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Situation in Schwaben

Hier finden Sie regelmäßig aktualisierte Informationen zur Situation vor Ort im Regierungsbezirk mit Blick auf Akteure und Aktivitäten der extremistischen Szenen des Rechtsextremismus, der Reichsbürger und Selbstverwalter, des Linksextremismus sowie der Verfassungsschutz­relevanten Delegitimierung des Staates.

Unter goldenem Schildhaupt, darin ein wachsender, rot bewehrter und golden nimbierter schwarzer Doppeladler, gespalten; vorne gespalten von Rot und Silber, hinten fünfmal schräglinks geteilt von Silber und Rot, überdeckt mit einem goldenen Pfahl.
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Aktuell in Schwaben

Besondere Ereignisse und Aktivitäten

Präventionsarbeit der BIGE an Schulen

Die Bayerische Informationsstelle gegen Extremismus (BIGE) führte bis zum 30. Juni 2026 32 Workshops für Schülerinnen und Schüler, sowie 10 Veranstaltungen für Lehrkräfte im Regierungsbezirk Schwaben durch. Diese Veranstaltungen finden sowohl anlassbezogen als auch anlassunabhängig statt.

Anlassbezogene Vorträge und Beratungen an Schulen erfolgen sowohl auf Anfragen von Seiten der Schulen als auch eigeninitiativ durch die BIGE, wenn diese Kenntnisse über Vorfälle mit Bezug zum Rechtsextremismus erhält. Beispielhaft zeigt sich dies durch: Zeigen des „Hitlergrußes“ oder Skandieren von „Heil Hitler“, Öffentliches Zeigen verbotener rechtsextremistischer Symbole wie zum Beispiel das Hakenkreuz, rechtsextremistische Schmierereien an Schulgebäuden oder am Mobiliar im Klassenzimmer, rassistische, herabwürdigende oder beleidigende Äußerungen gegenüber anderen Schülerinnen und Schülern oder auch Lehrkräften oder durch bekannt werden von Aktivitäten von als extremistisch eingestuften Gruppierungen oder Einzelpersonen an Schulen oder Bildungseinrichtungen.

Auch im digitalen Bereich finden derartige Aktionen zum Beispiel in Form von Postings in Klassenchats (Darstellung Adolf Hitlers, verbotener Symbole wie des Hakenkreuzes oder antisemitische Darstellungen) oder auf Social Media statt. Auch gewaltverherrlichende Posts sind zu verzeichnen.

Die BIGE steht hierbei auch in engem Kontakt sowohl mit den jeweiligen Jugendbeamten der Polizei und den Kriminalpolizeiinspektionen als auch den jeweiligen Regionalbeauftragten für Demokratie und Toleranz.

Mai 2026 – Linksextremistischer Aktivismus zum 1. Mai

Wie jedes Jahr nutzten Linksextremisten in Bayern traditionell den Kampftag der Arbeiter am 1. Mai, um für ihre Belange auf die Straße zu gehen. Dabei beteiligten sie sich entweder an größeren, meist gewerkschaftlich organisierten Demonstrationen oder führten eigene, meist als revolutionär bezeichnete, Demonstrationen durch. Ein derartiges Protestgeschehen unter linksextremistischer Beteiligung war in ganz Bayern zu beobachten. Dabei stachen die bayerischen Ballungsräume München und Nürnberg heraus. Doch auch in anderen bayerischen Städten, wie z. B. in Augsburg, Regensburg, Erlangen und Rosenheim war die linksextremistische Szene aktiv. In Erlangen, München, Passau und Rosenheim fanden am 30. April zudem sogenannte Vorabenddemonstrationen statt.

An der Revolutionären 1. Mai Demonstration in Augsburg nahmen etwa 800 Personen teil. Thematisch drehte sich die Demonstration um Krieg, Sozialabbau und Militarisierung. Auf der Demonstration waren etwa Transparente mit der Aufschrift „Revolutionen beenden Kriege – Der Frieden ist Rot“ sowie „Sozialismus erkämpfen – Sozialabbau stoppen – Kriege beenden“ zu sehen. Nach der Demonstration führte die lokale Szene noch ein „libertäres“ Fest in Augsburg durch.

Die Entwicklung der Teilnehmerzahlen an den linksextremistischen Demonstrationen verlief unterschiedlich. So stieg sie in Nürnberg im Vergleich zum Vorjahr von 2.900 auf 4.000 und in München sank sie von 2.400 auf 2.000 Teilnehmende.

Die 1. Mai-Kundgebungen im Rahmen des sogenannten „Arbeiterkampftages“ haben auch bei den rechtsextremistischen Parteien und Organisationen Tradition. In diesem Jahr lagen jedoch sämtliche Veranstaltungsörtlichkeiten außerhalb Bayerns.

