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Situation in Mittelfranken

Hier finden Sie regelmäßig aktualisierte Informationen zur Situation vor Ort im Regierungsbezirk mit Blick auf Akteure und Aktivitäten der extremistischen Szenen des Rechtsextremismus, der Reichsbürger und Selbstverwalter, des Linksextremismus sowie der Verfassungsschutz­relevanten Delegitimierung des Staates.

Gespalten und vorne geteilt; vorne oben geviert von Silber und Schwarz, unten in Rot drei silberne Spitzen; hinten in Gold am Spalt ein rot bewehrter, schwarzer Adler.
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Aktuell in Mittelfranken

Besondere Ereignisse und Aktivitäten

Präventionsarbeit der BIGE an Schulen

Die Bayerische Informationsstelle gegen Extremismus (BIGE) führte bis zum 30. September 2025 34 Workshops für Schülerinnen und Schüler, sowie zwei Veranstaltungen für Lehrkräfte im Regierungsbezirk Mittelfranken durch. Diese Veranstaltungen finden sowohl anlassbezogen als auch anlassunabhängig statt.

Anlassbezogene Vorträge und Beratungen an Schulen erfolgen sowohl auf Anfragen von Seiten der Schulen als auch eigeninitiativ durch die BIGE, wenn diese Kenntnisse über Vorfälle mit Bezug zum Rechtsextremismus erhält. Beispielhaft zeigt sich dies durch: Zeigen des „Hitlergrußes“ oder Skandieren von „Heil Hitler“, Öffentliches Zeigen verbotener rechtsextremistischer Symbole wie z. B. das Hakenkreuz, rechtsextremistische Schmierereien an Schulgebäuden oder am Mobiliar im Klassenzimmer, rassistische, herabwürdigende oder beleidigende Äußerungen gegenüber anderen Schülerinnen und Schülern oder auch Lehrkräften oder durch Bekanntwerden von Aktivitäten von als extremistisch eingestuften Gruppierungen oder Einzelpersonen an Schulen oder Bildungseinrichtungen.

Auch im digitalen Bereich finden derartige Aktionen zum Beispiel in Form von Postings in Klassenchats (Darstellung Adolf Hitlers, verbotener Symbole wie des Hakenkreuzes oder antisemitische Darstellungen) oder auf Social Media statt. Auch gewaltverherrlichende Posts sind zu verzeichnen.

Die BIGE steht hierbei auch in engem Kontakt sowohl mit den jeweiligen Jugendbeamten der Polizei und den Kriminalpolizeiinspektionen als auch den jeweiligen Regionalbeauftragten für Demokratie und Toleranz.

Juli 2025 – Rechtsextremistische „Demo gegen Kinderschänder“ in Nürnberg

Unter dem Titel „Demo gegen Kinderschänder“ fand am 12. Juli 2025 eine angemeldete Versammlung in Nürnberg statt. Die Versammlung wurde von einem Mitglied der rechtsextremistischen Gruppierung „Deutsche Rechte Heimat“ (DRH), einer Abspaltung der rechtsextremistischen Gruppierung „Team Menschenrechte Nürnberg“, angemeldet.

Entgegen der ursprünglich angekündigten Teilnehmeranzahl von 400 Personen waren lediglich knapp 40 Personen anwesend. Auf der Versammlung konnten auch drei Angehörige der Alternative für Deutschland (AfD) als Teilnehmer festgestellt werden. Darunter befanden sich ein stellvertretender Vorsitzender des Bezirksverbandes (BV) Unterfranken, der zugleich Vorsitzender des AfD-Kreisverbandes (KV) Würzburg ist, sowie ein Beisitzer im BV Unterfranken. 

An einer Gegenversammlung nahmen in der Spitze ca. 200 Personen teil. Während des Demonstrationszugs setzten sich ca. 50 Personen des linken Spektrums von dieser Gegenversammlung ab und flankierten den Aufzug. Einen Blockadeversuch opponierender Personen haben die anwesenden Polizeikräfte verhindert.

Insgesamt kam es zu vier Vergehen nach § 86a StGB (Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen) aufgrund öffentlich gezeigter rechtsextremistischer Tattoos mit strafrechtlich relevanten Inhalten und einem Vergehen gem. § 130 StGB (Volksverhetzung) in Zusammenhang mit einem T-Shirt-Aufdruck. Darüber hinaus konnte ein Vollstreckungshaftbefehl im Zuge einer Identitätsfeststellung (§ 86a StGB) vollzogen werden.

Auf der Veranstaltung am 12. Juli 2025 konnten mehrere Personen mit Polohemden mit dem Aufdruck „Aryan Peoples Resistence“ (APR) festgestellt werden.

Die rechtsextremistische Gruppierung „Aryan Peoples Resistance“ trat erstmals beim CSD-Gegenprotest in Döbeln/SN am 21. September 2024 öffentlich in Erscheinung. Der Personenzusammenschluss versucht über Profile in den sozialen Medien neue Mitglieder zu erreichen und strebt eine Zusammenarbeit mit anderen rechtsextremistischen Gruppierungen an. Allgemein besteht der Eindruck, dass die Gruppierung APR wohl maßgeblich verantwortlich für die Veranstaltung am 12. Juli 2025 in Nürnberg war.

Bemerkenswert war bei der Versammlung in Nürnberg insbesondere der gemeinsame Auftritt von Funktionären der AfD aus Unterfranken und Personen aus dem Bereich des klassischen Rechtsextremismus, die aufgrund der Poloshirts der „Aryan Peoples Resistance“ ihre Zugehörigkeit zum Rechtsextremismus offen nach außen getragen haben. Dies zeigt erneut, dass in Teilen der bayerischen AfD keine Abgrenzungsbemühungen zu anderen rechtsextremistischen Organisationen bestehen. Dafür spricht auch, dass seitens der AfD im Nachgang zu der Versammlung keinerlei Distanzierung festgestellt werden konnte.

Mai 2025 – „Team Menschenrechte Nürnberg“ (TMN) grenzt sich nicht effektiv von rechtsextremistischer Ideologie und rechtsextremistischen Organisationen ab

Die Gruppierung „Team Menschenrechte Nürnberg“ (TMN) ist seit dem 19. Mai 2025 Beobachtungsobjekt des BayLfV. Bei ihren Demonstrationszügen durch die Nürnberger Innenstadt skandierten die Teilnehmer zuletzt auch die Parolen „Re-Re-Remigration“, „Gemeinsam für Deutschland“ und „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“. Während des Bundestagswahlkampfes 2025 nutzten Aktivisten von TMN ihre Redebeiträge auch, um die AfD zu unterstützen, die sie als „Alternativmedizin gegen Mord und Totschlag“ bezeichnen.

An den Demonstrationen beteiligten sich aktiv wiederholt auch Personen, die ebenfalls Organisationen angehören, die dem gesetzlichen Beobachtungsauftrag des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz unterliegen, wie z. B. Führungspersönlichkeiten der rechtsextremistischen Partei „Die Heimat“. Eine Distanzierung von den teilweise in Parteikleidung auftretenden Rechtsextremisten erfolgte von Seiten des TMN zunächst nicht.

Auch Personen mit Bezügen zu den Phänomenbereichen Reichsbürger und Selbstverwalter und verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staates nahmen an Versammlungen von TMN teil.

Im Mai distanzierten sich die Organisatoren des TMN von mehreren als Ordnern auftretenden Personen. Auslöser waren öffentliche Äußerungen eines Ordners im Rahmen der Demonstration am 12. Mai mit positiver Bezugnahme auf Adolf Hitler.

Abgesehen von der Distanzierung von als Ordner tätigen Personen ist jedoch weiterhin nicht erkennbar, dass sich das Team Menschenrechte Nürnberg effektiv von rechtsextremistischer Ideologie und rechtsextremistischen Organisationen wie der Partei Die Heimat abgrenzt.

April/Mai 2025 – Flyerverteilung der Identitären Bewegung (IB) vor Schulen

Zwischen Ende April und Anfang Mai 2025 konnten Aktivitäten der rechtsextremistischen Identitären Bewegung Deutschland (IBD) im Umfeld von mehreren Schulen in Bayern festgestellt werden. So wurden in Schwaben am 28./29. April in Augsburg Flyer auf dem Schulhof einer Schule verteilt und in Neu-Ulm am 30. April am Eingang einer Schule abgelegt. Auch in Mittelfranken wurde am 2. Mai in Spardorf durch die IBD über eine angemeldete Veranstaltung versucht, Flyer an einer Schule zu verteilen. Hier konnte aber aufgrund einer Verordnung des Landratsamtes Erlangen eine Stand-Verlegung erwirkt und somit eine direkte Verteilung an einer Schule verhindert werden. Weiterhin wurden auch in Oberbayern (München-Schwabing) am 29./30. April Flyer-Verteilungen durch die der Identitären Bewegung (IB) zuzurechnenden Regionalgruppe „Lederhosen Revolte“ bekannt, hierbei wurden Schüler auch aktiv angesprochen. An allen Örtlichkeiten wurden dieselben Flyer verteilt. Weitere Informationen können hier nachgelesen werden.

