Gewalt und Militanz

In der linksextremistischen Szene bilden Autonome den weitaus größten Teil des gewaltbereiten Personenpotenzials. Sie sind für die meisten linksextremistisch motivierten Gewalttaten verantwortlich. Ziel dieser überwiegend jungen Linksextremisten ist es, den Staat und seine Einrichtungen – auch mit Gewalt – zu zerschlagen und eine „herrschaftsfreie“ Gesellschaft zu errichten. Mit diffusen anarchistischen, kommunistischen und sozialrevolutionären Ideologiefragmenten schaffen sich die Autonomen einen vermeintlichen Legitimationsrahmen für ihre Militanz.

Das Aggressionspotenzial der autonomen Szene ist seit Jahren hoch. Autonome suchen vor allem bei Demonstrationen gewaltsame Auseinandersetzungen (konfrontative Gewalt). 
Gewalttaten werden als notwendiges Mittel dargestellt, um sich gegen die angebliche „strukturelle Gewalt“ des politischen Systems zu wehren. Autonome sind auch überwiegend für die sog. „Massenmilitanz“, d.h. koordinierte gewalttätige Ausschreitungen bei Demonstrationen wie z.B. der Münchner Sicherheitskonferenz oder politischen Großveranstaltungen wie dem G20-Gipfel im Juli 2017 in Hamburg verantwortlich. Diese Massenmilitanz richtet sich häufig gegen Polizeibeamte, die als Repräsentanten des „Systems“ diffamiert und angegriffen werden. Linksextremisten akzeptieren nicht, dass die Polizeibeamten z. B. auch bei Demonstrationen von Rechtsextremisten zur Gewährleistung des grundgesetzlich geschützten Versammlungsrechts eingesetzt werden müssen. Viele Autonome erleben die Ausübung von Massenmilitanz als sinnstiftende Erfahrung. Gewalt wird zum Ausdruck eines Lebensgefühls. Formen und Ausmaß der Gewaltanwendung sind regelmäßig Gegenstand von Diskussionen in der autonomen Szene.

Den Ablauf ihrer Aktionen machen Linksextremisten vor allem von ihrem Kräfteverhältnis gegenüber der Polizei abhängig. Dabei schließen sich vermummte Aktivisten in einheitlich schwarzer „Kampfausrüstung“ häufig zu Schwarzen Blöcken zusammen, um aus diesen heraus unerkannt Gewalt ausüben zu können. 

Autonome nutzen aber auch Demonstrationen anderer – auch nichtextremistischer – Veranstalter, um der Veranstaltung einen militanten und aggressiven Charakter aufzuzwingen und hinter der Deckung friedlicher Demonstranten selbst Gewalttaten zu begehen sowie andere dazu aufzustacheln (initialisierende Gewalt). 

Die Gewaltbereitschaft der Szene zeigt sich auch in konspirativ geplanten Brandstiftungs- und Sachbeschädigungsserien, die sich nicht nur gegen öffentliche Institutionen, sondern auch gegen Private und Unternehmen richten können.  Ein Beispiel hierfür ist eine Serie von Brandstiftungen im September/Oktober 2017 in München, bei der u.a. Fahrzeuge von Bau- und Immobilienfirmen in Brand gesetzt wurden. Auf einschlägigen Internetportalen werden im Nachhinein anonyme Selbstbezichtigungsschreiben veröffentlicht

Bauanleitungen für Spreng- und Brandsätze stellt die autonome Szene im Internet und in Szene-Zeitschriften wie „radikal“ und „INTERIM“ zur Verfügung.

Schwarzer Block 

Bei der Bildung eines „Schwarzen Block“ handelt es sich um eine Demonstrationsstrategie von Autonomen. Die Bildung von sogenannten „Schwarzen Blöcken“ bei Demonstrationen ist Symbol des militanten Politikverständnisses und der hohen Gewaltbereitschaft der autonomen Szene. 

Als „Schwarzer Block“ wird eine zu Gewalt und Militanz neigende Gruppe innerhalb von Demonstrationszügen bezeichnet, die durch einheitlich schwarze Kleidung und Vermummung auffällt. Durch das äußerlich homogene Erscheinungsbild mit schwarzen Kapuzenpullis, Mützen, Tüchern und Sonnenbrillen signalisieren die Teilnehmer zugleich Solidarität untereinander sowie Gewaltakzeptanz bzw. Gewaltbereitschaft gegenüber den Einsatzkräften der Polizei und gegenüber dem „politischen Gegner“. Die einheitliche Bekleidung und teilweise Vermummung soll zudem die Identifizierung einzelner Teilnehmer und die Verfolgung von Straftaten erschweren. 

Der „Schwarze Block“ ist nicht zentral organisiert und koordiniert, sondern ein lediglich punktueller Zusammenschluss gewaltorientierter Linksextremisten. In einem solchen spontanen Zusammenschluss kann eine heterogene Vielfalt unterschiedlicher linksextremistischer Strömungen, Gruppierungen und Einzelpersonen vertreten sein. Wiederholt wurden aus „Schwarzen Blöcken“ heraus Gewalttaten begangen, wobei schwerste Verletzungen der Opfer in Kauf genommen wurden.

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