Tastatur mit zwei roten Tasten. Auf den Tasten ist ein Reichsadler und ein Einkaufswagen symbolisch abgebildet.
© BIGE; Photo by Lukas Blazek on Unsplash

Vertriebsstrukturen und Verlage

Vor allem die Versandhandel haben für die rechtsextremistische Szene eine doppelte Bedeutung: Zum einen können sich Rechtsextremisten über diese mit Kleidung, Musik und Szenedevotionalien versorgen, zum anderen bietet sich Aktivisten die Möglichkeit, durch Szeneaktivitäten ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Darüber hinaus sponsert etwa der in der Oberpfalz ansässige Vertrieb Ansgar Aryan laut seiner Selbstdarstellung rechtsextremistische Musiker. Szene-Verlage hingegen stellen Rechtsextremisten Bücher mit ideologischen Inhalten zu Verfügung.

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Versandhandel

Neben Musik umfasst die Angebotspalette auch Textilien, Fahnen, Flugblätter, Plakate und szenetypische Devotionalien wie Bücher und Aufkleber sowie zunehmend Accessoires für den Alltag wie Sonnenbrillen oder Gürteltaschen. Szeneläden sind mittlerweile die Ausnahme. Nahezu alle Händler bieten ihre Waren auf zum Teil professionell gestalteten Verkaufsplattformen im Internet an. Die Betreiber rechtsextremistischer Betriebe verfolgen insbesondere wirtschaftliche Interessen, manche unterstützen mit ihren Einnahmen auch die rechtsextremistische Szene.

Zu den Vertrieben gehören:

Der seit 1997 bestehende Wikingerversand zählt zu den bekanntesten rechtsextremistischen Vertrieben in Bayern. Er wurde im November 2016 umbenannt zur Funshirt GmbH. Der Versand unterhält im Internet ein Angebot an Skinhead-Bekleidung und -Accessoires mit Aufdrucken wie „White Power“ bzw. neonazistischen Symbolen. Ferner werden Tonträger mit rechtsextremistischer Musik bzw. einschlägiger Literatur angeboten. Das Unternehmen betreibt auch ein Ladengeschäft in Geiselhöring; dort wurden in den letzten Jahren etwa halbjährlich „Sonderverkäufe“ organisiert, für die im Internet geworben wurde. Seit einigen Monaten finden diese Rabattaktionen bzw. Sonderverkäufe fast nur noch im Internet auf der eigenen Facebook-Seite statt.

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Verlage

In Bayern haben auch zwei rechtsextremistische Verlage ihren Sitz: die Druckschriften- und Zeitungsverlag GmbH (DSZ) in München und die Verlagsgesellschaft Berg mbH (VGB) in Gilching.

Der 1958 gegründete DSZ-Verlag war lange Zeit das bedeutendste rechtsextremistische Propagandainstrument in der Bundesrepublik. Er gibt die National-Zeitung (NZ) heraus, die bis zu deren Fusion mit der NPD das Sprachrohr der rechtsextremistischen Partei Deutsche Volksunion (DVU) war. Die NZ verbreitet eine fremdenfeindliche, nationalistische und revisionistische Weltsicht.

Die Verlagsgesellschaft Berg mbH (VGB) mit Geschäftssitz in Gilching (Landkreis Starnberg), besteht seit 1991. Sie ist mit dem „Druffel & Vowinckel“-Verlag verschmolzen und einer der größten organisationsunabhängigen rechtsextremistischen Verlage in Deutschland. Das Verlagsprogramm umfasst Schriften mit revisionistischen sowie militärhistorischen Inhalten, beispielsweise die Zeitschrift „Deutsche Geschichte“ oder das Jahrbuch „Deutsche Annalen“. Die geschichtsverklärende und nazistische Ausrichtung des Verlags wird mitunter auch bereits in den Publikationstiteln und -beschreibungen deutlich. Über Adolf Hitler werde etwa laut Verlag im Buch „In Hitlers Schatten – Erinnerungen und Aufzeichnungen des persönlichen Adjutanten“ von einem „engsten Vertrauten“ ein „einfühlsames und um Wahrheit bemühtes Bild“ gezeichnet. Nach Aussage des Verlags werde im Buch „Die Wahrheit über Oradour – Was geschah am 10. Juni 1944 wirklich? Rekonstruktion und Forschungsbericht eines Franzosen“ die „Legende von den Verbrechen der Waffen-SS“ in der französischen Ortschaft „widerlegt“ bzw. „zerstört“.

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