1. Halbjahr 2024 – Reichsbürgerszene – Aktivitäten von „Königreich Deutschland“ in Bayern im 1. Halbjahr 2024, insbesondere in Mittelfranken, Oberbayern und Oberpfalz

Seit der Corona-Pandemie beziehen sich die Aktivitäten von mitgliederstarken Gruppierungen innerhalb der Szene der Reichsbürger und Selbstverwalter vermehrt auf das Thema „Ausstieg aus den staatlichen Strukturen“. Das wachsende Interesse der Szene an einem ganzheitlichen System als Alternative zur Bundesrepublik Deutschland macht sich insbesondere das Königreich Deutschland (KRD) zu Nutze. Die Gruppierung bewirbt auf ihren öffentlich einsehbaren Internetpräsenzen und Social-Media-Kanälen regelmäßig auch Vortragsveranstaltungen zu den Themen „Systemausstieg“, „Betriebsgründung“ und „Staatsangehörigkeit“. Ferner wirbt die Gruppierung in eigenen kostenpflichtigen Seminaren – insbesondere für Selbstständige und Unternehmer – dafür, einen „steuerfreien und von der BRD unabhängigen Rechtekreis des Gemeinwohlstaates“ zur Verfügung zu stellen. „Geringere Sozialabgaben“ sowie ein angebliches „autarkes und geschlossenes zinsfreies Geldsystem“ sollen Selbstständige motivieren, sich dem KRD anzuschließen. Der KRD-Webseite zufolge befinden sich bundesweit mittlerweile knapp 700 Unternehmen im „Melderegister“ der Gruppierung, darunter auch im mittleren zweistelligen Bereich Unternehmen aus Bayern. Dass insbesondere das KRD jedoch auch im Bereich der bayerischen Reichsbürger- und Selbstverwalterszene erheblichen Anklang findet, zeigt die im Vergleich zu den Vorjahren wachsende Anzahl an Veranstaltungen in Bayern.

Im Rahmen seiner Seminare und seiner „Aufklärungsarbeit“ auf verschiedenen Internetplattformen vermittelt das KRD seinen Anhängern wahrheitswidrig, dass ein Austritt aus der Bundesrepublik Deutschland möglich sei. Mit der Erlangung der KRD-Staatsangehörigkeit sei u. a. auch eine Befreiung von den in der Bundesrepublik Deutschland geltenden Bürgerpflichten, beispielsweise der Steuerpflicht, verbunden. Daneben dienen die von der Gruppierung organisierten Veranstaltungen auch dem Zweck, finanzielle Einnahmen zu generieren, die im Weiteren für den Kauf von Liegenschaften und der Ausweitung der Organisationsstruktur auf andere Bundesländer verwendet werden. So ist es dem KRD bereits gelungen, Immobilien in Sachsen und Thüringen zu erwerben.

In Bayern sind seit Ende 2022 vermehrt realweltliche Aktivitäten der Gruppierung zu verzeichnen. So führte das KRD beispielsweise neben den sog. „LEUCHT-TURM-Seminaren“ zu den Themen „Systemausstieg“, „Betriebsgründung“ und „Staatsangehörigkeit“ auch sog. „LEUCHT-TURM“-Aktivitäten, unter anderem in Form gemeinsamer Wanderungen, durch. Bei „LEUCHT-TURM“ handelt es sich um eine Art PR-Agentur und Außenstelle des KRD, welche den weiteren Ausbau der Strukturen des selbsternannten Königreichs verfolgt.

Seinem Geschäftsmodell folgend organisierte das KRD in Bayern bereits im ersten Halbjahr 2024 deutlich mehr Veranstaltungen als in den Vorjahren. Die meist mehrtägigen Seminare können von Interessierten gegen Zahlung einer Anmeldegebühr besucht werden und gelten als „Voraussetzung für die Erlangung der Staatsangehörigkeit im Königreich Deutschland“ sowie für die Teilnahme an weiteren, ebenfalls kostenpflichtigen „Zusatzmodulen“, wie beispielsweise den sog. „Betriebsgründungsseminaren“.

In Bayern trat die Gruppierung zuletzt vermehrt in Mittelfranken, im nördlichen Oberbayern sowie in der Oberpfalz mit Veranstaltungen in Erscheinung.

Am 20. und 21. Januar fand im Nebenraum eines Hotels in Hilpoltstein (Landkreis Roth) eine Veranstaltung zum Thema „Systemausstieg“ statt. Weitere Seminare fanden laut Angaben des KRD beispielsweise am 24. Februar in Ingolstadt zum Thema „Basis & Aufbau“ und vom 4. bis 10. Mai zum Thema „Systemausstieg und Betriebsgründung“ in der Oberpfalz statt.

Auf dem Telegram-Kanal von „LEUCHT-TURM“ wird fortlaufend über bundesweite Aktivitäten des KRD informiert. So wurde mit einem Posting vom 26. März eine dreistündige Vernetzungs-Wanderung am 21. April in Haag i. Oberbayern (Landkreis Mühldorf) beworben. Weitere, ähnlich gelagerte Wanderungen fanden KRD-Angaben zufolge beispielsweise am 24. März in Windsbach (Landkreis Ansbach) und am 19. Mai in Maising (Landkreis Starnberg) statt. An weiteren Informationen interessiert? Diese finden sich in den Verfassungsschutzinformationen Bayern 1. Halbjahr 2024.

Am 13. Mai 2025 wurde der Verein „Königreich Deutschland“ (KRD) durch das Bundesministerium des Innern (BMI) verboten. Weitere Informationen können in der Pressemitteilung des BMI nachgelesen werden.

Frühjahr 2024 – „Active Clubs“ (AC) treten auch in Bayern in Erscheinung

Seit Frühjahr 2024 wird über verschiedene Kanäle auf sozialen Medien für das Phänomen bzw. die Gründung von Active Clubs in Deutschland geworben. „Active Clubs“ (AC) stellen ein neues Phänomen im Rechtsextremismus dar. Die Idee von ACs ist auf den US-amerikanischen Rechtsextremisten Robert Rundo zurückzuführen. Sie verfolgen das Ziel, ein dezentrales Netzwerk von regionalen Gruppen zu bilden, Kampfsport zu trainieren und insbesondere Jugendlichen und jungen Erwachsenen einen Anschluss an rechtsextremistische Netzwerke zu bieten, um u.a. auf einen angeblich bevorstehenden Rassenkrieg vorbereitet zu sein. Es handelt sich bei Active Clubs folglich gerade nicht um reine Sportgruppen. Inwiefern Active Clubs in Deutschland beziehungsweise in Bayern dauerhaft Fuß fassen können bleibt abzuwarten. Bislang wurden nur vereinzelt realweltliche Aktivitäten bekannt und es ist noch unklar, ob das ambitionierte Konzept dauerhaft ein größeres Personenpotenzial binden kann. In Bayern traten bislang drei Personenzusammenschlüsse in Erscheinung: „Active Club Mainfranken“, „Active Club Nordgau“ und „Active Club Nürnberg“.

Weitere Informationen können hier nachgelesen werden.

Oktober 2023 – Auffällige Hakenkreuzschmierereien in Nürnberg

Am 31. Oktober 2023 wurde die Polizei auf einen auffälligen, rechtsextremen Schriftzug aufmerksam gemacht. Demnach schmierten unbekannte Täter über 35 Meter hinweg eine rechtsextreme Parole mit zwei Hakenkreuzen an die Steintribüne am Nürnberger Zeppelinfeld.

Am 04. November 2023 kam es zu einer erneuten Sachbeschädigung durch ähnliche Schmierereien. Diesmal handelte es sich am Rande des Zeppelinfeldes um ein großflächiges Hakenkreuz (1,9 m x 1,7 m) in schwarzer Farbe auf der Wand eines Gebäudes. Bereits Anfang November wurde an einer Wand im Bereich eines Discounters im Nürnberger Norden ein ca. 1,5 m x 1,5 m angebrachtes Hakenkreuz festgestellt.

September 2023 – Durchsuchungen in Oberbayern, Mittelfranken und Unterfranken in Zusammenhang mit dem Verbot des Vereins „Die Artgemeinschaft – Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung e. V.“ durch das BMI

Mit Wirkung vom 27. September 2023 verbot das Bundesministerium des Innern und für Heimat den rechtsextremistischen Verein „Die Artgemeinschaft – Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung e. V.“ (AG-GGG) und sämtliche Teilorganisationen. Der Verein richtet sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung und – insbesondere aufgrund antisemitischer Inhalte – auch gegen den Gedanken der Völkerverständigung.

In Bayern fanden hierzu Durchsuchungen bei 8 Mitgliedern an insgesamt 5 Wohnobjekten in Oberbayern, Mittelfranken und Unterfranken statt. In 11 weiteren Bundesländern erfolgten ebenfalls Durchsuchungen. Bei der AG-GGG handelt es sich um eine bundesweit aktive neonazistische, neuheidnische und religiös-völkische Organisation. Die Verbote sind noch nicht rechtskräftig.