Januar 2026 – Verhinderung eines rechtsextremistischen Konzerts in Memmingen

Für den 24. Januar plante die rechtsextremistische Gruppierung „Voice of Anger (VoA) in einem bekannten Szenetreff in Memmingen eine rechtsextremistische Musikveranstaltung. Durch die Stadt Memmingen wurde die Veranstaltung untersagt.

Entgegen der Erklärungen von Angehörigen der Gruppierung gegenüber der Polizei, dass eine interne Geburtstagsfeier geplant sei, bestätigte ein anreisendes Bandmitglied in einer Vorkontrolle, dass es sich um ein rechtsextremistisches Konzert handle. Geplant waren Auftritte der rechtsextremistischen Bands „Endstufe“ und „Sturmtrupp“.

Im weiteren Verlauf hat die Polizei die Veranstaltung auf Grundlage der Allgemeinverfügung der Stadt Memmingen unterbunden und Platzverweise erteilt. Im Nachgang gab es keine weiteren Aktivitäten.

Bei den Gruppierungen „Endstufe“ und „Sturmtrupp“ handelt es sich um rechtsextremistische Bands aus Bremen und Bayern. Die Band Sturmtrupp stammt aus Mittelfranken und gründete sich 1987. Ab 1992 veröffentlichte die Band mehrere Tonträger, die oft volksverhetzende und gewaltdarstellerische Inhalte enthalten. Ein Tonträger wurde von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM, mittlerweile BzKJ) indiziert. Nach einer Auflösung 2002 formierte sich die Band sechs Jahre später wieder neu.

„Voice of Anger“ wurde im Jahr 2002 in Memmingen als Skinheadvereinigung von überwiegend jüngeren Skinheads gegründet. Sie ist subkulturell-neonazistisch orientiert. Die Gruppierung ist überregional und international umfassend vernetzt.

Seit Jahren organisiert VoA immer wieder eigene Musikveranstaltungen. Die Gruppierung ist derzeit eine der wenigen noch überregional aktiven Skinheadkameradschaften. Entgegen der sonst rückläufigen Entwicklung der subkulturell geprägten Skinheadszene konnte VoA ihren Mitgliederbestand konstant halten und stellt somit die größte Skinheadgruppierung in Bayern dar. 

November 2025 – Aktionen der Identitären Bewegung (IB) bei den Oberbürgermeistern von München und Augsburg

Die IB versucht häufig mit unangekündigten Aktionen öffentlichkeitswirksam in Erscheinung zu treten. Die nachfolgend geschilderten Aktionen in München und Augsburg stellen typische Beispiele für das Vorgehen der IB dar. Es wurde in beiden Fällen versucht, mit relativ geringem personellem und ressourcenmäßigem Einsatz Aufmerksamkeit zu erzeugen, indem man an bekannte Persönlichkeiten aus der Politik herantrat und dabei versucht hat, diese lächerlich zu machen und sich über die Veröffentlichung von Beiträgen zu den Aktionen in den sozialen Medien zu inszenieren.

Bürgersprechstunde des Münchner Oberbürgermeisters 

Auf dem Telegram-Kanal der „Lederhosen Revolte“, einer Untergruppierung der IB in Bayern, ist am 23. November ein kurzes Video veröffentlicht worden, das Aktivisten der IB beim Besuch der Bürgersprechstunde des Münchner Oberbürgermeisters am 21. November zeigt. Die Aktivisten ergriffen bei der Veranstaltung das Wort und verliehen dem Oberbürgermeister im Rahmen einer inszenierten Preisverleihung eine Urkunde. Aus dem Zusammenschnitt der Übergabe im veröffentlichten Video wird der angebliche Preis – in Anspielung auf die sogenannte „Hammer-Bande“ – als „Goldener Hammer“ bezeichnet. Die Aktivisten führen dazu aus, der Preis gehe an den Oberbürgermeister aufgrund der Verleihung des Georg-Elser-Preises der Landeshauptstadt München an das Netzwerk Recherche Nord. Die Aktivisten der IB bezeichnen die Auszeichnung von Recherche Nord in sarkastischer Form als Beleg für ein „lupenreines Demokratieverständnis“ des Oberbürgermeisters. In einem Beitrag auf Telegram vom 23. November erläutert die „Lederhosen Revolte“, durch das Netzwerk Recherche Nord würden „Rechte an den Pranger gestellt und zum Ziel linksextremen Terrors von Gruppen wie der Hammerbande“. Durch die Verleihung des Georg-Elser-Preises an das Netzwerk hätte sich „der Oberbürgermeister den Goldenen Hammer verdient“. Das Video endet mit einem eingeblendeten Bild des Münchner Oberbürgermeisters, in das eine rote Clownsnase eingefügt wurde. 

