Linksextremistische Szene
Die linksextremistische Szene umfasst verschiedene Parteien und Vereinigungen sowie unterschiedliche Strömungen wie Autonome, Postautonome und Anarchisten. Ihr Ziel ist es, die durch das Grundgesetz vorgegebene Staats- und Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland zu beseitigen.

Personenpotenzial
Das linksextremistische Personenpotenzial in Bayern belief sich Ende 2025 auf insgesamt rund 3.200 Personen (2024: 3.100). Darunter waren rund 900 gewaltorientierte Personen (2024: 920).
| 2023 | 2024 | 2025 | |
|---|---|---|---|
| Parteien und Vereinigungen | |||
| Partei DIE LINKE, offen extremistische Strukturen | 800 | 700 | 900 |
| Deutsche Kommunistische Partei (DKP) | 250 | 220 | 200 |
| Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (mit Jugendorganisation REBELL) | 120 | 110 | 110 |
| Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) | 110 | 110 | 110 |
| Rote Hilfe | 1.150 | 1.200 | 1.200 |
| Sonstige Gruppierungen | 360 | 140 | 200 |
| Autonome/Anarchisten | 800 | 870 | 820 |
| Summe | 3.590 | 3.350 | 3.540 |
| Mehrfachzählungen1 | 330 | 250 | 340 |
| Gesamtzahl | 3.260 | 3.100 | 3.200 |
| Gewaltorientierte Personen von der Gesamtzahl2 | 840 | 920 | 900 |
Die Zahlen sind geschätzt und gerundet.
1 Die Mehrfachmitgliedschaften im Bereich Parteien und sonstige Zusammenschlüsse werden vom Gesamtpotenzial abgezogen.
2 Dazu zählen gewalttätige, gewaltbereite, Gewalt unterstützende und Gewalt befürwortende Personen.
Quelle: Verfassungsschutzbericht Bayern 2025
Parteien und Vereinigungen in Bayern

© Screenshot antifa-nt.de, gesichert 08.07.2024
Antifa-NT
Postautonomen-Gruppierung in München mit Fokus auf das linksextremistische Aktionsfeld Antifaschismus.

© Screenshot asmuc.noblogs.org, gesichert 05.07.2024
Antifa-Stammtisch München
Zusammenschluss von Münchner Autonomen.

© Screenshot almuc.noblogs.org, gesichert 08.07.2024
Antikapitalistische Linke München (AL-M)
Revolutionär-kommunistische Gruppierung von Postautonomen in München.

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Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD (AB)
Revolutionär-marxistische Organisation aus München, welche die Neugründung der 1956 verbotenen Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) anstrebt.

© Screenshot Facebook antifarosenheim, gesichert 08.07.2024
Autonome Szene Rosenheim
Linksextremistische, autonome Szene rund um die Gruppierung Offenes antifaschistisches Plenum Rosenheim (OAPR) und den Treffpunkt „Z – linkes Zentrum in Selbstverwaltung“ im oberbayerischen Rosenheim.

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Deutsche Kommunistische Partei (DKP)
Nachfolgepartei der 1956 verbotenen Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD).

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DIE LINKE.Sozialistisch-demokratischer Studierendenverband (DIE LINKE.SDS) Landesverband Bayern
Offen extremistische Studentenorganisation der Partei DIE LINKE.

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Ende Gelände (EG)
Bundesweit mit Klimaschutzprotesten aktive, postautonom geprägte Gruppierung.

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Freie Deutsche Jugend (FDJ)
Bundesweit aktive, orthodox-kommunistische Organisation in Tradition der DDR, des Stalinismus und der Sowjetunion.

© Screenshot akmmuc.noblogs.org, gesichert 05.07.2024
In Aktion gegen Krieg und Militarisierung (AKM)
Zusammenschluss von Münchner Autonomen im Aktionsfeld Antimilitarismus.