Weitere Informationen finden sich hier.

August 2023 – Schmierereien von Hakenkreuzen und SS-Runen an Häusern und Fahrzeugen in Schnelldorf, Lkrs. Ansbach

In den frühen Morgenstunden des 5. August wurden im Norden von Schnelldorf, Lkr. Ansbach, Schmierereien an vier Häusern und Beschädigungen an fünf Fahrzeugen festgestellt. Die Häuser wurden hierbei mit Hakenkreuzen, SS-Runen und die Zahl 88, mit grauer Farbe besprüht und der Schriftzug „Flüchtlinge drecks Pack“ angebracht. Die Fahrzeuge waren ebenso mit verfassungsfeindlichen Symbolen besprüht, teilweise wurde auch bei einigen Fahrzeugen Außenspiegel und Scheibenwischer beschädigt. Auch an einem Holzzaun wurden zwei aufgesprühte Hakenkreuze angebracht. Hinweise auf Täter liegen aktuell nicht vor (Stand: 23.08.2023). Ob hier ein Zusammenhang mit dem zeitgleich stattfindenden „Chameleon Festival“ (Elektro-Musik Festival) am Erlensee besteht, kann bis dato nicht gesagt werden.

April 2023 – Friedensdemo der AfD in Nürnberg mit extremistischer Beteiligung  

Am 15. April 2023 fand am Jakobsplatz in Nürnberg eine Versammlung der AfD statt. Dabei konnte auch die Teilnahme von Aktivisten der Identitären Bewegung (IB) festgestellt werden, die innerhalb des Veranstaltungsgeländes der AfD ein Transparent mit dem Schriftzug „Globalisten Grenzen zeigen. Autarkie – Souveränität – Remigration“ mit sich führten.

Das Transparent ist aus der IB-Kampagne „Aktion Solidarität“ bekannt, mit der die IB im August 2022 in Erscheinung trat.

März 2023 – Gepäcklauf III. Weg in Franken

Die neonazistische Kleinstpartei Der Dritte Weg (III. Weg) veröffentlichte am 26. März einen Onlinebeitrag mit dem Titel „7 km, 20 kg, 52 Minuten: Jugendtag in Franken durchgeführt“, der auch Foto- und Videoelemente umfasste. Eigenen Angaben zufolge hatte der III. Weg-Stützpunkt Nürnberg-Fürth bereits am 18. März Angehörige der Nationalrevolutionären Jugend (NRJ) und „Ältere“ zu einem „Treffen mit der körperlichen Leistungsgrenze“ aufgerufen.

Elf Läufer aus Franken und Oberbayern sollten sich an dem sieben Kilometer langen Rundlauf entlang des Main-Donau-Kanals beteiligt haben. Der Lauf sollte im „Feldanzug“ und mit 20 Kilogramm Marschgepäck innerhalb der vorgegebenen Zeit von 52 Minuten absolviert werden. Jugendliche hätten zunächst lediglich Unterstützungsaufgaben wahrnehmen sollen. Schlussendlich hätten sich aber „alle […] als Läufer gemeldet“. Zehn teils militärisch bekleidete Läufer erreichten mit ihrem Marschgepäck das Ziel.

Die „Nationalrevolutionäre Jugend“ (NRJ) ist die Jugendorganisation des III. Weg. Am 3. Dezember 2022 gründete sich in Schweinfurt der NRJ-Stützpunkt Franken. Der Stützpunkt soll nach Parteiangaben die Regierungsbezirke Unterfranken, Mittelfranken und Oberfranken umfassen. Aufgabe der NRJ ist die Nachwuchsarbeit des III. Weg. Mit einem speziell zugeschnittenen Programm sollen interessierte Jugendliche möglichst früh in die Parteiarbeit eingebunden und ideologisch indoktriniert werden. Die Spannweite der Veranstaltungen reicht dabei von Wanderungen über sogenannte „Wald- und Wiesentage“, Ausflüge und sportliche Aktivitäten bis hin zu Selbstverteidigungskursen, Nachhilfeunterricht, Schulungs-veranstaltungen und Flugblattverteilungen.

Die Rahmenbedingungen des vom III. Weg am 18. März initiierten Gepäcklaufs waren Anforderungen an Ausdauer- und Kraftkomponenten von Bundeswehrsoldaten vergleichbar.

Januar 2023 – Teilnahme von NPD-Mitgliedern an verschiedenen Demonstrationen in Ansbach

Am 21. Januar 2023 fand in Ansbach eine sich fortbewegende Kundgebung zu den Themen Frieden, Freiheit und Russland-Sanktionen mit etwa 75 Personen statt. Unter den Teilnehmenden befanden sich der bayerische NPD-Landesvorsitzende und bis zu sieben Personen, die zwei Transparente mit dem Begriff (Label) „Heimat!“ zeigten. Das unter anderem gezeigte Transparent „Gegen Armut und Verzweiflung – Jetzt auf die Straße! HEIMAT!“ vertreibt der NPD-Bundesverband im Internet über den „HEIMAT Shop“ mit Anschrift bei der NPD-Parteizentrale in Berlin. Das von den Personen ebenfalls mitgeführte Transparent „Kriegstreiber stoppen!“ war am 28. August 2021 bei einer NPD-Protestaktion in Ansbach gezeigt worden, damals allerdings noch mit einem NPD-Symbol. Bei allen drei Transparenten war der Bezug zur NPD für Dritte während der Kundgebung nicht offen erkennbar. In den Telegramkanälen Heimat Franken (@heimat_franken) und Heimat Bayern (@heimat_bayern) konnten am 24. Januar Kundgebungsbilder, u.a. mit den drei Transparenten, festgestellt werden.

Am 25. Februar 2023 nahmen Mitglieder der NPD an einer Demonstration in Ansbach zum Thema „Ansbach steht auf; Für Frieden, Freiheit und Menschenrechte; Gegen Waffenlieferungen“ teil. Dabei konnten mehrere der NPD zuzuordnende Plakate und Transparente festgestellt werden, wovon zwei Transparente den Demonstrationszug anführten.

Rechtsextremismus

Die Bayerische Polizei zur aktuellen Lage

Straftaten der Politisch motivierten Kriminalität

Sicherheitsbericht des Polizeipräsidium Mittelfranken zur Politisch motivierten Kriminalität (PMK)

Anmerkung zu „Politisch motivierte Kriminalität“ (PMK): Als PMK werden alle Straftaten bezeichnet und erfasst, die einen oder mehrere Straftatbestände der sogenannten klassischen Staatsschutzdelikte erfüllen, selbst wenn im Einzelfall eine politische Motivation nicht festgestellt werden kann. Bei Straftaten, die auch in der Allgemeinkriminalität begangen werden können, erfolgt eine Würdigung der Gesamtumstände (siehe Bericht des Bundesamts für Verfassungsschutz 2024, Seite 24).

Sicherheitsbericht 2024 – Polizeipräsidium Mittelfranken

Das Polizeipräsidium Mittelfranken teilt in seinem Sicherheitsbericht 2024 zum Deliktsbereich Politisch motivierte Kriminalität (PMK) mit, dass hierzu insgesamt 1.090 (Vorjahr: 1099) Fälle bekannt wurden. Im Phänomenbereich PMK -rechts- wurden insgesamt 494 (Vorjahr: 390) Straftaten registriert, 17 Fälle waren hier Gewaltstraftaten zuzuordnen. Der deliktische Schwerpunkt lag mit 307 Fällen bei Propagandadelikten (z. B. öffentliches Zeigen und Rufen verbotener Parolen oder Verbreiten von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen) und Volksverhetzung in 84 Fällen. Für den Bereich Reichsbürger/Selbstverwalter waren in Mittelfranken mit Ende 2024 598 Personen (Vorjahr: 649) zu verzeichnen. Zahlreiche Straftaten PMK -rechts- fallen aufgrund ihres Modus Operandi unter die Rubrik Hasskriminalität. Hier konnte eine Steigerung auf 294 Fälle (Vorjahr: 250) festgestellt werden.

Grafik zur Politisch motivierten Kriminalität -rechts- für das Jahr 2024 des PP Mittelfranken
© PP Mittelfranken

An weiteren Infos interessiert? Der Gesamtbericht des Polizeipräsidiums Mittelfranken 2024 kann hier nachgelesen werden.

Rechtsextremistische Akteure in Mittelfranken

Parteien und andere rechtsextremistische Strukturen

Der Verfassungsschutz unterscheidet die drei Kategorien Parteien, parteiunabhängige bzw. parteiungebundene Strukturen und weitgehend unstrukturiertes Personenpotenzial.

In die Kategorie parteiunabhängige bzw. parteiungebundene Strukturen fallen alle Gruppen und Organisationen, welche einen gewissen Bindungs- und Organisationsgrad erkennen lassen. Hierzu zählen organisierte neonazistische Gruppierungen, rechtsextremistische Bands, kommunale Wählervereinigungen, Verlage und Vertriebsnetze, Bürgerinitiativen Vereine, kameradschaftliche Stammtischrunden und Gesprächszirkel. Vor allem finden sich hier organisierte Neonazis und die Identitäre Bewegung (IB).

