Strategien und Taktiken

Eine häufig zu beobachtende Strategie linksextremistischer Kreise ist es, in klassischen Aktionsfeldern wie Anti-Faschismus, Anti-Militarismus oder Anti-Globalisierung Bündnisse mit demokratischen Gruppierungen und Akteuren einzugehen. Auch allgemeingesellschaftlich interessierende Themen wie z.B. Umweltschutz werden genutzt, um den Anschluss an nicht extremistische Bevölkerungsteile zu finden. 

Linksextremisten verfolgen damit mehrere Ziele:

  • Zum einen sind sie sich darüber im Klaren, dass ihr Mobilisierungspotenzial allein und die unmittelbare, „ungefilterte“ Verbreitung ihrer Ziele und Ideologien nicht ausreicht, um für ihre Positionen breitere öffentliche Resonanz zu finden. Indem sie sich in die Arbeit von demokratischen (Protest)Bewegungen einbringen, versuchen sie, ihre über die unmittelbare Thematik hinausreichende Agenda sukzessive in die Diskussion und die Aktivitäten der Bewegung einsickern zu lassen. Dies führt oftmals zu einer Verengung des Diskurses auf die eigene Sichtweise, andere Meinungen werden nicht mehr toleriert.  
  • Zum anderen können Linksextremisten durch die Zusammenarbeit mit demokratischen Kräften ihren auf Systemüberwindung abzielenden politischen Bestrebungen einen demokratischen Anstrich geben. Und schließlich dienen diese Bündnisse auch als wichtiges Rekrutierungsfeld, um Nachwuchs für linksextremistische Parteien und Organisationen zu gewinnen.

Da in der Bundesrepublik Deutschland ein breiter gesellschaftlicher Konsens gegen Rechtsextremismus besteht, bietet das Aktionsfeld Anti-Faschismus den Linksextremisten einen besonders guten Ansatzpunkt für ihre Bündnispolitik. Linksextremisten versuchen, zivilgesellschaftliche Bündnisse gegen Rechtsextremismus zu dominieren und dabei ihr linksextremistisches Anti-Faschismusverständnis durchzusetzen. Die anti-demokratischen und anti-staatlichen Zielsetzungen hinter dem anti-faschistischen Engagement sind dabei häufig auf den ersten Blick nicht erkennbar. 

Über eine bloße Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Gruppierungen hinaus streben Linksextremisten über eine gezielte Einflussnahme auch die Übernahme von Leitungs- und Steuerungsfunktionen in antifaschistischen Initiativen an. Der Kampf gegen Hitler und die Verfolgung von Kommunisten zur Zeit des deutschen Nationalsozialismus dienen aus der kommunistischen Bewegung entstandenen Organisationen als Legitimation für ihren Führungsanspruch im antifaschistischen Spektrum. Dieser sog. „Entrismus“ d.h. die taktische, meist verdeckte Unterwanderung einer Organisation oder Partei durch Linksextremisten, ist eine klassische Stratege des Trotzkismus. 

Auch im Aktionsfeld Anti-Militarismus versuchen Linksextremisten immer wieder, in gesellschaftlichen Bündnissen eine bestimmende Position zu erlangen. So sind in dem linksextremistisch beeinflussten "Münchner Bündnis gegen Krieg und Rassismus" sowohl demokratische als auch linksextremistische Parteien und Gruppierungen wie die DKP, die SDAJ sowie Autonome aktiv vertreten. Das Bündnis tritt regelmäßig als Träger oder Unterstützer von Demonstrationen, Mahnwachen und Informationsveranstaltungen auf und wirkt auch im „Aktionsbündnis gegen die NATO-Sicherheitskonferenz“ mit, welches die Proteste gegen die alljährlich stattfindende Münchner Sicherheitskonferenz koordiniert.