StartseiteAktuelle MeldungenDeradikalisierung, Aufklärung und Beratung in politisch bewegten Zeiten: Die Arbeit der Bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus (BIGE) im Jahr 2025

Deradikalisierung, Aufklärung und Beratung in politisch bewegten Zeiten: Die Arbeit der Bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus (BIGE) im Jahr 2025

Seit ihrer Gründung im Jahr 2009 als zentrale Informations- und Beratungsstelle der Bayerischen Staatsregierung gegen Rechtsextremismus wurde die BIGE zu einem wichtigen Ansprechpartner für Bürger, Städte und Gemeinden, Landesbehörden, Schulen, Verbände, Vereine sowie Unternehmen.

Schwerpunkt der Präventionsarbeit ist der Themenbereich Rechtsextremismus, aber auch die Phänomenbereiche Linksextremismus sowie Reichsbürger und Selbstverwalter werden durch die verschiedensten Stellen nachgefragt.

Daher wurde die Website www.bige.bayern.de mit umfangreichem Informationsmaterial zu Extremismus neu und modern gestaltet, um sich noch einfacher über extremistische Aktivitäten in Bayern informieren zu können. Hier sind auch praktische Tipps im Umgang mit Extremisten und weitere Ansprechpartner zu finden.

Öffentlichkeitsarbeit der BIGE: Extremismus durch Information und Aufklärung vorbeugen

Eine fundierte Auseinandersetzung mit extremistischen Positionen und Aktivitäten kann nur mit sachgerechten Informationen stattfinden. Um diese zu unterstützen fanden 2025 ca. 200 Informationsveranstaltungen vor unterschiedlichsten Bedarfsträgern zu verschiedenen Extremismus-Themen – wie den neuen Entwicklungen in der rechtsextremistischen Szene Bayerns, extremistische Verschwörungstheorien der Reichsbürger und Selbstverwalter bis zu linksextremistischen Bestrebungen – statt.

Grafik - Tätigkeitsbericht BIGE 2025 – Themengebiete Informationsveranstaltungen. Grafik in Kreisform farblich in blau, braun, khaki und rot aufgeteilt in die jeweiligen Themen Rechtsextremismus, Reichsbürger, Linksextremismus und Extremismus übergreifend auf blauem Quadrat als Hintergrund mit Rauten hinterlegt.
© BIGE

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Ausbildung aller Mitarbeitenden im öffentlichen Dienst, die in allen Qualifizierungsstufen über die Hintergründe von Rechtsextremismus und Reichsbürgerideologien informiert werden. Auch mit der Justizvollzugsakademie des Bayerischen Staatsministeriums der Justiz, wurde die Zusammenarbeit erweitert und zusätzliche digitale Vortragsveranstaltungen initiiert.

Erstmalig wurde 2025 in Kooperation mit dem Bayerischen Staatsministerium des Inneren auch eine dreiteilige digitale Vortragsreihe zu den Themen Desinformation, Cyberkriminalität und Bedrohung von kommunalen Amtsträgern durchgeführt. Die dabei teilnehmenden Experten des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz, der Bayerischen Polizei und des Landesamts für Sicherheit in der Informationstechnik konnten dabei ca. 600 Behördenmitarbeitern hilfreiches Wissen vermitteln. Insgesamt wurden zum Thema Extremismus damit außerhalb des Bildungsbereiches ca. 4.500 Personen sensibilisiert.

Grafik - Tätigkeitsbericht BIGE 2025 – Bedarfsträger für Informationsveranstaltungen. Grafik in Kreisform farblich in gelb, hellblau, dunkelblau und grün aufgeteilt unter die Rubriken Ausbildung, Behörden, Bildungsbereich und Sonstige auf blauem Quadrat als Hintergrund mit Rauten hinterlegt.
© BIGE

Beratungsarbeit der BIGE: Praktische Unterstützung, insbesondere der Kommunen, bei Problemen mit Extremisten

Die BIGE unterstützt Betroffene bayernweit, kostenfrei und vertraulich im oft schwierigen Umgang mit Extremismus. Schwerpunkt ist die Vor-Ort-Beratung von Kommunen. 2025 wurden über 60, teilweise langfristige Beratungen durchgeführt, hauptsächlich zu den Phänomenbereichen Rechtsextremismus sowie Reichsbürger und Selbstverwalter. 