© Wikimedia Commons
Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD)
Anfang der 1980er Jahre gegründete kommunistische Kaderpartei.
Autonome und Postautonome
Autonome sind überwiegend junge, gewaltorientierte Angehörige der linksextremistischen Szene. Sie bilden den weitaus größten Teil des gewaltorientierten linksextremistischen Personenpotenzials. Da Autonome feste Strukturen ablehnen, ist eine klare Zuordnung von Einzelpersonen zur autonomen Szene nicht immer möglich. Autonome Gruppen agieren bevorzugt in losen und unverbindlichen Zusammenschlüssen. Sie verfügen häufig über einen kleinen Mitgliederstamm, darüber hinaus hängt die Zahl der zugehörigen Personen stark von aktuellen Themen und Aktionsfeldern ab. So ist es möglich, dass bei Veranstaltungen und Aktionen die Teilnehmerzahl das Mitgliederpotenzial der initiierenden Gruppe übersteigt.
Autonome haben kein einheitliches ideologisches Konzept, sie folgen vielmehr anarchistischen und anarcho-kommunistischen Vorstellungen. Einig sind sich alle Autonomen in dem Ziel, den Staat und seine Einrichtungen – auch mit Gewalt – zu zerschlagen und eine „herrschaftsfreie Gesellschaft“ zu errichten. Sie rechtfertigen Gewalt als erforderliches Mittel gegen die „strukturelle Gewalt“ eines „Systems von Zwang, Ausbeutung und Unterdrückung“. Gewalttätige Handlungen verstehen sie als Akt individueller Selbstbefreiung von den Herrschaftsstrukturen. Dazu gehören Brandstiftungen, Sabotage, Hausbesetzungen und militante Aktionen bei Demonstrationen. Autonome versuchen, auch demokratische Protestbewegungen für ihren Kampf gegen den Staat zu mobilisieren.
Quelle: Verfassungsschutzbericht Bayern 2025
In der autonomen Szene wird seit Längerem eine Organisations- und Militanzdebatte geführt. Seit Beginn der 1990er Jahre wuchs die interne Kritik, die autonome Bewegung sei zu unorganisiert, um nachhaltig politische Veränderungen bewirken zu können. Im Zentrum der Debatte steht dabei die Frage, wie eine breitere gesellschaftliche Akzeptanz für die eigenen autonomen Positionen erreicht werden kann.
Infolgedessen sind mehrere sog. „postautonome“ Gruppierungen und Netzwerke entstanden, die die gesellschaftliche Isolation der Autonomen durchbrechen wollen. In der Vergangenheitwirkte in der Szene besonders prägend die „Interventionistische Linke“ (IL). Sie war erstmals im Jahr 1999 bei den Protestengegen die EU-Ratstagung und den Weltwirtschaftsgipfel in Köln aktiv und gründete sich 2005 als informelles, bundesweit agierendes Netzwerk. Sie verfolgt den strategischen Ansatz einer spektrenübergreifenden Mobilisierung unter ihrer Führung. Dabei versucht sie, alle linksextremistischen Strömungen – bis hin zu militanten Autonomen – zu integrieren.
Mittlerweile scheinen ihre Präsenz und ihr Einfluss jedoch rückläufig zu sein. Postautonome versuchen, ein Scharnier zwischen gewaltbereiten Szeneangehörigen und gemäßigten Kräften – zuletzt auch verstärkt im Umfeld zivilgesellschaftlicher Initiativen – zu bilden.
Die Vorsilbe „Post“ steht für die Infragestellung einiger grundlegender Merkmale, aber nicht für einen vollständigen Bruch mitdem gewaltorientierten autonomen Politikansatz.
Um zwischen linksextremistischen und demokratischen Akteuren zu vermitteln, bedienen sich die Postautonomen u. a. des Begriffes des „zivilen Ungehorsams“. Der Begriff bezeichnet ein strategisches Protestkonzept, das einen moralisch oder politisch begründeten, bewussten Verstoß gegen staatliche Regulierungsmaßnahmen, z. B. Gesetze, umfasst. Aktions- bzw. Protestformen des zivilen Ungehorsams, wie Sitzblockaden, Streiks oder Protestcamps, verlaufen in der Regel gewaltfrei. Der Begriff „ziviler Ungehorsam“ wird in seiner linksextremistischen Auslegung inzwischen mitunter auch von bürgerlichen Klimaschutzinitiativen übernommen und genutzt.
Vordergründig beteiligen sich Postautonome nicht an gewalttätigen Ausschreitungen, allerdings distanzieren sie sich auch nichteindeutig vom Einsatz von Gewalt zur Durchsetzung politischerZiele. Vereinbarungen über die zulässigen Formen des Protestes sind dabei oft reine Formelkompromisse, die der Auslegungbreiten Raum lassen. Gewalttätige Eskalationen sind Teil dereigenen Planung und werden mit kalkuliertem Risiko bewussteingesetzt.
Postautonome engagieren sich z. B. in Mieter und Stadtteilinitiativen, in der Flüchtlingshilfe, in Klimaschutzinitiativen sowie in der Antiglobalisierungsbewegung. 2025 waren Aktivitäten solcher Gruppierungen auch verstärkt im Umfeld zivilgesellschaftlicher Umweltinitiativen feststellbar. Innerhalb dieser breit angelegten Bündnisse versuchen die Postautonomen, ihren ideologischen Schwerpunkt „Antikapitalismus“ mit anderen Themen zu verbinden und ihre verfassungsfeindlichen Ziele in bürgerliche Initiativen und damit in die Mitte der Gesellschaft zu transportieren. Langfristig soll die linksextremistische Ideologie so in einemdemokratischen Protestmilieu verankert werden und dort Radikalisierungsprozesse in Gang setzen.
Quelle: Verfassungsschutzbericht Bayern 2025
Anarchisten
Anarchismus ist eine Sammelbezeichnung für politische Auffassungen und Bestrebungen, die auf die Abschaffung jeglicher Herrschaft von Menschen über Menschen abzielen. Allen anarchistischen Strömungen ist die Forderung gemein, den Staat als Herrschaftsinstitution abzuschaffen – und zwar unabhängig von einer demokratischen oder diktatorischen Ausrichtung. Häufig schließt eine solche Auffassung einen grundsätzlichen „Antiinstitutionalismus“ ein. Der Anarchismus begreift Bürokratien, Kirchen, Parteien, Parlamente und Vereine als Einrichtungen, die einem freiwilligen Zusammenschluss von emanzipierten und mündigen Menschen entgegenstehen. Dem Anarchismus zugehörige Personen lehnen Hierarchien und Unterordnung grundsätzlich ab. Deshalb weisen sie in der Regel einen nur geringen Organisationsgrad auf und bilden lediglich lose strukturierte Gruppierungen.
Anarchisten bevorzugen stattdessen spontane Aktionen von kleineren Gruppen oder Einzelpersonen. Zu diesen zählt auch die „Direkte Aktion“. Hierunter sind Aktionen zu verstehen, die für sich selbst sprechen und somit eine unmittelbare Wirkung entfalten. Dabei kann es sich um Sachbeschädigungen oder das Besetzen von leerstehenden Gebäuden handeln. Aber auch gewalttätige Aktionen, wie die Brandstiftung an Fahrzeugen sowie Sabotageaktionen auf Infrastruktureinrichtungen, zählen hierzu. Gewalt als Mittel der Revolution ist auch im Anarchismus ein viel diskutiertes Thema. Sie wird jedoch von der Mehrzahl der Aktivisten als legitimes Mittel akzeptiert.

