Deutschland statt. Aus Bayern reisten etwa 300 Rechtsextremisten, sowohl aus dem parteigebundenen als auch aus dem parteiungebundenen Spektrum, an. Der hohe Zuspruch für die Veranstaltung durch subkulturell geprägte Rechtsextremisten aus vielen Ländern Europas zeigt das enorme Mobilisierungspotenzial rechtsextremistischer Musik, das verschiedenste Gruppen wie Hammerskins, Kameradschaften und Parteimitglieder sowie rechtsextremistische Einzelpersonen vereint. Am 29. Juli 2017 veranstaltete der in der Oberpfalz ansässige Rechtsextremist Patrick Schröder mit „Rock für Identität“ in Themar ein weiteres rechtsextremistisches Konzert, zu dem etwa 1.050 Besucher anreisten. Beide Veranstaltungen waren als politische Kundgebungen nach dem Versammlungsgesetz angemeldet, um ein Verbot durch die Behörden zu erschweren. Dem Kundgebungscharakter wurde dadurch Rechnung getragen, dass das Musikprogramm regelmäßig von politischen Redebeiträgen unterbrochen wurde.

Eines der bislang größten rechtsextremistischen Konzerte in Bayern fand am 12. Oktober 2013 in Scheinfeld (Lkrs. Neustadt a.d. Aisch) mit rund 1.000 Teilnehmern aus dem gesamten Bundesgebiet und dem benachbarten Ausland statt. Die Veranstaltung wurde konspirativ vorbereitet und das Teilnehmerpotenzial gegenüber den zuständigen Behörden bis zuletzt verschleiert. Veranstalter des Konzerts war der Neonazi und NPD-Funktionär Patrick Schröder. In Bayern konnten seitdem weitere rechtsextremistische Konzerte von Patrick Schröder verhindert werden.

Die geheime Vorbereitung von derartigen Veranstaltungen übt einen zusätzlichen Reiz aus. Veranstalter – es handelt sich dabei meistens um langjährige Szene-Aktivisten – erlangen bei der erfolgreichen Durchführung eines Konzerts innerhalb der Szene viel Anerkennung.

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Rechtsextreme Bands nutzen Konzerte als Möglichkeit, ihren Bekanntheitsgrad zu erhöhen und für Tonträger und Merchandising-Artikel zu werben. Dabei beziehen sie ihre finanziellen Einnahmen meist durch den Verkauf und Vertrieb von Tonträgern, die über Versandhandel, Verkaufsstände auf rechtsextremistischen Veranstaltungen und über das Internet verbreitet und vermarktet werden.

Das Internet bietet rechtsextremistischen Bands darüber hinaus zahlreiche Möglichkeiten, ihre Musik einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Beispielsweise können Musikclips schnell und effektiv zum Download zur Verfügung gestellt werden.

Aktuell sind folgende rechtsextremistische Bands in Bayern aktiv:

CD-Cover „This is the end of our days“ von „Burning Hate“

Burning Hate

Die oberfränkische Skinheadband Burning Hate formierte sich im Jahr 2005 aus Mitgliedern der beiden Skin-Bands Aryan Rebels und Division 28. Die Band trat bis zum Jahr 2013 regelmäßig bei Skinhead-Konzerten auf. Am 29. Oktober 2017 veröffentlichte Burning Hate auf ihrem Facebook-Account, dass sie erstmals seit „knapp fünf Jahren“ wieder auf der Bühne stand. Außerdem kündigten sie an, im Laufe des Jahres 2018 ein neues Album veröffentlichen zu wollen. Musikalisch ist die Band der Stilrichtung „Hardcore“ zuzuordnen.

Tonträgerveröffentlichungen seit 2010:

  • CD „Your time is running out“, erschienen 2010
  • Beteiligung am Sampler „Punikoff hört rein - der Sampler“ mit dem Song „No escape“, erschienen 2017

Faustrecht

Im Frühjahr 2018 gab die Band Faustrecht auf ihrer Website ihre Auflösung bekannt. Die Band aus Mindelheim zählte zu den aktivsten Bands in der rechtsextremistischen Szene.