Thematischer Schwerpunkt der Beratungen waren neben lokalen Aktivitäten von Extremisten die damit verbundenen Fragestellungen wie z.B. der Ankauf von Immobilien durch Rechtsextremisten, rechtsextremistische Agitation gegen Amtsträger oder Belästigungen von Verwaltungsmitarbeitenden durch Reichsbürger und Selbstverwalter. Zunehmend werden auch allgemeinere Beratungen zum Umgang mit Extremisten und sicherheitsrelevanten Vorfällen angefragt.

Grafik - Tätigkeitsbericht BIGE 2025 – Räumliche Verteilung der Beratungen. Bayernkarte in dunkelblau aufgeteilt in die jeweiligen Regierungsbezirke mit darin enthaltenen Zahlenangaben in gelb auf blauem Quadrat als Hintergrund mit Rauten hinterlegt.
© BIGE

Schulprävention der BIGE: Junge Menschen und ihre Lehrkräfte für extremistische Gefahren sensibilisieren

Nach wie vor stehen junge Menschen im Fokus von Extremisten, die sie für ihre ideologischen Zwecke gewinnen wollen. Durch interaktive Workshops informiert die BIGE Schülerinnen und Schüler über die Gefahren und sensibilisiert sie für die Erkennung von Extremismus. Das Angebot wird in Einzelfällen ergänzt um persönliche Erfahrungsberichte von Aussteigern aus der rechtsextremistischen Szene, die authentisch von ihren Szeneerfahrungen und dem schwierigen Ausstieg berichten.

Grafik - Tätigkeitsbericht BIGE 2025 – Räumliche Verteilung der Beratungen. Bayernkarte in dunkelblau aufgeteilt in die jeweiligen Regierungsbezirke mit darin enthaltenen Zahlenangaben in gelb auf blauem Quadrat als Hintergrund mit Rauten hinterlegt.
© BIGE

In enger Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus bietet die BIGE darüber hinaus Lehrkräften spezielle Fortbildungen an, um ihr Hintergrundwissen zu erweitern und ihre Handlungssicherheit zu stärken. Diese Fortbildungen werden sowohl in Präsenz, als auch digital an Schulen sowie an der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung in Dillingen durchgeführt.

Grafik - Tätigkeitsbericht BIGE 2025 – Verteilung auf Schulen. Grafik in Kreisform farblich in gelb, hellblau, dunkelblau und grün aufgeteilt unter die Rubriken Ausbildung, Behörden, Bildungsbereich und Sonstige auf blauem Quadrat als Hintergrund mit Rauten hinterlegt.
© BIGE
Blaues Quadrat mit Jahreszahl 2025 als Hintergrund mit Aufzählung in Textform vieviele Workshops für Schüler (Zahl 440), Fortbildungsveranstaltungen für Lehrer (Zahl 100), wieviele Schüler insgesamt (Zahl 12.000) und Lehrkräfte (Zahl 4.000) erreicht wurden, und welcher Themenschwerpunkt behandelt wurde (Rechtsextremismus).
© BIGE

Das Aussteiger- und De­radikalisierungs­programm der BIGE: Hilfe zur Selbsthilfe für Szene­angehörige

Das Aussteiger- und Deradikalisierungsprogramm richtet sich sowohl an Extremisten, die fest in Szenezusammenhängen verankert sind, als auch an Personen, die problematische Einstellungen sowie Verhaltensmuster ausbilden und in eine extremistische Szene abzudriften drohen. Sie sollen dabei unterstützt werden, ein selbstbestimmtes Leben ohne Extremismus in unserer demokratischen Gesellschaft zu führen. Dabei gilt es auch häufig in den Erstgesprächen den Willen zur Veränderung anzustoßen und eine Deradikalisierung von Einstellungen anzugehen.

Im Jahr 2025 prüfte die BIGE bei 86 Klienten die Aufnahmemöglichkeit in das Aussteiger- und Deradikalisierungsprogramm.