Zur Kategorie weitgehend unstrukturiertes Personenpotenzial zählen organisationsungebundene subkulturell geprägte Rechtsextremisten (Skinheads), rechtsextremistische Einzelpersonen und Internetaktivisten.

In Mittelfranken gibt es auch organisationsungebundene subkulturell geprägte Rechtsextremisten sowie rechtsextremistische Einzelpersonen, die sich anlassbezogen, zum Beispiel bei Demonstrationen oder privaten Treffen, zusammenfinden.
Der Dritte Weg (III. Weg)

Die Partei Der Dritte Weg (III. Weg) verfügt in Deutschland über 800 Mitglieder, davon 160 in Bayern. Die Partei vertritt einen stark neonazistisch geprägten Rechtsextremismus. Zahlreiche Mitglieder, Fördermitglieder und mit der Partei Sympathisierende stammen aus dem Umfeld des 2014 verbotenen neonazistischen Netzwerks Freies Netz Süd (FNS). Ausführliche Hintergrundinformationen zur Partei finden Sie hier. Die Parteistützpunkte des neonazistischen III. Weg berichten regelmäßig über ihre Aktivitäten auf der Webseite der Partei. So werden bundesweite Kampagnen der Partei durch die einzelnen Parteigliederungen regional oder lokal durch eigene Aktionen umgesetzt, über die dann im Anschluss auf der Parteiseite berichtet wird.

Logo der neonazistischen Kleinpartei Der Dritte Weg (III. Weg). Es zeigt in grüner Farbe die Zahl Drei als römische Zahl über einem Eichenlaub-Halbkranz.
© Screenshot der-dritte-weg.info, gesichert 05.07.2024

Des Weiteren betreibt die Partei unter der Bezeichnung „Revolution auf Sendung“ ein Internetradioformat. Die Sendungen werden unregelmäßig auf der Webseite der Partei eingestellt und beinhalten Interviews, Musikbeiträge und Nachrichten der Partei. Bei den Interviewpartnern handelt es sich um rechtsextremistische Aktivisten.

Da sich der III. Weg nicht nur als reine Partei, sondern ebenso als „Nationale Bewegung“ versteht, sollen durch regelmäßige Freizeitaktivitäten – wie etwa sportliche Aktivitäten, Wanderungen, Vorträge und Rechtsschulungen – Mitglieder, Sympathisanten und deren Familien eng an Partei und Stützpunkt gebunden werden.

Informationen über Aktivitäten des III. Weg in Mittelfranken können unter Besondere Ereignisse und Aktivitäten nachgelesen werden. Bis 2019 gliederte sich die Partei in die bundesweiten Gebietsverbände Süd, Mitte und West. Am 28. September 2019 beschloss der III. Weg auf seinem Bundesparteitag eine Änderung seiner Satzung. Diese zielte auf eine Umstrukturierung der Gebietsverbände in Landesverbände ab.

Grafik Bayernkarte mit drei eingetragenen Stützpunkten der rechtsextremistischen Kleinpartei Der Dritte Weg
© BayLfV

Die Gründung des Landesverbands Bayern, der den bisherigen Gebietsverband Süd ersetzte, erfolgte am 25. Juli 2020.

Kreisverbände sind die kleinsten selbstständigen Einheiten der Partei.

Die Satzung ermöglicht es, in Gebieten, in denen keine Untergliederungen bestehen, sogenannte „Stützpunkte“ einzurichten. Zum Jahresende 2024 waren auf der Parteiwebseite 24 Stützpunkte genannt, davon 5 in Bayern. In Bayern befanden sich die 5 Parteistützpunkte „Mainfranken“, „Oberfranken“, „Mittelfranken“, „Ostbayern“ und „München/Oberbayern“.

Im April 2025 ist auf der Parteiwebseite eine interaktive Karte über die bundesweite räumliche Verteilung der Parteistützpunkte bekannt geworden. In Bayern ist der III. Weg nach eigener aktueller Darstellung nun mit den drei Parteistützpunkten „München/Oberbayern“, „Mittelfranken“ und „Mainfranken“ vertreten.

In Mittelfranken ist der Stützpunkt Mittelfranken seit 29.03.2014 aktiv.

Grundsätzlich ist der Internetauftritt jedes Stützpunkts mit der Parteiwebseite verlinkt, auf der regelmäßig regionale Berichte von Aktionen, wie beispielsweise Flyerverteilaktionen eingestellt werden.

Die Partei eröffnete am 29. Oktober 2022 in Schweinfurt ihr erstes Partei- und Bürgerbüro in Bayern. Das Bürger- und Parteibüro in Schweinfurt (SW 16) ist die 2. offizielle Anlaufstelle der Partei im Bundesgebiet und wird als Treff- und Versammlungsort für Rechtsextremisten genutzt.

Im Nachgang zu dieser Eröffnung kam es auch zur Gründung des Stützpunkts Franken der Nationalrevolutionären Jugend (NRJ), der Parteijugend des III. Weg. Die NRJ ist keine eigenständige Organisation, sondern fest in die Partei eingebunden bzw. dieser untergeordnet und lebt die Ideologie und Programmatik des III. Weg. Die bisherigen Aktivitäten des NRJ ähneln denen des III. Weg, darüber hinaus veranstaltet die NRJ sog. „Jugendtage“, die meist in den regionalen Stützpunkten stattfinden. Nähere Informationen zur NRJ können hier nachgelesen werden.

In Bayern betrieb der III. Weg im Jahr 2024 mehrere Informationsstände mit Pavillon, Transparenten, Fahnen und Flugblattverteilung. Die Veranstaltungen fanden am 24. Februar in Furth im Wald (Lkr. Cham), am 20. April in Garmisch-Partenkirchen, am 1. Juni in Lindau am Bodensee, am 24. August in Holzkirchen (Lkr. Miesbach), am 26. Oktober in Füssen und am 23. November in Aschaffenburg statt. Dabei konnte die Partei in Garmisch-Partenkirchen mit rund 30 Personen mobilisieren.  Ferner wurden 2024 in Bayern Flugblattverteilungen des „III. Weg“ in den Regierungsbezirken Oberbayern, Schwaben und Unterfranken bekannt.

Kollektiv Zukunft Schaffen – Heimat Schützen (KZSHS)

Das Kollektiv Zukunft Schaffen – Heimat Schützen (KZSHS) war eine dem subkulturellen Rechtsextremismus zuzurechnende Gruppierung aus dem Raum Nordbayern mit ideologischer Nähe zum Neonazismus. Aktivitäten von KZSHS konnten sowohl realweltlich als auch virtuell erstmals 2021 festgestellt werden. Über den Messengerdienst Telegram verbreitete KZSHS verfassungsfeindliche Agitation. In mehreren Beiträgen verherrlichte die Gruppierung die Zeit des Nationalsozialismus.

Symbol Logo Kollektiv Zukunft Schaffen Heimat Schützen KZSHS, stilisierte sich reichende Hände unter einem grünen Eichenblatt mit stehendem Schwert umrahm von einem weißen Oval mit Text Kollektiv Zukunft Schaffen Heimat Schützen auf schwarzem Hintergrund
© BayLfV

Ferner verbreitete sie zahlreiche antisemitische Beiträge. So bezeichnete KZSHS in einem Telegram-Beitrag vom 18. Juli 2023 das „zionistische System“ als Ursache für Migration und Gewalt durch Migranten in Deutschland. In einem Beitrag vom 10. Juli 2023 wurde Juden außerdem unterstellt, einen „Genozid an den weißen Völkern“ durchzuführen und über Impfstoffe einen Anstieg an Totgeburten in Deutschland herbeigeführt zu haben. Zudem verbreitete KZSHS zahlreiche Beiträge der rechtsextremistischen Kleinstpartei Der Dritte Weg (III. Weg) und anderer rechtsextremistischer Gruppierungen. KZSHS unterstützte damit nachdrücklich auch die von diesen Organisationen ausgehenden verfassungsfeindlichen Bestrebungen.

KZSHS mobilisierte in der Vergangenheit regelmäßig für die Proteste gegen die Corona-Politik und nahm selbst an vielen Demonstrationen teil. In 2023 beteiligte sich die Gruppierung an Protesten gegen die Unterbringung von Flüchtlingen im Raum Oberfranken und bewarb diese im Vorfeld auf Telegram. Am 13. Januar 2023 trat ein KZSHS-Aktivist auf einer Veranstaltung, die von einem damaligen oberfränkischen Funktionär des III. Weg durchgeführt wurde, als Redner auf. Erkenntnisse über Aktivitäten des KZSHS in Mittelfranken liegen nicht vor.

Im Januar 2025 wurde die Auflösung von KZSHS bekannt. Informationen über eine mögliche Fortführung der Aktivitäten unter anderem Namen oder innerhalb anderer Gruppierungen gibt es bisher nicht.