CD-Cover „Das Pack“ von „Kodex Frei“

Kodex Frei

Mitglieder von Voice of Anger gründeten 2010 die Skinhead-Band Kodex Frei und veröffentlichten ihre CD „Streetrock“. Die Band Kodex Frei hat zahlreiche Live-Auftritte und war eine der Bands, die bei der „Naked but armed“ (NBA) Tour 2017 in Deutschland teilnahm. Unter dem Begriff „NBA Tour 2017 in Deutschland“ wurde das Livekonzert von vier Bands mit teilweise rechtsextremistischen Hintergrund am 29. April 2017 beworben. Zuletzt hatte die Band einen Konzertauftritt am 24. Februar 2018 in Baden-Württemberg.

Tonträgerveröffentlichungen seit 2015:

  • CD „Demo“, erschienen 2015
  • CD „Das Pack“, erschienen 2016

MPU

Die Skinhead-Band MPU besteht aus insgesamt fünf Bandmitgliedern. Es wurden bisher zwei Tonträger veröffentlicht. Die Band tritt deutschlandweit auf, zuletzt spielte sie auf einem Konzert am 18. November 2017 im Raum Oldenburg / Niedersachsen.

Tonträgerveröffentlichungen seit 2010:

  • CD „Bootboys der alten Schule“, erschienen 2010
  • CD „Aus dem Herzen in die Fresse“, erschienen 2013
CD-Cover „Stolz & Stark“ von „Nordwind“

Nordwind

Im Jahr 1994 wurde die Rechtsrock-Band „Odins Erben“ gegründet, welche mit neuer Besetzung aus der seit 1988 bestehenden badischen Formation „Volkszorn“ hervorging. Sie benannte sich im Jahr 1995 in „Nordwind“ um und betrieb mit „Nordwind Records“ eine eigene Plattenfirma. In den folgenden Jahren absolvierte die Band viele Konzertauftritte und veröffentlichte zahlreiche Tonträger. Zwischen 2004 und 2014 war die Rechtsrockband inaktiv. Nordwind bezeichnet ihren Musikstil als „Vikingrock“. Die Band kündigt seit einiger Zeit ein neues Album an, die Veröffentlichung wurde jedoch mehrmals verschoben.

Tonträgerveröffentlichungen seit 2010:

  • LP „Stolz & Stark - limitierte Sammler Edition“ als Nordwind, erschienen 2014
  • DVD „Donnerhall“ als Nordwind, Erscheinungsdatum unbekannt
CD-Cover „Skinhead durch und durch“ von „Prolligans“

Prolligans

 

Die Band Prolligans wurde am 20. Juni 2004 gegründet und umfasst derzeit sechs Bandmitglieder. Ihre Musik, die der Oi!-Musik zuzuordnen ist, findet in der rechtsextremistischen Szene durchaus Beachtung. „Oi“ ist die Bezeichnung für einen Musikstil der Skinhead- und Punkszene, der Anfang der 1980er Jahre als eine Art Punk-Rock für Jugendliche der Arbeiterklasse entstand und als unpolitisch eingestuft wird. Obgleich die Prolligans vorgeben, eine unpolitische Band zu sein, ist die Band aufgrund ihrer Musiker, den Veröffentlichungen bzw. Vertriebswegen sowie ihrer Auftritte der rechtsextremistischen Szene zuzuordnen.

 

Tonträgerveröffentlichungen seit 2015:

  • Single „Furchtlos und Treu“, erschienen 2015
  • CD, Beteiligung am Sampler „Gegen den Zeitgeist“, erschienen 2016
  • CD „Skinhead for Life“, erschienen 2016
  • CD „Nahrung für den Geist“, erschienen 2017
  • CD „Skinhead durch und durch“, erschienen 2017
CD-Cover „1844“ von „Schanddiktat“

Schanddiktat

Die Band Schanddiktat ist im Raum Dillingen beheimatet und betreibt seit 2013 einen eigenen YouTube-Kanal.