Wie eine Gesellschaft „nach“ der Revolution aussehen kann, ist auch in der anarchistischen Szene umstritten. Der anarchistische Idealzustand, eine Gesellschaft auf Basis von Selbstverwaltung und freien Übereinkünften, führt in letzter Konsequenz jedoch unweigerlich in ein System von Gewalt und Willkürherrschaft, in dem der Starke sich gegen den Schwachen durchsetzt und sich schlussendlich über diesen erhebt.
Anarchistische Ideen sind in der deutschen Gesellschaft nur schwer zu vermitteln. Um im politischen Diskurs wahrgenommen zu werden, haben sich Anarchisten europaweit gesellschaftspolitisch umstrittenen Themenfeldern zugewandt, wie z. B. Elektromobilität, Künstliche Intelligenz, Infrastruktur oder Klimaschutz.
Quelle: Verfassungsschutzbericht Bayern 2025
Militanz- und Gewaltpotenzial
Gewalt als „Lifestyle“
Innerhalb der linksextremistischen Szene ist der größte Teil des gewaltbereiten Personenpotenzials autonomen Gruppierungen zuzurechnen. Sie sind für die meisten linksextremistisch motivierten Gewalttaten verantwortlich, die v. a. bei Demonstrationen gegen den politischen Gegner verübt werden. Ziel dieser über wiegend jungen Akteure ist es, den Staat und seine Einrichtungen – auch mit Gewalt – zu zerschlagen und eine „herrschaftsfreie“ Gesellschaft zu errichten. Mit diffusen anarchistischen, kommunistischen und sozialrevolutionären Ideologiefragmenten schaffen sich Autonome einen vermeintlichen Legitimationsrahmen für ihre Militanz. Gewalttaten werden als notwendiges Mittel dar gestellt, um sich gegen die angebliche „strukturelle Gewalt“ des politischen Systems zu wehren. Viele Autonome erleben die Ausübung von Massenmilitanz als sinnstiftende Erfahrung. Gewalt wird zum Ausdruck eines Lebensgefühls. Formen und Ausmaß der Gewaltanwendung sind regelmäßig Gegenstand von Diskussionen in der autonomen Szene. Seit Längerem ist zudem auch in der anarchistischen Szene eine zunehmende Radikalisierung und Hinwendung zur Gewalt feststellbar, die sich insbesondere gegen die öffentliche Infrastruktur richtet.
Konspirativ geplante Straftaten
So verüben Angehörige der linksextremistischen Szene immer häufiger konspirativ geplante Straftaten wie Brandanschläge, zu denen im Nachgang auf einschlägigen Internetportalen anonyme Selbstbezichtigungsschreiben veröffentlicht werden. Anschlagsziele sind v. a. Unternehmen der Rüstungsindustrie und die Deutsche Bahn, die im Rahmen linksextremistischer „AntiMilitarismus“-Kampagnen im Fokus gewaltbereiter Szeneakteure stehen.