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Die Heimat

Das Bundesverfassungsgericht bestätigte mit Urteil vom 17. Januar 2017 die verfassungsfeindliche Ausrichtung der Partei NPD, die sich am 3. Juni 2023 auf einem Bundesparteitag in „Die Heimat“ umbenannte.

Das Gericht entschied jedoch gegen ein Verbot der Partei wegen fehlender Anhaltspunkte für die Fähigkeit, ihre verfassungsfeindlichen Ziele durchzusetzen.

Symbol Logo Partei Die Heimat, weißer Schriftzug Heimat mit schwarzem Ausrufezeichen auf schraffiertem gelbem Hintergrund
© Wikimedia Commons

Mit Urteil vom 23. Januar 2024 hat das Bundesverfassungsgericht die Partei für die Dauer von 6 Jahren von der staatlichen Parteienfinanzierung ausgeschlossen.

Die Partei Die Heimat (vormals NPD) verfügt deutschlandweit über 2.800 Mitglieder und Fördermitglieder, davon etwa 360 in Bayern (Stand 2024). Wie die meisten rechtsextremistischen Gruppierungen und Parteien ist auch Die Heimat im Internet aktiv und kann daher nicht nur durch Aktionen vor Ort, sondern ebenso online, u. a. durch Streaming-Angebote, ihre Ideologie auch in Mittelfranken verbreiten.

Aus Sicht der Partei stellt eine „Volksgemeinschaft“ die einzig natürliche und damit annehmbare staatliche und gesellschaftliche Ordnung dar, weil angeblich nur sie dem wahren Wesen des Menschen entspricht. Die Partei strebt damit einen Gegenentwurf zur parlamentarischen Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland an. Die von der Partei vertretenen völkischen Grundideen bringen im Zusammenhang mit den verschiedensten politischen Themen oft ausländerfeindliche, antisemitische, rassistische – und in Bezug auf den historischen Nationalsozialismus verharmlosende und zu­stimmende – Positionen zum Ausdruck. Ihr angestrebtes Ziel der „Systemüberwindung“ und ihre Grundaussagen stehen inhaltlich im Widerspruch zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Das Parteiprogramm ist von einem ausgeprägten Nationalismus getragen und schreibt den Gedanken der „Volksgemeinschaft“ in einer völkisch-kollektivistischen Auslegung fest. Für die Partei resultiert die Würde des Einzelnen nicht aus dem freien Willen des Individuums. Ihr zufolge ist der Wert eines Menschen von der biologisch-­genetischen Teilhabe an der „Volksgemeinschaft“ abhängig. Da nur Deutsche völkischer Abstammung Teil der „Volksgemeinschaft“ sein können, ist eine rassistisch und nationalistisch geprägte Fremdenfeindlichkeit elementarer Bestandteil der Parteiideologie vom „lebensrichtigen Menschenbild“, das sich insbesondere gegen „Fremdbestimmung“ und „Überfremdung“ richtet.

In Bayern besteht ein „Die Heimat“-Landesverband. Öffentlich wahrnehmbare Aktivitäten in Bayern beschränken sich allerdings auf Franken. So nahmen Parteiaktivisten sowie der bayerische Landesvorsitzende in Stein bei Nürnberg an Kundgebungen einer Bürgerinitiative gegen die Unterbringung von Flüchtlingen teil. In Nürnberg besuchte der bayerische Landesvorsitzende auch Kundgebungen anderer Veranstalter. In Weißenburg in Bayern wurde auch im März 2024 eine Flugblattverteilung „Deutschland braucht deutsche Kinder, keine Flüchtlinge“ bekannt.

Als eine der Partei zugehörige Vereinigung nennt die Satzung die Jungen Nationalisten (JN). Die JN waren bislang als Jugendorganisation der NPD bekannt. Nach Umbenennung der NPD in Die Heimat wurden die JN als Jugendorganisation der Partei Die Heimat fortgeführt, die in Bayern nur sehr vereinzelt in Erscheinung tritt. So berichtete die „Heimat“ in Bayern im Juli 2024 über eine Stadtführung der „JN Franken“, an der in Nürnberg der bayerische Landesvorsitzende der Partei „Heimat“ teilnahm und eine „JN“-Fahne zeigte. Am „Heldengedenken“ bei mittelfränkischen Kriegsgräberstätten nahm laut Fotos in einem Beitrag im Facebook-Profil „Heimat Franken“ vom 17. November 2024 ebenfalls eine Person mit JN-Fahne teil.

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Anfang Januar 2024 wurde bekannt, dass es von der Partei „Die Heimat“ eine neue Abspaltung gibt, die Partei „Nationaldemokratische Partei Deutschlands“ (NPD (2023)) mit Sitz in Hamburg. Auf der Internetseite www.npd-voran.de werden für Bayern Strukturen der NPD (2023) in Kronach und München genannt. Weitere Informationen zur Partei NPD (2023) können hier nachgelesen werden.

Junge Alternative für Deutschland Bayern (JA Bayern)

Die „Junge Alternative für Deutschland“ (JA) wurde im Juni 2013 gegründet und als eigenständiger Verein mit Sitz in Berlin konstituiert. Sie war gemäß einer bisherigen Fassung der Bundessatzung der „Alternative für Deutschland“ (AfD) die offizielle Jugendorganisation der Partei.

Um die Jugendorganisation neu zu gründen und enger an sich zu binden, stellte der AfD-Bundesvorstand beim Bundesparteitag in Riesa am 12. Januar 2025 einen Antrag zur Änderung der AfD-Bundessatzung zur Abstimmung. Der Antrag sah im Wesentlichen eine Auflösung der „Jungen Alternative für Deutschland“ und die Neugründung einer in die AfD integrierten Jugendorganisation vor.

Symbol Logo Junge Alternative Bayern, stilisiertes Feuer in den Farben weiß und blau mit Text Junge Alternative Bayern darunter
© Screenshot Webseite JA Bayern, gesichert 14.06.2021

Angenommen wurde der Antrag trotz des Widerstandes zahlreicher auch bayerischer JA-Mitglieder sowie aus dem bayerischen AfD-Landesverband mit mehr als der nötigen Zweidrittelmehrheit. Befürworter der Auflösung der JA begründeten den Schritt vor allem mit einer besseren finanziellen Ausstattung sowie mit dem Schutz vor einem möglichen Verbot. Als Vollzugstermin der beschlossenen Änderung der AfD-Bundessatzung ergab sich der 1. April 2025.

Am 22. März 2025 war bekannt geworden, dass der bayerische JA-Landesverband (JA Bayern) dem Beschluss des AfD-Bundesparteitages folgte und sich vor dem Hintergrund der geplanten Neuorganisation der jungen AfD-Mitglieder auflöst.

Das Verwaltungsgericht Köln hatte in einem Verwaltungsstreitverfahren der AfD gegen das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) in der Entscheidung vom 8. März 2022 die Zulässigkeit der Beobachtung der JA sowie die Berichterstattung durch das BfV bestätigt. Gegen diese Entscheidung legte die AfD Berufung beim Oberverwaltungsgericht Münster (OVG Münster) ein.

Das OVG Münster entschied im Mai 2024, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz die AfD und JA als Verdachtsfall beobachten darf. Mit Urteil vom 13.05.2024 durch das OVG wurde die Berufung der AfD und der JA gegen die Urteile vom 8. März 2022 somit zurückgewiesen. Über die von der Klägerin gegen die Nichtzulassung der Revision eingelegte Beschwerde wurde noch nicht entschieden, das Verwaltungsstreitverfahren zur Einstufung der JA als Verdachtsfall ist daher noch nicht rechtskräftig abgeschlossen.

Am 28. März 2023 stufte das BfV die JA dann als „gesichert extremistische Bestrebung“ ein (Heraufstufung des Verdachtsfalls). Gegen diese Entscheidung des BfV legten die AfD und die JA erneut Rechtsmittel ein. Mit Beschluss vom 5. Februar 2024 lehnte das VG Köln einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung gegen die Einstufung der JA als nunmehr „gesichert extremistische Bestrebung“ ab. Gegen den Beschluss des VG Köln vom 5. Februar wurde Beschwerde eingelegt. Gegenwärtig ist das Verwaltungsstreitverfahren zur Einstufung der JA als „gesichert extremistische Bestrebung“ durch das BfV noch nicht rechtskräftig abgeschlossen.

Bundesweit waren für die JA rund 4.000 Anhänger zu verzeichnen, in Bayern wurden der Gruppierung etwa 350 Personen zugerechnet. Die „JA Bayern“ wies bundesweit keine flächendeckenden Strukturen auf. Schwerpunktmäßig trat die JA im Regierungsbezirk Schwaben unter der Bezeichnung „Junge Alternative Schwaben“ bzw. „Junge Alternative Nordschwaben“ auf.

In Mittelfranken veranstaltete die „JA Bayern“ am 8. Juni 2024 in Nürnberg eine Strategietagung, zu der Redner aus der AfD und dem sog. „Vorfeld“ der Partei eingeladen waren.