CD-Cover „White Songs Full of Hate“ von „White Rebel Boys“

White Rebel Boys

Die in Hof ansässige Skinhead-Band „White Rebel Boys“ besteht aus vier Bandmitgliedern und wurde erstmals im Sommer 2007 durch die Beteiligung am Sampler Bavaria Sturm bekannt. Seitdem spielte sie auf zahlreichen Konzerten im In- und Ausland.

Tonträgerveröffentlichungen seit 2010:

  • CD „White songs – full of hate“, erschienen 2010
  • CD „The boys are back in town“, erschienen 2012
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Rechtsextremistische Liedermacher treten zumeist bei internen Szene-Veranstaltungen wie Lieder- und Balladenabenden und im musikalischen Rahmenprogramm von Parteiveranstaltungen, insbesondere der NPD, auf. In ihren Balladen verherrlichen sie auch von ihnen definierte „Deutsche Ideale“ wie Kameradschaft, Mutterschaft, Gehorsam, Heldentum, Tapferkeit, Solidarität, Treue, Ordnungssinn sowie die Zeit des NS-Regimes.

Ein Beispiel hierfür ist das Lied Das Mädel mit der Fahne“ des szenebekannten deutschen Liedermachers und in Bayern wohnhaften Frank Rennicke. In seinem Lied besingt Rennicke die Opferbereitschaft für das „Reich“:

„…Und noch an dem Abend sank die Fahne dahin das bewaffnete Mädel ging ihm nicht aus dem Sinn. Ihr Leib war zerschossen, ihre Lippen ganz bleich. Sie starb noch am Abend für die Fahne vom Reich. Das Opfer des Mädchens, vergesst ihr es nie. Verliert nie den Stolz und kämpfet wie sie. Bis es endlich soweit, bis auch ihr irgendwann, die Zeichen des Reiches man frei zeigen kann. Die Zeichen des Reiches man frei zeigen kann.“

Liedermacher Frank Rennicke

Frank Rennicke tritt seit Anfang der 90er-Jahre bundesweit als Liedermacher und Interpret rechtsextremistischer Musik in Erscheinung und kann als eine der zentralen Figuren in der rechtsextremistischen Musikszene betrachtet werden. Sich selbst bezeichnet er als nationaler Barde. Rennicke, der in Oberfranken wohnhaft ist, hat ein starkes Sendungsbewusstsein und setzt Musik und Gesang bewusst als politisches Transportmittel ein.

Rennicke ist Herausgeber zahlreicher, auch wegen Jugendgefährdung indizierter Tonträger. Er wurde bereits mehrfach u. a. wegen Volksverhetzung und Verbreitung von jugendgefährdenden Schriften verurteilt. In seinen „nationalen“ Liedern hatte er u. a. zum Fremdenhass aufgestachelt und Migranten in Deutschland das Recht abgesprochen, sich in unserer Gesellschaft zu integrieren. In jüngster Vergangenheit beteiligte er sich auch als Redner oft an asylfeindlichen Veranstaltungen.

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Rechtsextremistische Musik ist nicht im üblichen Handel erhältlich. Für die Produktion und Verbreitung existieren langjährige nationale und internationale Vertriebsstrukturen. Mit ihrer Internetpräsenz haben sich die einzelnen Szenevertreiber den üblichen technischen Standards angepasst. Die Websites unterscheiden sich kaum noch vom Online-Angebot kommerzieller Versandhäuser. Hörproben und Kurzvideos sollen den potenziellen Kunden zum Kauf animieren. In Deutschland ansässige Produzenten und Vertriebe bieten in der Regel ausschließlich Produkte an, die strafrechtlich nicht relevant sind. Mit kostenlosen Downloads, Konzertberichten oder Bestellmöglichkeiten von CDs und Merchandising-Artikeln sollen gezielt Jugendliche angesprochen werden.