„Schwarzer Block“
Eine Möglichkeit, auf Demonstrationen Gewalt auszuüben, ist der sog. „Schwarze Block“, bei dem sich militante, zum Schutz vor polizeilicher Identifizierung häufig einheitlich schwarz gekleidete Personen oder Gruppierungen geplant zur situativen Anwendung von Gewalt zusammenschließen. Diese Form der Gewaltausübung tritt in Bayern nur noch vereinzelt im Rahmen herausgehobener Veranstaltungen in Erscheinung. Vielmehr versucht die linksextremistische Szene inzwischen durch entsprechende Verhaltensregeln eine größere Anschlussfähigkeit herzustellen. Ein Beispiel hierfür sind Aufrufe, sich im Rahmen von Veranstaltungen des ChristopherStreetDay (CSD) nicht schwarz zu kleiden, um nicht die Aufmerksamkeit der Sicherheitsbehörden auf sich zu ziehen.
Angehörige der linksextremistischen Szene sprechen Andersdenkenden die ihnen in gleichem Maße zustehenden Grundrechte ab, z. B. die Meinungs oder Versammlungsfreiheit. Als Konsequenz akzeptieren sie nicht, dass die Polizei auch bei Demonstrationen von politisch Andersdenkenden zur Gewährleistung des grundgesetzlich geschützten Versammlungsrechtes eingesetzt werden muss. So wird der Polizei insbesondere bei Veranstaltungen des rechten bis rechtsextremistischen Spektrums unterstellt, mit dessen Zielsetzungen zu sympathisieren. Den Ablauf ihrer Aktionen machen linksextremistische Aktivistinnen und Aktivisten v. a. von ihrem Kräfteverhältnis gegenüber der Polizei abhängig.
Von der – gegenüber der Öffentlichkeit auch nurmehr schwer vermittelbaren – Massenmilitanz verschiebt sich die Gewaltbereitschaft immer mehr ins Persönliche.
Aktivitäten gegen staatliche Repräsentanten, Unternehmen und Infrastruktur
Das Aggressionspotenzial der autonomen Szene ist seit Jahren anhaltend hoch. Autonome Linksextremisten suchen v. a. bei Demonstrationen, aber auch bei anderen Anlässen gewaltsame Auseinandersetzungen (konfrontative Gewalt).