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Identitäre Bewegung

Die ursprünglich aus Frankreich stammende und inzwischen europaweit agierende Identitäre Bewegung (IB) ist ein rechtsextremistischer Personenzusammenschluss, der eine mitunter subtile, auf den gesamtgesellschaftlichen Diskurs abzielende Beeinflussungsstrategie verfolgt.

Kennzeichnend für den Aktionismus der IB sind öffentliche Stör- und Transparentaktionen, die sie im Rahmen von Social-Media-Kampagnen inszenieren und verbreiten.

Griechischer Buchstaben Lambda in Form eines nach oben zeigenden spitzen Winkels in den Farben Schwarz und Geld
© Screenshot Telegram-Kanal Identitäre Bewegung, gesichert 31.03.2025

Die hierarchische Struktur der IB in Bayern, die sich zunächst nach vermeintlichen „Volksgrenzen“ gliederte, wurde mittlerweile zugunsten autonomer Orts- bzw. Regionalgruppen aufgelöst. Hintergrund dieser Entwicklung ist eine Mitte 2021 initiierte Neuausrichtung der IB. Der Aufbau voneinander augenscheinlich unabhängiger Gruppierungen dient dazu, die IB langfristig flexibler zu gestalten, sowie vor staatlichen Maßnahmen, aber auch vor Repression und „Outings“ politischer Gegner zu schützen. Aus diesen Gründen wurde auch weitestgehend auf die bekannte IB-Symbolik, wie beispielsweise das gelbe Lambda auf schwarzem Grund, verzichtet. Von dieser Strategie hat sich die IB mittlerweile entfernt. Sie tritt nun auch in Bayern wieder vermehrt offen als „Identitäre Bewegung“ unter Verwendung des gelb-schwarzen Lambda-Symbols auf und gibt sich selbstbewusst.

Derzeit treten in Bayern die der IB zurechenbaren Gruppierungen „Reconquista21“ (vormals „Wackre Schwaben“) und „Lederhosen Revolte“ öffentlich wahrnehmbar in Erscheinung.

Über Webseiten und Social-Media-Kanäle veröffentlichte Beiträge stellt sich die IB bei Aktivistentreffen häufig als kampfsportaffin dar und veröffentlicht Aufnahmen von Boxtrainings.

Öffentlichkeitswirksame Aktionen der IB in Bayern konzentrieren sich seit Jahresbeginn vor allem auf den Themenkomplex „Asyl und Migration“, der auch im Fokus der öffentlichen Debatte steht.

An Aktionen der IB, insbesondere der Gruppierung „Lederhosen Revolte“, beteiligten sich regelmäßig auch Mitglieder der rechtsextremistischen Aktivitas der „Burschenschaft Danubia München“.

Informationen zu Aktionen in Mittelfranken können unter der Rubrik Besondere Ereignisse und Aktivitäten nachgelesen werden.

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Extremistische Agitation im Internet

Auch jenseits von organisierten Strukturen verbreiten Einzelpersonen – auch aus Mittelfranken – verfassungsfeindliche Propaganda im Internet. Dabei werden auf den unterschiedlichsten Plattformen – beispielsweise durch Memes, Hashtags und Kommentare – extremistische Botschaften geteilt und zum Hass aufgestachelt. Die Entwicklungen im digitalen Raum werden von den Sicherheitsbehörden laufend beobachtet. In enger Abstimmung zwischen Justiz, Polizei und Verfassungsschutz werden Hassbotschaften bzw. strafrechtlich relevante Inhalte konsequent verfolgt.

Rechtsextremistische Organisationen und Einzelpersonen setzen für ihre Propaganda digitale Medien und Formate als festen Bestandteil ihrer Kommunikationsstrategien ein. Das Internet ermöglicht ihnen den erleichterten Zugang zu einem heterogenen Empfängerkreis, der über die engere extremistische Anhängerszene hinausreicht.

Allerdings gehen insbesondere die im Internet aktiven Personen weit über das bekannte partei- und organisationsgebundene rechtsextremistische Spektrum hinaus. Das Personenpotenzial ist daher zahlenmäßigen Schwankungen unterworfen.

Rechtsextremistische Akteure nutzen das Internet, um manipulative und extremistische Inhalte zu verbreiten. Sie wollen ein Klima von Misstrauen und Hass z. B. gegenüber Geflüchteten und Andersdenkenden, aber auch gegenüber etablierten Medien, staatlichen Einrichtungen und dem demokratischen Prozess schaffen. Soziale Medien bieten diesen Einzelpersonen niedrigschwellige Möglichkeiten, in virtuellen Räumen verfassungsfeindliche Propaganda zu betreiben, sich zu vernetzen und Aktionen zu planen, die im äußersten Fall zur Begehung von schweren Straftaten in der Realwelt, wie Angriffen gegen Repräsentanten des Staates und der Politik, führen können. Daher spielt das Internet auch bei Radikalisierungsprozessen, die von einer realweltlichen rechtsextremistischen Szene losgelöst sind, eine zentrale Rolle. Hierbei ist beispielsweise in der Gaming-Szene und der sog. Attentäter-Fanszene ein gewisses Radikalisierungspotenzial erkennbar. In der Gaming-Szene werden z. B. mittels eigens entwickelter Szene-Spiele rechtsextremistische Botschaften verbreitet. Bei der Attentäter-Fanszene handelt es sich um eine digitale Subkultur, die Amoktäter sowie ideologisch unterschiedlich motivierte Attentäter verehrt. Eine Anbindung an realweltliche rechtsextremistische Strukturen existiert in der Regel nicht.

Das Internet bietet Nutzern neben diversen Kommunikations-­ und Vernetzungsmöglichkeiten auch vielfältige Potenziale im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI). Die Anwendungsbereiche erstrecken sich dabei von der Bilderstellung über die Bildmanipulation bis hin zur Erstellung von sog. „Deepfakes“, die allgemein als Form der KI-­basierten Bild-­ und Audiobearbeitung gelten und biometrische Merkmale von Personen wie Aussehen, Mimik oder Stimme täuschend echt imitieren. Im Phänomenbereich Rechtsextremismus war zuletzt vermehrt die Nutzung solcher Technologien festzustellen. Insbesondere authentisch wirkende Bilder und Videos werden von Rechtsextremisten zielgruppenorientiert für Propagandazwecke genutzt.

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Extremistische Agitation durch Musik­veranstaltungen

Rechtsextremistische Musik ist ein wesentliches Eintrittstor in die rechtsextremistische Szene. So nutzen Szeneangehörige Musik, um Jugendliche mit rechtsextremistischem Gedankengut in Kontakt zu bringen. Oft wird weiterhin verkürzt von „Rechtsrock“ gesprochen, obwohl das Angebot an rechtsextremistischer Musik längst zahlreiche unterschiedliche Stile und Zielrichtungen umfasst, die von Skinheadmusik und Balladen über Black Metal bis hin zu Hip Hop und Techno reichen. Die Texte enthalten meist nationalistisches, fremdenfeindliches, antisemitisches und antidemokratisches Gedankengut.

Adaptionen populärer Musiktitel durch Rechtsextremisten erfuhren 2024 besondere Aufmerksamkeit. Bei mehreren Veranstaltungen – auch in Bayern – wurde der bekannte Party-Hit „L’Amour Toujours“ gezielt verändert und mit der fremdenfeindlichen Parole „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ gesungen. Problematisch ist diese Entwicklung zu Cover-Songs auch deshalb, weil unbedenkliche Lieder auf diese Weise ein „Doppelleben“ entwickeln und auch ganz ohne extremistischen Text, zum Erkennungszeichen oder Meme extremistischer Akteure aufgeladen werden können.

Rechtsextremistische Musikveranstaltungen (Konzerte und Liederabende) im In- und Ausland ermöglichen es Szeneangehörigen zudem, neue Kontakte aufzubauen, sich szeneintern zu vernetzen oder Einkünfte zu generieren.

Im Bundesgebiet fanden seit 2019 keine Musikgroßveranstaltungen mehr statt. Als allgemeiner Trend lassen sich kleinere Veranstaltungen und Musikveranstaltungen im europäischen Ausland feststellen, zu denen auch Personen aus Bayern anreisen. In Bayern überwiegt die Zahl der Musikveranstaltungen, die in kleinem Kreis und privaten Rahmen oft konspirativ durchgeführt werden.

Ende August veranstalteten die fränkischen Stützpunkte der neonazistischen Kleinstpartei „Der Dritte Weg“ ein Sommerfest an einem Ort in Franken. Dabei soll auch ein Liedermacher aufgetreten sein. Weitere Veranstaltungen mit Bezug zur rechtsextremistischen Musikszene wurden im Jahr 2024 in Mittelfranken nicht festgestellt.

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Reichsbürger und Selbstverwalter

Szene

Das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz beobachtet die Reichsbürger- und Selbstverwalterszene als sicherheitsgefährdende Bestrebung. In kleinen Teilen der Szene finden sich auch ideologische Überschneidungen mit dem Rechtsextremismus; insbesondere dort, wo sich Versatzstücke nationalsozialistischer, antisemitischer und revisionistischer Denkmuster wiederfinden.