In Bayern wird die einschlägige Musik derzeit von sieben rechtsextremistischen Vertrieben angeboten. Die Vertriebs-Szene bietet neben den Tonträgern u. a. Textilien szenetypischer Marken und Accessoires mit rechtsextremistischen Symbolen an. Einige rechtsextremistische Musiker bewerben ihre Lieder auch auf ihren eigenen Webseiten (z. B. Frank Rennicke).

Die Verbreitung und Vermarktung findet durch Versandhandel, Internetbörsen sowie durch Verkaufsstände bei rechtsextremistischen Veranstaltungen statt. Ebenso werden in entsprechenden Foren Videos von Konzertauftritten der einschlägigen Bands und Liedermacher angeboten. Rechtsextremistische Musik-Clips und Videos werden aber auch über unpolitische Plattformen wie z. B. YouTube oder Facebook verbreitet. Strafrechtlich relevante oder indizierte Tonträger, die sich in Deutschland nicht auf gewöhnlichen Vertriebswegen absetzen lassen, werden gezielt „unter der Hand“ oder auch im Internet angeboten und bestellt. Dabei gilt das Verbot eines Textes oder gar einer ganzen CD oft als „Gütesiegel“.

Zur Herstellung von Tonträgern werden professionelle Aufnahmestudios und -techniken verwendet, die den Musikern meist im Ausland zur Verfügung stehen.

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Logo Radio FSN

Rechtsextremisten nutzen auch Internet-Radios zur Verbreitung „ihrer“ Musik. In Internet-Radios fungieren Rechtsextremisten als Administratoren sowie Moderatoren und verbreiten eigene Kommentare und Musiktitel deutscher und internationaler Skinhead-Bands. Die Homepages bieten häufig noch weitere Angebote wie Chats und Diskussionsforen, die jedoch meist anmeldepflichtig sind.

„Menschen die bislang noch nicht in den Kontakt mit politischer Musik gekommen sind, soll durch das unverbindliche Hören unserer Lieder die ‚Angst‘ vor diesen Musikrichtungen genommen werden.“ (Homepage Radio FSN)

Das Programmangebot besteht überwiegend aus rechtsextremistischer Musik. Gelegentlich werden auch indizierte bzw. strafbare Titel gespielt. Als Wortbeiträge werden Anmoderationen für Musiktitel, Interviews mit Rechtsextremisten (z. B. Bandmitgliedern), Kommentare oder Kritiken zu CDs sowie gelegentlich Werbung für Konzerte, Demonstrationen, Vertriebe und CDs gesendet. Während sich frühere Radioprojekte ausschließlich dem Thema Musik widmeten, behandelt beispielsweise das im oberpfälzischen Weiden ansässige Radio FSN in moderierten, herunterladbaren Sendungen auch Themen zur „Ausländerproblematik“. Weiterhin gibt es „ungeschulten Kameraden“ Tipps für den politischen Kampf, Aktionshinweise und Demonstrationstermine sowie Infos über aktuelle Ereignisse wie z. B. laufende Strafprozesse gegen Rechtsextremisten.

Die Sendezeiten variieren von wenigen Stunden wöchentlich bis hin zu einem 24-Stunden Programm. Internet-Radios unterliegen einer hohen Fluktuation, manche sind nur vorübergehend in Betrieb.