Hauptziele Rüstungsunternehmen und Parteien
Der Fokus der Aktivitäten der linksextremistischen Szene lag 2025 insbesondere auf Unternehmen, die in der Rüstungsindustrie tätig sind, staatlichen Repräsentanten und politischen Parteien. So sehen sich beispielsweise Autonome befugt, im Rahmen ihres „antifaschistischen Kampfes“ gegen alle gesellschaftlichen oder politischen Gegner vorzugehen, die sie als „rechts“ verorten und denen sie Rassismus bzw. Faschismus unterstellen. Mit ihren mitunter auch gewalttätigen Aktionen versuchen sie, jegliche Aktivitäten und Veranstaltungen der von ihnen als rassistisch oder „rechts“ wahrgenommenen Parteien oder Gruppierungen zu stören bzw. zu verhindern. Besonders im Fokus linksextremistischer Aktivitäten steht dabei die Partei Alternative für Deutschland (AfD), die bereits seit Längerem von der linksextremistischen Szene als politischer Hauptfeind wahr genommen wird. Die Agitationen richteten sich allerdings auch gegen Parteien der politischen Mitte.
Angehörige der linksextremistischen Szene betrachten Polizeikräfte generell als Repräsentanten eines staatlichen „Repressionsorgans“. Sie versuchen zunehmend, die gesellschaftliche Akzeptanz der Polizei als staatliche Institution sowie der einzelnen Polizeikräfte, insbesondere bei der Ausübung polizeilicher Befugnisse, zu untergraben. Jegliche polizeilichen Kontrollen dienen ihnen als Vorwand, ihre „Freiräume“ auch gewaltsam zu verteidigen.
Sinkende Hemmschwelle
Die Hemmschwelle, auch schwere Straftaten zu begehen, ist deutlich gesunken. Zudem werden linksextremistische Straftaten auch gewalttätiger und persönlicher: Sie richten sich vermehrt gezielt gegen Personen, die von der Szene aufgrund ihrer politischen Ausrichtung oder auch ihres Berufes als „Feind“ identifiziert werden. Dies deutet auf eine größere Gewaltakzeptanz innerhalb der linksextremistischen Szene insgesamt hin und birgt die Gefahr, dass bislang gewahrte Grenzen überschritten werden.
Aufrufe zur Gewaltanwendung
Auf der linksextremistischen Internetplattform de.indymedia.org wird Gewalt gegen politische Gegner nicht nur als notwendig erachtet, sondern gezielt gefordert. So heißt es:
Der Text soll […] zu mehr Gewalt gegen Faschist*innen aufrufen. Wir sollten mehr trainieren damit wir Nazis wirklich angreifen können. […] Wir sollten auch weiterhin Räume der Rechten angreifen und unser Wissen dazu weitervermitteln.
Einschränkend heißt es weiter: „Wir sollten uns nur nicht mehr dazu hinreißen lassen gefesselte [sic!] Menschen gezielt Knochen zu brechen.“
„Hammer-Bande“
Hierbei beziehen sich die Autoren vermutlich auf Aktionen im März und Mai 2021 in Eilenburg (Sachsen) bzw. Erfurt (Thüringen), bei denen Mitglieder der „HammerBande“ um die verurteilte Linksextremistin Lina E. auf gefesselte, am Boden liegende Rechtsextremisten mit Hämmern einschlugen. Es kann davon ausgegangen werden, dass die hier geforderte Zurückhaltung lediglich der vermuteten negativen öffentlichen Wahrnehmung entsprechender Taten geschuldet ist.
Dass moralische Bedenken keine Rolle spielen, zeigt sich auch in der zunehmenden Verrohung der Sprache. Linksextremis tische Gruppierungen nutzen bei der Benennung vermeintlicher „Feinde“ häufig eine abwertende und entmenschlichende Diktion: Sie bezeichnen z. B. Polizeikräfte als „Bullen“ bzw. „Bullenschweine“ und verbreiten Parolen wie „ACAB – All Cops Are Bastards“ oder „ACAT – All Cops Are Targets“.
