„Heimat Defender: Rebellion“: Szene-Computerspiel soll rechtsextremistische Ideen vermitteln

Am 15. September 2020 veröffentlichte der rechtsextremistische Verein Ein Prozent im Internet das ideologisch aufgeladene Computerspiel „Heimat Defender: Rebellion“.

Werbung von Ein Prozent für „Heimat Defender: Rebellion“
© Screenshot Twitter/Ein Prozent

Das Jump`n`Run-Spiel lehnt sich mit seinem groben Pixeldesign grafisch an die Anfangsjahre der Computerspiele an. Seine Geschichte nimmt Bezug auf Georg Orwells düstere Zukunftsvision „1984“: Im Jahr 2084 will ein globaler Konzern namens „Globohomo Corporation“ die Welt vereinheitlichen und die Menschen zu willenlosen Konsum-Sklaven machen. Der Spieler kann verschiedene Spielfiguren als „Widerstandskämpfer“ auswählen, dabei ist auch der führende Aktivist der Identitären Bewegung (IB), Martin Sellner. Als Gegner werden Personen aus Politik, Medien und Wirtschaft karikiert, darunter auch George Soros.

„Heimat Defender: Rebellion“ war kurzzeitig auch auf der Internetplattform Steam verfügbar, die in der Gaming-Szene beliebt ist. Mittlerweile wurde es allerdings wieder von der Plattform entfernt. Laut Presseberichten wird das Spiel derzeit bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien bewertet.

Seine Macher bewerben „Heimat Defender: Rebellion“ als „das erste patriotische Videospiel“. Auf ihrer Website schreiben sie:

„Machen wir uns nichts vor: Als High-Tech-Industrie ist die Gaming-Branche weltweit auf einem ähnlich linksliberalen Holzweg wie Hollywood: Gender-Mainstreaming, Multikulti und Dekonstruktion sind in nahezu jeder größeren Spieleproduktion zu erkennen – Hauptsache, politisch korrekt. Wir machen da nicht mit!“

Im Spiel wird hauptsächlich gegen den vermeintlich aktuell vorherrschenden Zeitgeist agitiert, in dem das übermächtige „Globohomo“-System in der Spielgeschichte die Menschen zu willenlosen Marionetten macht. Allgemeine Skepsis gegen „die Moderne“, gepaart mit einem diffusen Gefühl, dass globale Eliten die Massen lenken, sind bekannte Bausteine rechtsextremistischer Weltanschauung. Typisch rechtsextremistische Ideologieelemente wie die Ablehnung von Minderheiten werden dagegen eher indirekt transportiert: Der Name des US-Milliardärs jüdischer Abstammung George Soros, der als Gegner im Spiel auftaucht, dient in antisemitischen Verschwörungstheorien als Chiffre für „die Juden“.

Der das Spiel herausgebende Ein Prozent e.V. ist in Bayern auf Grundlage von Erkenntnissen des Bundesamts für Verfassungsschutz seit Juni 2020 ein Beobachtungsobjekt des Verfassungsschutzes. Der Verein mit Sitz in Sachsen, der oft auch als „Ein Prozent für unser Land“ auftritt, zählt zum Spektrum der „Neuen Rechten“. Er bezeichnet sich selbst als „Bürgerinitiative“ und „Lobbyorganisation“.

Laut Bundesamt für Verfassungsschutz zählt Ein Prozent, u.a. neben der IB und den AfD-Teilorganisationen Junge Alternative und dem inzwischen aufgelösten Flügel, zu den Organisationen der Neuen Rechten, die ihre „pseudo-intellektuellen Theorien mit fremdenfeindlichen, nationalistischen, rassistischen oder antisemitischen Ideologieelementen“ anreichern und so als „Superspreader“ von Hass, Radikalisierung und Gewalt agieren.

Aus Sicht der Sicherheitsbehörden ist das aktuelle Computerspiel ein weiterer Baustein der Strömung der „Neuen Rechten“  zur Schaffung einer „Gegenkultur“. Rechtsextremistische Akteure wie Ein Prozent e.V. oder die IB haben bereits Bücher, Zeitschriften, Podcasts und YouTube-Formate aufgelegt. Nun möchten sie ein neues Genre und weitere Zielgruppen erschließen, um ihre rechtsextremistischen Inhalte und Denkweisen breitenwirksam und zugleich niederschwellig zu transportieren.