Zur Reichsbürger- und Selbstverwalterszene in Bayern zählen unter anderem folgende Gruppierungen:

Vaterländischer Hilfsdienst (VHD), Königreich Deutschland (KRD), seit 13. Mai 2025 verboten und Indigenes Volk der Germaniten (IVG).

Auch in Mittelfranken sind vereinzelt Aktivitäten dieser Gruppierungen bekannt geworden.

In Bayern liegen zu rund 5.395 Personen belastbare Hinweise bezüglich ihrer Zugehörigkeit zur Reichsbürger- und Selbstverwalterszene vor. In Mittelfranken beläuft sich die Zahl mit Stand 09/2025 auf 584 Personen.

In Bayern sind Angehörige der Szene in den Regierungsbezirken Unterfranken, Mittelfranken und Oberbayern überdurchschnittlich vertreten. Eine eindeutige Zuordnung von Angehörigen der Reichsbürger- und Selbstverwalterszene zur rechtsextremistischen Szene ist bislang nur in wenigen Fällen belegbar. Die Zahl der Reichsbürger in Bayern, die auch in rechtsextremistischen Zusammenhängen bekannt geworden sind, beläuft sich auf ca. 140 Personen.

Aktuelle Situation

Reichsbürger und Selbstverwalter
in Mittelfranken



Ideologie und Aktivitäten

Reichsbürger bewegen sich in einem für sie geschlossenen Weltbild. Der Glaube daran, dass deutsche Gesetze für sie keine Gültigkeit hätten, führt dazu, dass staatliche Maßnahmen als unrechtmäßig empfunden werden. Gewalttaten richten sich daher in aller Regel gegen staatliche Maßnahmen beziehungsweise gegen Vertreter des Staates. Solche Gewalttaten werden innerhalb der Szene in der Regel als Notwehr gegen den Staat gedeutet. Gewalttäter erfahren dementsprechend nach einschlägigen Vorfällen solidarisierenden Zuspruch. Bei Einzelpersonen, die ideologisch besonders gefestigt erscheinen, ist eine Häufung politisch motivierter Straftaten feststellbar, insbesondere Beleidigungs- und Nötigungsdelikte, in Einzelfällen auch Erpressungsdelikte. Darüber hinaus werden innerhalb der Szene regelmäßig reichsbürgertypische Musterschreiben verbreitet, die häufig als Reaktion auf Bußgeldbescheide an öffentliche Stellen adressiert werden. Diese erfüllen u. a. aufgrund der enthaltenen Schadensersatzforderungen die Straftatbestände der Erpressung, Nötigung und Bedrohung.

Im Jahr 2024 konzentrierten sich die Aktivitäten der Szene vor allem auf die Durchführung von Seminar- und Vortragsveranstaltungen sowie auf gemeinschaftliche Aktivitäten mit dem Ziel, die eigene Ideologie zu verbreiten und die Vernetzung innerhalb der Szene voranzutreiben. In den Vorträgen und Seminaren geht es u.a. um reichsbürgertypische Problemstellungen, z. B. die Frage, welche Möglichkeiten bestehen, die eigenen Kinder dem staatlichen Schulsystem zu entziehen. Bereits in der Vergangenheit hatten Szeneangehörige damit begonnen, vereinzelt sog. „alternative Schulen“ zu gründen.

Waffenaffinität

Auch zeigt eine Vielzahl von Sachverhalten die hohe Waffenaffinität bei Angehörigen der Reichsbürger- und Selbstverwalterszene. Sie besitzen zum einen häufig erlaubnisfreie Waffen, die sie zur vermeintlichen Selbstverteidigung und zur Durchsetzung ihrer Ziele einsetzen könnten. Zum anderen werden oft nicht nur legale, (noch) im Besitz befindliche Waffen festgestellt, sondern auch illegale Waffen bis hin zu ganzen Waffenarsenalen. Daher ist es erforderlich, den Waffenbesitz innerhalb der Szene weiterhin konsequent aufzudecken und zu unterbinden, aber auch den Besitz erlaubnisfreier Waffen im Blick zu behalten. Zur Eindämmung des Gefährdungspotenzials durch den Waffenbesitz von Reichsbürgern werden regelmäßig und systematisch waffenrechtliche Erlaubnisse überprüft und, wo möglich, entzogen. Jede waffenrechtliche Erlaubnis setzt eine waffenrechtliche Zuverlässigkeit voraus. Diese ist bei Angehörigen der Reichsbürger- und Selbstverwalterszene aber regelmäßig zu verneinen, da die Nichtanerkennung des Staates und seiner Gesetze ein Kernbestandteil der Ideologie ist.

Straftaten

Straftaten von Angehörigen der Reichsbürger- und Selbstverwalterszene werden seit dem Jahr 2017 gesondert erfasst.

In 2024 wurden insgesamt 107 (Vorjahr: 306) extremistische Straftaten gezählt, darunter 26 politisch motivierte Gewaltdelikte (Vorjahr: 73). Den Schwerpunkt bei den politisch motivierten Gewaltdelikten bildeten mit 22 Taten erneut die Erpressungsdelikte (Vorjahr: 59). Die Zahl der Widerstandsdelikte sank von sieben auf zwei Taten. Mit 55 Taten (Vorjahr: 146) stellten Nötigungs- und Bedrohungsdelikte erneut den Schwerpunkt der sonstigen 81 Straftaten dar (Vorjahr: 233). Einzelne Personen sind u. a. wegen Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole, Volksverhetzung sowie verfassungsfeindlicher Verunglimpfung von Staatsorganen aufgefallen.

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Verfassungsschutz­­relevante Delegitimierung des Staates

Bestrebungen, die basierend auf einem von Verschwörungstheorien geprägten Staats- und Elitenhass in demokratiefeindlicher Weise darauf abzielen, wesentliche Verfassungsgrundsätze außer Geltung zu setzen oder die Funktionsfähigkeit des Staates erheblich zu beeinträchtigen, ohne dabei die Wesensmerkmale extremistischer Bestrebungen eines anderen Phänomenbereichs, wie etwa des Rechtsextremismus, aufzuweisen, werden dem Phänomenbereich der verfassungsschutzrelevanten Delegitimierung des Staates zugerechnet. Hierzu zählen auch Bestrebungen, die sich durch eine agitatorische Verächtlichmachung des Staates gegen das Demokratieprinzip richten, die durch ihre Demokratiefeindlichkeit angetrieben zu extremistisch motivierten Straf- und Gewalttaten aufrufen oder sich unter Verkennung der Art. 20 Abs. 4 Grundgesetz zugrundeliegenden Voraussetzungen auf ein vermeintliches Widerstandsrecht berufen und sich dabei gegen das Rechtsstaatsprinzip stellen.

Das Personenpotenzial im Phänomenbereich verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staates liegt in Bayern derzeit im mittleren zweistelligen Bereich.

Personen, die in ihrem Aktivismus gegen die staatlichen Corona-Schutzmaßnahmen nachdrücklich verfassungsfeindliche Ziele verfolgt haben, führten diesen Aktivismus in den meisten Fällen auch im Jahr 2023 fort. Angetrieben durch den Glauben an diffuse Verschwörungstheorien versuchen sie auch in ihrem Umfeld einen Vertrauensverlust in den demokratischen Verfassungsstaat und dessen Repräsentanten herbeizuführen.

Mit dem Rückgang der realweltlichen Veranstaltungen und Aktivitäten der in ihrer Gesamtheit nicht extremistischen Corona-Protestszene verlagerte sich die Agitation der Delegitimiererszene 2023 zunehmend in den virtuellen Raum. Dieser wurde mit seinen Echokammern und der Möglichkeit sich zu vernetzen für Viele zu einem Rückzugsort. Innerhalb der zumeist themen- oder anlassgebundenen Kanäle und Gruppen treffen Angehörige des Phänomenbereiches auch auf Personen, die zuvor noch nicht mit verfassungsschutzrelevanten Bestrebungen in Kontakt gekommen sind. So werden Hass, Hetze und Gewaltfantasien innerhalb der sozialen Medien verbreitet und können somit bei den jeweiligen Chatteilnehmern ein Klima der Unzufriedenheit und Angst erzeugen. Nicht selten kommt es dabei, angeheizt durch unmoderierte Chatverläufe, zu Radikalisierungsverläufen.

Aussagen von Szeneangehörigen richten sich zum Teil auch gegen die körperliche Unversehrtheit von Politikerinnen und Politikern. In zahlreichen Fällen wurde öffentlich konkret dazu aufgerufen, Straftaten zu begehen.

Es lassen sich in Bayern – und damit auch in Mittelfranken – derzeit keine festen Strukturen ausmachen. Feststellbar sind Vernetzungsbestrebungen vor allem im virtuellen Raum, dort überwiegend auf Kommunikationsplattformen wie Telegram.