Solidarität mit RAF-Terroristin
2024 wurde das ehemalige mutmaßliche Mitglied der links terroristischen „Roten Armee Fraktion“ (RAF), Daniela Klette, verhaftet. Seither wurden mehrere Solidaritätsbekundungen für die Verhaftete und die beiden weiterhin untergetauchten mutmaßlichen ehemaligen RAFMitglieder, Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg, bekannt. Ein anonymes Tatbekenntnis auf de.indymedia.org zu einem Graffiti in München stellte allerdings angesichts seiner unverhohlenen Solidarisierung mit den Taten der RAF in der linksextremistischen Szene in Bayern ein Novum dar.
Wir rufen alle Linken und Revolutionär*innen auf, sich mit den Betroffenen der aktuellen Hetzjagd zu solidarisieren. Ohne Distanzierung oder Relativierung.
Der Text macht deutlich, dass die Autoren die Taten der RAF, bis hin zum Mord, vollumfänglich billigen bzw. begrüßen. Die dort getätigten Äußerungen belegen abermals die Akzeptanz und letztlich auch Befürwortung von Gewalt in Teilen der linksextremistischen Szene. In diesem Zusammenhang richtet sich linksextremistisch motivierte Gewalt nicht „nur gegen Sachen“, sondern explizit auch gegen Personen. Ebenso werden Mitarbeiter von Sicherheitsbehörden entmenschlicht, in dem diese als „Schweine“ bezeichnet werden. Insbesondere die Bezeichnung von Polizisten als „Schweine“ ist in diesem Kontext auf eine der bekanntesten Aussagen von Ulrike Meinhof, einem prominenten Gründungsmitglied der RAF, zurückzuführen. Diese Bezeichnung hat sich im Szenejargon etabliert.
Direkte Aktion
In den vergangenen Jahren kam es im Raum München zu zahlreichen Sachbeschädigungen, die in ihrer Zielauswahl und ihrer Vorgehensweise eine linksextremistische Motivation nahelegen: So wurden u. a. Baumaschinen und Kabelschächte in Brand gesetzt, sowie Fahrzeuge auf Liegenschaften der Münchner Polizei. Mittlerweile erfolgen Tatbekennungen aber nur noch selten. Vermutlich erachtet die Szene dies nicht mehr als zwingend erforderlich, wenn die Tat durch Zielauswahl und Begehungsweise bereits für sich spricht. In der Szene hat sich für diese Vorgehensweise der Begriff der „direkten Aktion“ etabliert. Taten, die sich in ihrem vermeintlichen Begründungszusammenhang auf gesellschaftliche Anliegen wie den Klimaschutz beziehen, verdecken dabei oftmals die ihnen zugrundeliegende linksextremistische Zielsetzung der Täter. So lassen sich beispielsweise Brandanschläge auf Kabelschächte der Deutschen Bahn AG schwerlich mit Protesten für Klimaschutz verbinden.
Ziele und Entgrenzung Iinksextremistischer Gewalt
Linksextremistische Agitation und Übergriffe richten sich vermehrt auch gegen Einzelpersonen, die z. B. aufgrund von Äußerungen, Berufszugehörigkeit oder der Teilnahme an einer Veranstaltung gezielt angegriffen werden. Auch Presseangehörige stehen im Fokus Iinksextremistischer Gewalttäter, ebenso wie Personen, die sich von der Szene losgesagt haben.
„Antifa-Ost“
Am 31. Mai 2023 verurteilte das Oberlandesgericht Dresden im „AntifaOst-Verfahren“ die Hauptangeklagte Lina E. sowie 3 mitangeklagte Männer u. a. wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung bzw. deren Unterstützung zu mehrjährigen Haftstrafen. Lina E. wurde zu 5 Jahren und 3 Monaten Haft verurteilt. Die 3 Mitangeklagten erhielten Freiheitsstrafen zwischen 2 Jahren und 5 Monaten und 3 Jahren und 3 Monaten. Das Urteil ist mittlerweile rechtskräftig.

