Nach Holocaust-Leugnung: „Der Volkslehrer“ verurteilt

Nikolai Nerling, besser bekannt unter dem Pseudonym „Der Volkslehrer“, wurde am 9. Dezember 2019 vom Amtsgericht Dachau zu einer Geldstrafe von 10.800 Euro verurteilt. Seine Vergehen: Volksverhetzung und Hausfriedensbruch in der Dachauer KZ-Gedenkstätte.

© Screenshot: BitChute/Der Volkslehrer

Anfang Februar 2019 besuchte der in Berlin lebende rechtsextremistische Aktivist und Video-Blogger Nikolai Nerling die KZ-Gedenkstätte in Dachau. Dort geriet er mit einer Angestellten aneinander, als diese ihn erkannte und nicht auf das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers lassen wollte. Er leugnete vor einer Besuchergruppe den Holocaust und beging Hausfriedensbruch, wie das Amtsgericht Dachau nun in der Verhandlung am 9. Dezember 2019 feststellte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Nerling kommentierte den Prozess in einem online verbreiteten Video und unterstellte dem Richter Befangenheit.

Nerling war zuvor durch seinen YouTube-Kanal „Der Volkslehrer“ aufgefallen. Laut dem Verfassungsschutzbericht des Bundes 2018 bot er dort ab Februar 2018 Personen aus der Reichsbürgerszene, Neonazis sowie bekennenden Holocaustleugnern die Gelegenheit, ihre extremistischen Positionen zu verbreiten. Nerling nahm außerdem selbst an rechtsextremistischen Veranstaltungen teil, bewarb sie im Vorfeld und berichtete anschließend wohlwollend in seinen Videos. Einige davon wurden über 100.000 Mal aufgerufen. Nachdem sein Kanal von YouTube gelöscht wurde, verbreitet Nerling seine Videos inzwischen auf der Konkurrenzplattform BitChute und über seine eigene Website.

Überregional bekannt wurde Nerling 2018, als er aufgrund seiner Aktivitäten zunächst von seinem Dienst als Grundschullehrer in Berlin freigestellt und schließlich fristlos gekündigt wurde. Eine Klage dagegen wurde vom Berliner Arbeitsgericht in erster Instanz abgewiesen, im September 2019 zog Nerling seine Berufung zurück.

Aus Sicht der Sicherheitsbehörden vertritt der selbsternannte „Volkslehrer“ typisch antisemitische Thesen. Auf Deutschland würde eine Kollektivschuld lasten, die von „den Juden“ zum eigenen Vorteil ausgenutzt werde. Wie der Vorfall an der Dachauer KZ-Gedenkstätte zeigt, gehen solche Ansichten in der rechtsextremistischen Szene häufig einher mit revisionistischen Äußerungen: es wird eine Umdeutung der deutschen Geschichte gefordert, der Holocaust geleugnet oder verharmlost.