Es handelte sich ganz überwiegend um Personen aus dem Bereich Rechtsextremismus und der Szene der Reichsbürger und Selbstverwalter.

Grafik - Tätigkeitsbericht BIGE 2025 – Anzahl der Ausstiegsklienten nach Phänomenbereichen. Grafik in Kreisform farblich in blau, braun und khaki aufgeteilt in die jeweiligen Themen Rechtsextremismus, Reichsbürger und Sonstige auf blauem Quadrat als Hintergrund mit Rauten hinterlegt.
© BIGE

Wie in den vergangenen Jahren handelt es sich bei den Klienten fast ausschließlich um männliche, oft polizeilich bereits in Erscheinung getretene Personen mit Bezügen zu unterschiedlichen rechtsextremistischen Organisationen und Subkulturen. Der überwiegende Teil der Klienten war weiterhin nicht fest in eine bestimmte extremistische Gruppierung eingebunden, sondern radikalisierte sich in einem unorganisierten Online-Milieu von diversen einschlägigen Foren, Chat-Gruppen und Nachrichten-Kanälen.

Grafik - Tätigkeitsbericht BIGE 2025 – Szeneumfeld der Ausstiegskandidaten. Grafik in Kreisform farblich in gelb, blau und grün aufgeteilt unter die Rubriken Partei, Gruppierung und unorganisiert/Internet auf blauem Quadrat als Hintergrund mit Rauten hinterlegt.
© BIGE

Mit 72 Klienten bestand persönlicher Kontakt, um eine längerfristige Beratung durchzuführen, in der sich intensiv mit der extremistischen Ideologie auseinandergesetzt wird. Begleitend werden die Klienten bei der Bewältigung von Krisensituationen, der Distanzierung aus der Szene und bei Alltagsproblemen unterstützt. Im Rahmen der Beratung werden verschiedene intrinsische Problemfelder (z.B. psychische Probleme, Sucht, Waffenaffinität) und extrinsische Problemfelder (z.B. Familie, soziales Umfeld, Schulden) der Klienten erhoben, die eine Radikalisierung begünstigen können und davon ausgehend gemeinsam Lösungsstrategien entwickelt. Nach teilweise langjähriger Begleitung konnte bei 11 Personen eine fundamentale und dauerhafte, positive Einstellungs- und Verhaltensänderung festgestellt und damit das Aussteigerprogramm positiv beendet werden.

Mit rund 30 Prozent steigt der Anteil von unter 18jährigen im Jahresvergleich weiter (2022: 19 %, 2023: 17 %, 2024: 25%). Grundsätzlich gestaltet sich die Beratung von Jugendlichen ähnlich wie bei Erwachsenen: Es wird am konkreten Einzelfall geprüft, welche Hilfen sinnvoll und notwendig sind. Die Einbindung der Erziehungsberechtigten in den Beratungsprozess sowie die Abstimmung mit weiteren Behörden wie Jugendämter und/oder die Jugendgerichtshilfen bilden zusätzliche Herausforderungen.

Grafik - Tätigkeitsbericht BIGE 2025 – Altersstruktur der Aussteiger. Grafik in vertikaler Balkenform mit brauen, grünen und türkischen Balken aufgeteilt in Altersgruppen in den Bereichen Rechtextremismus, Reichsbürger/Selbstverwalter und Sonstige auf blauem Quadrat als Hintergrund mit Rauten hinterlegt.
© BIGE

Hier gilt es einen engen Kontakt zu halten und gemeinsam die bestmöglichen Maßnahmen für den betroffenen Jugendlichen zu besprechen. Da Radikalisierungsprozesse in dieser Altersklasse oft auch mit Alkohol- und Drogenmissbrauch einhergehen, ist es wichtig festzustellen, welche Ursachen für den Klienten tatsächlich handlungsleitend sind. Sollte sich z.B. zunächst eine Drogentherapie als sinnvoll erweisen, wird in Absprache mit allen Beteiligten der Kontakt mit der BIGE zurückgestellt, auch um einen Therapieüberhang zu vermeiden.

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