Braune Boxhandschuhe auf grauem Betonboden. Schemenhafter Reichsadler auf Boden.

Kampfsport

Kampfsportaktivitäten und -veranstaltungen erweisen sich als zunehmend bedeutsame Aktionsform innerhalb der rechtsextremistischen Szene. Sie dienen vorgeblich dazu, die Anhänger einzelner Gruppen für den „politischen Kampf“ vorzubereiten sowie eine „gesunde Lebensweise“ und „geistige Werte“ zu vermitteln. Tatsächlich soll jedoch ein rechtsextremistisches Erlebnismilieu geschaffen werden, das die Attraktivität der Gruppen sowohl für gewaltaffine Szeneangehörige als auch für unpolitische Kampfsportinteressierte gleichermaßen erhöhen soll und Möglichkeiten der überregionalen und internationalen Vernetzung bietet.

Propagiert wird im Rahmen der jeweiligen Kampfsportinitiativen oftmals eine vermeintlich mystische Pflicht, die „Volksgesundheit“ und „Wehrhaftigkeit“ hochzuhalten und einen „neuen Menschenschlag“ zu schaffen, der stark an das im Nationalsozialismus propagierte Ideal des Herrenmenschen angelehnt ist. Die sportliche Betätigung in verschiedenen Disziplinen des Kampfsports wird ideologisch im Sinne einer Wehrhaftigkeit gegen „das System“ aufgeladen. Nicht zuletzt werden die Anhänger und Teilnehmer im Rahmen von Wettkämpfen und Trainings auch auf konkrete Kampfsituationen außerhalb des sportlichen Felds vorbereitet.

In einem Beitrag der Partei Der Dritte Weg (III. Weg) heißt es zum Nutzen einer Kampfsportart:

„Für mich als nationalen Aktivisten, der seine Weltanschauung selbst im Alltag mehr oder weniger offen zum Ausdruck bringt und sich deshalb stets einer feindlich gesinnten Umwelt und einer steigenden Zahl von Feinden gegenüber ausgesetzt sehen muss, ist diese Kampsportart somit das ideale Betätigungsfeld, um in etwaigen kritischen Situationen für eine handfeste Auseinandersetzung gewappnet zu sein!“

Ausschnitt vom Flyer des rechtsextremistischen Festivals „Schild und Schwert“

Zu den prominentesten Veranstaltungsformaten der rechtsextremistischen Kampfsportszene in Deutschland gehören der „Kampf der Nibelungen“ (KdN) und das „TIWAZ“. Letztes Jahr fanden zwei Veranstaltungen des KdN eingebettet als Programmpunkte im Rahmen von rechtsextremistischen „Schild und Schwert“-Festivals statt. Dieses Jahr war für das „Schild und Schwert“-Festival im sächsischen Ostritz am 21. und 22. Juni 2019 abermals eine Kampfsportveranstaltung der KdN-Gruppe angekündigt worden, die allerdings kurzfristig abgesagt wurde. Anfang Juni führte die Gruppierung TIWAZ eine reine Kampfsportveranstaltung mit rechtsextremen Kämpfern in Zwickau (Sachsen) durch.

Eine wichtige Rolle hinsichtlich der Organisation der rechtsextremistischen Kampfsportszene spielen nationale wie internationale Kampfsportlabels, die so-wohl im Vertrieb von Kleidung und Sportartikeln als auch in der Ausbildung eigener Kampfkader sowie im Bereich Sponsoring aktiv sind. Zu den Labels mit hohem Szenerenommee zählen etwa „Black Legion“ und „Greifvogel Wear“ aus Brandenburg sowie „White Rex“ und „Pride France“ aus Russland bzw. Frankreich.

Kampfsportaktivitäten der rechtsextremistischen Szene in Bayern

Logo der Arbeitsgruppe „Körper & Geist“ in der Partei III. Weg

In der bayerischen rechtsextremistischen Szene lässt sich ebenfalls ein gestiegenes Interesse am Thema Kampfsport feststellen. So gründete der neonazistische III. Weg vergangenes Jahr die Arbeitsgruppe „Körper und Geist“. Sie soll nach Parteiangaben vor allem der „körperlichen Ertüchtigung“ der Parteimitglieder dienen sowie deren Aktivitäten vereinen und koordinieren. Der Fokus der Arbeitsgruppe liegt deutlich auf dem Kampfsportbereich. Es werden Kampf- und Selbstverteidigungskurse angeboten, die sich zum Teil auch an Kinder und Jugendliche richten.

Als prominenter Vertreter der Partei und der Arbeitsgruppe tritt immer wieder der Nürnberger Aktivist und frühere Vorsitzende des Gebietsverbands Süd Kai Zimmermann in Erscheinung. Er nahm bereits mehrfach an rechtsextremistischen Kampfsportveranstaltungen teil, u. a. im April 2019 in Athen. Darüber hinaus trat Zimmermann, auch über Bayern hinaus, bereits mehrfach als Trainer bei Selbstverteidigungstrainings der Partei auf.

Im Februar 2019 trafen sich die Leiter der Ortsgruppen der Identitären Bewegung Schwaben zu einem mehrtägigen Strategietreffen. Teil der Veranstaltung war neben der Aktionsplanung für das Jahr 2019 auch ein Sportprogramm, das aus Kickbox- und Boxtraining bestand. Wenngleich die Identitäre Bewegung sich vornehmlich als intellektuelle und avantgardistische Speerspitze einer neurechten Widerstandsbewegung sieht und darauf bedacht ist, nach außen ein streng gewaltfreies und -verneinendes Image abzugeben, hatte sie bereits in der Vergangenheit wiederholt eine Affinität für Kampfsport aufgezeigt. So ist Sport und auch Kampfsport regelmäßiger Teil der Sommeruniversitären der französischen IB, zu der auch Aktivisten aus Deutschland anreisen. Bereits vor zwei Jahren stellte die französische „Génération Identitaire“ ein Video auf YouTube ein, das ein Kampfsporttraining in ihrem Zentrum in Lyon zeigt. Auch bei den Aktivistenwochenenden der IB Schwaben gehören Selbstverteidigung und Kampfsport schon seit Längerem zum Programm.

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