Podcast mit der Augsburger Oberbürgermeisterin 

Am 26. November wurde ein Beitrag auf dem „X“-Profil eines bayerischen IB-Aktivisten und Bundesleiter der Identitären Bewegung Deutschland (IBD), veröffentlicht. Dieser nutzte nach eigenen Angaben die Gelegenheit im Rahmen eines Projektes ein Interview mit der Oberbürgermeisterin der Stadt Augsburg zu führen. Nach Aussagen des IB-Aktivisten sollte es bei dem Interview zum einen um die kritische Auseinandersetzung mit der sogenannten „Stadtbilddebatte“ und zum anderen um die Frage, wie junge Leute die Stadt Augsburg erleben gehen. Dementsprechend stellte der IB-Aktivist der Oberbürgermeisterin die Frage, ob sich junge Augsburger aufgrund der Zuwanderung daran gewöhnen müssten, eine „Minderheit in der eigenen Klasse zu sein“ und ob zukünftig in Augsburg „die Deutschen in der Minderheit sein werden“. Die Antworten der Oberbürgermeisterin konnten durch die IB nicht in ihrem Sinne vermarktet werden.

Darstellung durch die Identitäre Bewegung Deutschland (IBD) 

Auf dem „X“-Kanal der IBD ist zudem ein YouTube-Video des Formats „RAUMNAHME“ veröffentlicht worden. In diesem berichten beteiligte IB-Aktivisten über das Gespräch mit der Oberbürgermeisterin der Stadt Augsburg sowie die Aktion der „Lederhosen Revolte“ bei der Bürgersprechstunde des Münchner Oberbürgermeisters. Der Titel des Beitrags lautet „Bürgermeister Moggen“. Der hauptsächlich auf Sozialen Medien verwendete Begriff „moggen“ bezieht sich auf den Ausdruck „Alpha Male of the Group“ (AMOG) und soll zum Ausdruck bringen, dass man jemandem überlegen ist und in den Schatten stellt bzw. in einer Situation selbst dominiert, dadurch selbst zum „AMOG“ wird und das Gegenüber diese Stellung verliert.

November 2025 – Rechtsextremistisches Heldengedenken zum Volkstrauertag

Anlässlich des Volkstrauertages am 16. November führten auch dieses Jahr wieder verschiedene rechtsextremistische Akteure Gedenkaktionen durch.

So organisierten Mitglieder des NPD Kreisverbandes Lichtenfels / Kronach ein sogenanntes Heldengedenken. Die Aktion fand im Raum Kronach statt und wurde in Sozialen Medien in Form von Kurzvideos veröffentlicht.

Die neonazistische Kleinstpartei „Der Dritte Weg“ (III. Weg) berichtete auf ihrer Webseite über eine Aktion an einer Gedenkstätte in Deggendorf und veröffentlichte hierzu ein Bild mit beteiligten Personen.

Am Wochenende des Volkstrauertages konnte die Polizei Memmingen an mehreren Friedhöfen und Kriegerdenkmalen im Allgäu abgelegte Bilder mit Bezug zur Thematik des rechtsextremistischen „Heldengedenkens“ feststellen. An einigen Gedenkstätten wurde zudem ein gebundenes Birkenholzkreuz abgelegt. Auf einem Friedhof war dem Birkenkreuz zudem ein Stahlhelm (ohne Insignien) aufgesteckt.

Bei diesen Bildern handelte es sich um einen DIN A4 Ausdruck in schwarz/weiß mit den Zeilen „November 2025 – Heldengedenken“ sowie „Sie gaben alles, was sie hatten – ihr Leben, ihre Hoffnung, ihre Zukunft. Ihr Mut und Einsatz bleiben unvergessen, ihr Opfer unsere Verpflichtung!“ und dem Abbild eines Holzkreuzes auf dem ein Stahlhelm mit Einschussloch angebracht ist. Der Ausdruck war in einem Bilderrahmen eingefasst und an den Denkmälern sichtbar abgelegt. Die abgelegten Devotionalien können aufgrund ihrer Aufmachung mit hoher Wahrscheinlichkeit der rechtsextremistischen Szene zugeordnet werden.

Die Aktionen zeigen, dass das Gedenken an die deutschen Opfer der Weltkriege, verbrämt als sogenanntes „Heldengedenken“, für Rechtsextremisten unterschiedlichster Ausrichtung zwar weiterhin von Bedeutung ist, große öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen dieses Jahr, wie bereits in den Vorjahren, jedoch nicht mehr festzustellen sind.