Linksextremismus

Die Bayerische Polizei zur aktuellen Lage

Straftaten der Politisch motivierten Kriminalität

Sicherheitsbericht des Polizeipräsidium Mittelfranken zur Politisch motivierten Kriminalität (PMK)

Anmerkung zu „Politisch motivierte Kriminalität“ (PMK): Als PMK werden alle Straftaten bezeichnet und erfasst, die einen oder mehrere Straftatbestände der sogenannten klassischen Staatsschutzdelikte erfüllen, selbst wenn im Einzelfall eine politische Motivation nicht festgestellt werden kann. Bei Straftaten, die auch in der Allgemeinkriminalität begangen werden können, erfolgt eine Würdigung der Gesamtumstände (siehe Bericht des Bundesamts für Verfassungsschutz 2024, Seite 24).

Sicherheitsbericht 2024 – Polizeipräsidium Mittelfranken

Im Bereich des Polizeipräsidiums Mittelfranken konnten zur Politisch motivierten Kriminalität (PMK) -links- insgesamt 116 Straftaten und somit 86 weniger als im Vorjahreszeitraum verzeichnet werden. Zwei Straftaten waren Gewaltstraftaten zuzuordnen.

Grafik zur Politisch motivierten Kriminalität -links- für das Jahr 2024 des PP Mittelfranken
© PP Mittelfranken

An weiteren Infos interessiert? Der Gesamtbericht des Polizeipräsidiums Mittelfranken 2024 kann hier nachgelesen werden.

Linksextremistische Szene in Mittelfranken

Ziel der linksextremistischen Szene ist es, die durch das Grundgesetz vorgegebene Staats- und Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland zu beseitigen und – je nach ideologisch-politischer Orientierung – durch eine sozialistische, kommunistische oder eine „herrschaftsfreie“ Gesellschaft zu ersetzen. Die linksextremistischen Vorstellungen richten sich insbesondere gegen durch das Grundgesetz garantierte Grundrechte, die parlamentarische Demokratie, die Gewaltenteilung, die Volkssouveränität, das Rechtsstaatsprinzip und den Pluralismus.

Die freiheitliche demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland wird als „kapitalistisches System“ und als Wurzel des Faschismus diffamiert und soll abgeschafft werden. In der linksextremistischen Szene bilden Autonome den weitaus größten Teil des gewaltbereiten Personenpotenzials.

Autonome haben zwar keine einheitliche Ideologie, Ziel aller Autonomen ist es aber, den Staat und seine Einrichtungen zu zerschlagen. Neben Sachbeschädigungen wenden Autonome auch Gewalt gegen Personen – vor allem gegen tatsächliche oder vermeintliche Angehörige der rechtsextremistischen Szene und Polizeikräfte – an, um ihre Vorstellungen durchzusetzen. Die Szene besetzt dabei auch Themen, die an sich nicht extremistisch sind. Ihr Ziel ist es dabei aber in erster Linie, ihre linksextremistischen politischen Positionen zu verbreiten. Hierzu werden vor allem aktuelle, gesellschaftlich relevante Themen wie Klima- und Umweltschutz oder Migration aufgegriffen. Aus ihrem antiimperialistischen Weltbild entwickelt sich bei Angehörigen der linksextremistischen Szene häufig auch ein Antizionismus – die Ablehnung des Staates Israel und dessen Innen- und Außenpolitik.

So werden seit Beginn des Russland-Ukraine-Kriegs die politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen auf Deutschland thematisiert und der Kontakt zu bürgerlich-demokratischen Organisationen gesucht, um die Akzeptanz der eigenen antidemokratischen Standpunkte zu erhöhen.

Die derzeit existierenden linksextremistischen Gruppen bilden daher zu einer Vielzahl von Themen (z. B. Antifaschismus, Klima, Feminismus, Flüchtlingshilfe) Untergruppierungen, die sich in den sozialen Medien präsentieren und für ihre jeweiligen Anliegen werben. Vordergründig handelt es sich dabei um unabhängig voneinander agierende Gruppen, die aber im Hintergrund von einem kleinen linksextremistischen Aktivistenstamm bzw. entsprechenden Kerngruppen angeleitet werden.

Aktuell zeichnet sich die linksextremistische autonome Szene durch folgende Aspekte aus:

  • unverbindliche Strukturen mit niedrigschwelligen Angeboten
  • geringer ideologischer Anspruch
  • Fokussierung auf spezifische Themenfelder
  • kurzfristige Bildung neuer Gruppen
  • kleinteilige Gruppen mit häufig wechselnden Personen
  • informelle Hierarchien gepaart mit der Möglichkeit für neue Interessierte, sich schnell einzubringen
  • Aktions- und Erlebnisorientierung
  • starke Präsenz in den sozialen Medien
  • Vernetzung mit anderen gleichgesinnten Gruppen

Aktuell engagieren sich auch einige lokale linksextremistische Gruppen in Bayern verstärkt im Bereich Klima- und Umweltschutz. Bei der linksextremistischen Klimaschutzkampagne „Ende Gelände“ nehmen Szeneangehörige eine tragende Rolle ein.

In Bayern unterhält das linksextremistische Klimabündnis „Ende Gelände“ Ortsgruppen in Augsburg, Erlangen, München, Nürnberg, Regensburg und Würzburg. Derzeit positioniert sich „Ende Gelände“ thematisch breiter und eindeutig linksextremistischer im Bündnis „Disrupt“, einem Zusammenschluss von linksextremistischen Gruppierungen mit umweltpolitischer Agenda sowie postautonomen Gruppen wie z. B. die „Interventionistische Linke“. Neben Klima- und Umweltthemen werden dort klassische linksextremistische Fragestellungen behandelt.

Angehörige der linksextremistischen Szene verüben immer häufiger konspirativ geplante Straftaten wie Brandanschläge, zu denen im Nachgang auf einschlägigen Internetportalen anonyme Selbstbezichtigungsschreiben veröffentlich werden. Anschlagsziele sind vor allem Unternehmen der Rüstungsindustrie und die Deutsche Bahn AG, die ihm Rahmen linksextremistischer „Anti-Militarismus“-Kampagnen im Fokus gewaltbereiter Szeneakteure stehen.

Linksextremistische Agitation und Übergriffe richten sich vermehrt auch gegen Einzelpersonen, die z. B. aufgrund von Äußerungen, Berufszugehörigkeit oder der Teilnahme an einer Veranstaltung gezielt angegriffen werden. Auch Presseangehörige stehen im Fokus linksextremistischer Gewalttäter, ebenso wie Personen, die sich von der Szene losgesagt haben.

Auch in Mittelfranken sind Aktivitäten der linksextremistischen Szene festzustellen.

In Nürnberg ist vor allem die Organisierte Autonomie (OA) aktiv.

In Bayern bestehen Ortsgruppen der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) in Kempten, Landshut, München, Neumarkt in der Oberpfalz, Regensburg und auch in Nürnberg.

In Nürnberg, Ingolstadt, München und Regensburg fällt der „Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD“ (AB) in der Öffentlichkeit gelegentlich durch seine Demonstrationen mit historischen Fahrzeugen auf. Über Informationsveranstaltungen und Kundgebungen in unmittelbarer Nähe zu Industriebetrieben versucht die Organisation, mit der Belegschaft in Kontakt zu kommen. So demonstrierten Angehörige des AB im September 2024 vor Industriebetrieben und Schulen in Dingolfing, München, Nürnberg und Regensburg.

Ortsgruppen der „Freie Deutsche Jugend“ (FDJ) sind in Ingolstadt, München, Regensburg und auch in Nürnberg bekannt. Ausgehend von diesem orthodox-kommunistischen Personenkreis sind auch vermehrt Aktivitäten in Bayern feststellbar.

Am 2. März 2024 riefen in Nürnberg verschiedene, darunter auch linksextremistische Gruppierungen, zur „Get organized“-Demonstration auf. Unter den Gruppierungen befanden sich die linksextremistische „Interventionistische Linke“, die Organisierte Autonomie“, deren Jugendgruppe „Revolutionäre Zukunft Nürnberg“ sowie das „Antifaschistische Aktionsbündnis Nürnberg“. Die linksextremistischen Gruppierungen waren an der Demonstration mit eigenen Fahnen, Transparenten und teilweise auch Rednern vertreten.

Aktuell sieht sich in Nürnberg die linksextremistische Szene durch die dortigen Aktivitäten und montäglichen Demonstrationen der rechtsextremistischen Gruppierung „Team Menschenrechte Nürnberg“ (TMN) herausgefordert. Wiederholt begleitete die Szene im ersten Halbjahr 2025 die TMN-Demonstrationen und versucht, mit Kampagnen gegen die Stadt Nürnberg, die Genehmigung von TMN-Demonstrationen zu unterbinden.

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Situation vor Ort

Aktuelle Ereignisse und Szene-Aktivitäten in Ihrem Regierungsbezirk

Hier finden Sie Informationen zu Akteuren und Aktivitäten aus allen extremistischen Phänomenbereichen in Ihrem Regierungsbezirk.

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