Der Vorsitzende des NPD-Kreisverbands Weiden i. d. Opf. und (bis 30. November 2014) Beisitzer im NPD-Landesvorstand, Patrick Schröder, betreibt seit 2007 – mit Unterbrechungen – von Weiden i. d. Opf. aus das rechtsextremistische Internet-Radio Radio FSN (Frei-Sozial-National) sowie seit August 2012 auch das Internet-TV FSN-TV. Auf FSN-TV werden neben Interviews mit Protagonisten aus der rechtsextremistischen Szene in moderierten Beiträgen, die auch heruntergeladen werden können, Aktionshinweise, Konzert- und Demonstrationstermine und Informationen über aktuelle und politische Ereignisse innerhalb des rechtsextremistischen Spektrums verbreitet. Patrick Schröder, der mit einem Co-Moderator auftritt, erreicht mit seinen Sendungen ein überregionales Szenepublikum. Die aufgezeichneten FSN-TV-Sendungen werden als Podcasts angeboten und u. a. auf dem Video-Portal Youtube bereitgestellt.

Seit 13. November 2017 betreibt die Partei Der Dritte Weg (III. Weg) unter der Bezeichnung „Revolution auf Sendung“ ein Internet-Radio mit Nachrichten über eigene Aktionen der Partei. Nachrichten, Interviews und Musikeinspielungen wechseln dabei einander ab.

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Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) listet u. a. rechtsextremistische Trägermedien, z. B. CDs auf: Liste A umfasst alle indizierten Trägermedien, die nach Einschätzung der BPjM keinen strafrechtlich relevanten Inhalt haben; Teil B alle Trägermedien, die sowohl jugendgefährdende als auch einen möglicherweise strafrechtlich relevanten Inhalt haben.

CD-Cover „White Songs Full of Hate“ von „White Rebel Boys“

So hat die BPjM etwa die CD „White Songs - Full of Hate“ der oberfränkischen Skinheadband White Rebel Boys in Teil A der Liste der jugendgefährdenden Medien eingetragen.

Nach der Bewertung der BPjM propagieren die Verfasser in den Titeln Nr. 02, 03, 09 und 12 der CD durchgängig die Ideologie und insbesondere die Rassenlehre des Nationalsozialismus; demnach wenden sie sich in den Liedtexten gegen Menschen mit dunkler Hautfarbe und popularisieren die Reinheit des Blutes, womit getreu der Ideologie des Nationalsozialismus der Erhalt der weißen Rasse gemeint ist. Die Wut der Interpreten richtet sich gegen all diejenigen, die kein „germanisches Blut in ihren Adern“ haben. In Deutschland lebende Migranten werden als „krimineller Abschaum“ bezeichnet, den es aus dem Land zu werfen gelte. So heißt es:

„In ihren Adern fließt kein germanisches Blut / Mit ihren Taten schüren sie unsere Wut / We are white rebel boys defend our blood and our soil / We are white rebel boys we stand and fight“

(... Wir sind weiße Rebel-Boys, verteidigen unser Blut und unsren Boden / Wir sind weiße Rebel-Boys, wir stehen und kämpfen). Und an anderer Stelle:

„Was habt ihr nur aus unserem schönen Land gemacht / Frauen können nicht mehr auf die Straße in der Nacht / Vor vielen Jahren sah es hier noch anders aus / Werft diesen kriminellen Abschaum endlich raus, raus, raus, raus! / Entwurzelte Seelen wollt ihr nationalisieren / Und merkt dabei nicht mal dass wir die Lebensart verlieren. / ... / Von diesem Abschaum unterdrückt im eigenen Land / Schließt euch uns an im Nationalen Widerstand! / Dann sieht es hier auch wieder anders aus / Dann werfen wir den kriminellen Abschaum endlich raus, raus, raus, raus, werft sie raus“

Die BPjM sah ferner in Lied Nr. 12 Parallelen zum sog. „Horst-Wessel-Lied“, dem Kampflied der SA, und sah insoweit eine Verherrlichung des Nationalsozialismus und des Hakenkreuz-Symbols als gegeben an.

Auf der Homepage von FSN-TV führt Patrick Schröder regelmäßig die aktuellen Indizierungsverfahren der BPjM auf. Dadurch versucht er, die indizierten Musikstücke für seine überwiegend jugendlichen Fans interessant zu machen.

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