„Budapest-Komplex“
Ziel der „Antifa Ost“ war es, Personen, die von ihr als rechtsextremistisch eingestuft wurden, anzugreifen, zu verletzen und einzuschüchtern. Dieses Vorgehen führte zu teilweise erheblichen Verletzungen bei den Opfern. Im Februar 2023 sollen mutmaßliche Mitglieder der „Antifa Ost“ in Budapest mehrere Personen, die sie für Rechtsextremisten hielten, mit Hämmern und Totschlägern angegriffen haben. Diese Geschehnisse werden als „BudapestKomplex“ bezeichnet.
Hintergrund des Angriffes war der sog. „Tag der Ehre“, an dem Angehörige der rechtsextremistischen Szene aus ganz Europa zusammenkommen, um an den Ausbruchsversuch von Verbänden der Wehrmacht und der WaffenSS aus dem belagerten Budapest zu erinnern.
Urteil gegen Hanna S.
Im Mai 2024 nahmen Kräfte der örtlichen Polizei die Linksextremistin Hanna S. in Nürnberg fest und durchsuchten ihre Wohnung. Hanna S. wurde neben der Beteiligung an den Überfällen in Budapest und Körperverletzung in 2 Fällen auch die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Seitdem befand sich Hanna S. in Untersuchungshaft. Am 26. September 2025 wurde Hanna S. durch das Oberlandesgericht München zu einer Haftstrafe von 5 Jahren verurteilt. Das Oberlandesgericht sprach Hanna S. in den Anklagepunkten der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und der gefährlichen Körperverletzung schuldig. Das Gericht sah ihre Beteiligung an mindestens 2 Überfällen auf tatsächliche oder vermeintliche Rechtsextremisten im Februar 2023 in Budapest als erwiesen an.
Solidaritätsaktionen
Seit ihrer Verhaftung veranstaltete die linksextremistische Szene über regional regelmäßig Solidaritätsdemonstrationen und kundgebungen zu ihrer Unterstützung. Dabei betonte die Szene immer wieder die Notwendigkeit antifaschistischen Handelns bis hin zu Militanz. Die linksextremistische Szene griff das Urteil gegen Hanna S. in verschiedenen Stellungnahmen, Solidaritätsaktionen und einer zentralen Demonstration am 27. September in Nürnberg auf. In den Stellungnahmen aus den Reihen der linksextremistischen Szene wird das Urteil als Angriff auf alle „Linken, Revolutionär:innen und Antifaschist:innen“ interpretiert. Bereits zur Urteilsverkündung demonstrierten etwa 110 Unterstützer für Hanna S. vor der Justizvollzugsanstalt Stadelheim in München, in der auch der Prozess gegen sie stattfand. An der zentralen Demonstration am darauffolgenden Tag in Nürnberg beteiligten sich etwa 1.200 Personen. Diese wurde von einem, durch Transparente abgegrenzten Block autonomer Linksextremisten angeführt.
Auslieferung nach Ungarn
Am 27. Juni 2024 ordnete das Kammergericht Berlin die Auslieferung der zum damaligen Zeitpunkt in der Justizvollzugsanstalt Dresden inhaftierten linksextremistischen Person mit der Selbstbezeichnung „Maja“ nach Ungarn an, die am 28. Juni vollzogen wurde. Maja T. wird ebenfalls der Beteiligung an den Überfällen in Budapest beschuldigt. Die Auslieferung führte zu einer Welle der Solidarisierung in der bundesdeutschen linksextremistischen Szene. Auch verschiedene bayerische linksextremistische Gruppierungen beteiligten sich mit Transparentaktionen und Demonstrationen an den Solidaritätsbekundungen. Überdies wurden die Solidaritätsaktionen der linksextremistischen Szene in Nürnberg für Hanna S. häufig um die Forderung „Free Maja“ erweitert. Die bayerische linksextremistische Szene beteiligte sich darüber hinaus an den mehrfachen bundesweiten Aktionstagen für Maja T. Anfang Juni trat Maja T. in einen 40-tägigen Hungerstreik und löste damit in der deutschen und bayerischen linksextremis tischen Szene eine breite Welle der Solidaritätsbekenntnisse aus. Neben den Solidaritätsbekundungen wurde auf verschiedenen linksextremistischen Webseiten und Profilen in den sozialen Medien eine Erklärung von Maja T. zu dem Hungerstreik veröffentlicht. Maja T. wurde am 4. Februar 2026 durch ein ungarisches Gericht zu 8 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt und sitzt weiterhin in Ungarn in Haft.
Das Urteil sorgte für Empörung in der linksextremistischen Szene. In der Folge kam es abermals zu bundesweiten Protesten und Aktionen. Daran beteiligte sich auch die bayerische linksextremistische Szene mit Demonstrationen und Solidaritätsaktionen.
Festnahme einer Führungsfigur der „Antifa-Ost“
Der im Zusammenhang mit dem „AntifaOstVerfahren“ und dem „Budapest-Komplex“ gesuchte Johann G. wurde am 8. November 2024 in einem Zug in der Nähe von Weimar festgenommen. Er wird als Führungsfigur der „AntifaOst“ wie auch des „Budapest-Komplexes“ angesehen. Seit September 2023 war mithilfe einer Öffentlichkeitsfahndung nach ihm gesucht worden. Der Prozess gegen Johann G. und 6 weitere Angeklagte wurde am 25. November 2025 vor dem Oberlandesgericht Dresden eröffnet. Es ist mit einer langen Verhandlungsdauer zu rechnen.
Am 2. Mai verfügte das Kammergericht Berlin Haftverschonung für Zaid A., der sich zu diesem Zeitpunkt als Beschuldigter im „BudapestKomplex“ in Auslieferungshaft befand. Zaid A. wurde unter Auflagen aus der Justizvollzugsanstalt Köln Ossendorf entlassen. Da bis zur Haftentlassung noch keine Anklage gegen Zaid A. erhoben war, liegt gegen ihn einzig der Haftbefehl der ungarischen Behörden vor. Nach seiner Haftentlassung reiste Zaid A. mit dem Zug nach Nürnberg, wo ihn am Bahnsteig u. a. Aktivisten mit den Sprechchören „Free Zaid“ und „Hoch die internationale Solidarität“ begrüßten. Kurz darauf tauchte Zaid A. unter, stellte sich jedoch nach kurzer Flucht den Behörden in Frankreich, offenkundig in der Hoffnung, dadurch einer Auslieferung nach Ungarn zu entgehen.
Die staatlichen Ermittlungen rund um den „Budapest-Komplex“ bewegen die antifaschistisch geprägte linksextremistische Szene in der gesamten Bundesrepublik nach wie vor. So gründete sich in der linksextremistischen Szene das „Budapest Antifascist Solidarity Commitee“ (BASC). Das Bündnis verfolgt das Ziel, die aus Sicht der Szene zu Unrecht verfolgten Aktivisten zu unterstützen. Seiner Webseite zufolge ist das Bündnis auch eine Reaktion auf einen empfundenen Rechtsruck der Gesellschaft, die staatlichen Repressionen gegen vermeintliche „Antifaschisten“ und die mediale Berichterstattung gegen Personen aus dem linken Spektrum. Die linksextremistische Szene betont bei vielen Gelegenheiten immer wieder ihre Solidarität mit den inhaftierten und untergetauchten Szenemitgliedern. So heißt es in einer vom „AntifaStammtisch München“ veröffentlichten Rede:
Klar ist zudem – auch der Kampf gegen den Faschismus ist vielfältig. Er reicht von Aufklärung, über direkten Protest, bis hin zu militanten Aktionen. Alle Mittel sind legitim und notwendig, solange sie wirksam sind! Wir grüßen deshalb alle Antifaschist:innen die im Knast sitzen und die untertauchen mussten. Viel Kraft und Mut an euch.
Die größte Sorge der Szene sind weitere Auslieferungen von inhaftierten Beschuldigten nach Ungarn. Nach Darstellung der Szene hätten sie aufgrund der dortigen politischen Umstände keine Chance auf ein gerechtes Verfahren. Die nicht überprüf baren Schilderungen von Maja T. über die Haftbedingungen nähren diese Ängste zusätzlich. Darüber hinaus drohen im Falle einer Verurteilung nach ungarischem Recht langjährige Haftstrafen.
Die Solidaritätsbekundungen für die Beschuldigten in den Verfahren im Zusammenhang mit dem „Budapest-Komplex“ belegen abermals, dass die Szene Personen, die sie als Gegner definiert, das Recht auf körperliche Unversehrtheit abspricht. Damit verdeutlichen sie die latent vorhandene Gewaltbereitschaft bzw. die Akzeptanz von Gewalt innerhalb der Szene. Demgegenüber werden die staatlichen Reaktionen auf Gewalt und Straftaten von Szeneaktivisten generell als überzogen und ungerechtfertigt dargestellt. Dies wiederum führt häufig zu einer breiten Solidarisierung mit den von staatlichen Maßnahmen Betroffenen.
Die Gesamtzahl linksextremistischer Straftaten in Bayern ist im Gegensatz zum Vorjahr in 2025 um rd. 136 % deutlich gestiegen. Während im Jahr 2024 insgesamt 272 Straftaten zu verzeichnen waren, wurden 2025 insgesamt 641 Straftaten gezählt. Nach wie vor stellen Sachbeschädigungen mit 372 Delikten den Groß teil der Straftaten dar. Auch die Zahl der linksextremistischen Gewalttaten in Bayern stieg 2025 um 350 % auf 72 Delikte. Damit stellen die linksextremis tischen Gewaltdelikte nun 51 % aller extremistischen Gewaltdelikte in Bayern dar. Im Bereich der Widerstandsdelikte ist mit 35 Straftaten in Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr mit 3 Straftaten ein deutlicher An stieg von 1.067 % festzustellen. Die Zahl der Brand und Sprengstoffdelikte sank mit 7 Delikten leicht im Vergleich zum Vorjahr (2024: 9). Wie in 2024 wurde die Mehrzahl dieser Delikte (6) im Großraum München begangen; in 2 Fällen handelte es sich um Angriffe auf die Infrastruktur.
Quelle: Verfassungsschutzbericht Bayern 2025