August 2025 – Abbruch eines rechtsextremistischen Konzerts in Illertissen

Über die sozialen Medien kündigten die rechtsextremistischen Rapper PROTO und KAVALIER, die beide auch Bezüge zur Identitären Bewegung aufweisen, im Rahmen ihrer „Abschiebehauptsaison Tour 2025“ ein Konzert für den 15. August 2025 im „Raum Ulm / Bayern“ an. Aufgrund der unkonkreten Ortsangabe war zunächst unklar, ob die Veranstaltung in Bayern oder Baden-Württemberg stattfinden soll. Darüber hinaus meldete ein Verantwortlicher des rechtsextremistischen Labels NDS Records (kurz für Neuer Deutscher Standard) zwischenzeitlich eine private Veranstaltung in Bayern an. Dabei handelt es sich innerhalb der rechtsextremistischen Musikszene um eine gängige Praxis, Konzertveranstaltungen als private Veranstaltungen auszugeben bzw. keine konkreten Ortsangaben zu nennen, um möglichen Verbotsverfügungen zu entgehen.

Nach Bekanntwerden der Örtlichkeit wurden Aufenthaltsverbote gegen die beiden Musiker und ein Veranstaltungsverbot gegen NDS Records als Anzeiger der Veranstaltung ausgesprochen, die gerichtlich bestätigt wurden.

Die Veranstaltung wurde daraufhin nach Illertissen verlegt. Dort hat die Polizei ca. 45 Personen, die augenscheinlich mehrheitlich der rechtsextremistischen Szene zugeordnet werden konnten, festgestellt und es kam erneut zu einem Veranstaltungsverbot, das durch die Polizei umgesetzt wurde.

Dank eines engen Austausches der zuständigen Behörden, konnte das Konzert verhindert werden.

Mai 2025 – Flyerverteilung der Identitären Bewegung (IB) vor Schulen

Zwischen Ende April und Anfang Mai 2025 konnten Aktivitäten der rechtsextremistischen Identitären Bewegung Deutschland (IBD) im Umfeld von mehreren Schulen in Bayern festgestellt werden. So wurden in Schwaben am 28./29. April in Augsburg Flyer auf dem Schulhof einer Schule verteilt und in Neu-Ulm am 30. April am Eingang einer Schule abgelegt. Auch in Mittelfranken wurde am 2. Mai in Spardorf durch die IBD über eine angemeldete Veranstaltung versucht, Flyer an einer Schule zu verteilen. Hier konnte aber aufgrund einer Verordnung des Landratsamtes Erlangen eine Stand-Verlegung erwirkt und somit eine direkte Verteilung an einer Schule verhindert werden. Weiterhin wurden auch in Oberbayern (München-Schwabing) am 29./30. April Flyer-Verteilungen durch die der Identitären Bewegung (IB) zuzurechnenden Regionalgruppe „Lederhosen Revolte“ bekannt, hierbei wurden Schüler auch aktiv angesprochen. An allen Örtlichkeiten wurden dieselben Flyer verteilt. Weitere Informationen können hier nachgelesen werden.

Oktober 2024 – Vortragsabend der Jungen Alternative Nordschwaben in Gremheim

Am 26. Oktober 2024 veranstaltete die Junge Alternative (JA) Nordschwaben gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern des AfD-Ortsverbands Meitingen und Umgebung einen Vortragsabend in Gremheim, Gemeinde Schwenningen, auf dem nach eigenen Angaben vor allem die Themen „Meinungs- und Versammlungsfreiheit“ im Mittelpunkt standen. Seitens der AfD nahmen, neben der Ortsvorsitzenden des AfD-Ortsverbands Meitingen und Umgebung, ein Landtagsabgeordneter und Vorsitzender der Jungen Alternative Bayern, sowie ein stellvertretender Landesvorsitzender der AfD Bayern teil. Die Veranstaltung reihte sich in eine Serie regelmäßig stattfindender Stammtische und Vortragsabende der Jungen Alternative Nordschwaben in Gremheim unter der Teilnahme von Vertreterinnen und Vertretern der AfD, vornehmlich aus dem Raum Augsburg, und Aktivisten der IB bzw. Personen mit Bezügen zur IB ein. Veranstaltungsort war eine Lokalität, in der am 13. Juli ein sogenanntes „Patriotentreffen“ stattfand, an welchem mehrere Personen mit rechtsextremistischem Hintergrund sowie Personen mit Bezügen zur AfD teilgenommen hatten. Die regelmäßigen Veranstaltungen der JA Nordschwaben dienen insbesondere dazu, die Vernetzungen der AfD mit Akteuren des rechtextremistischen Vorfelds der Partei zu intensivieren sowie die Zusammenarbeit zwischen JA, AfD und dem rechtsextremistischen Vorfeld im Raum Schwaben zu verstetigen.

Oktober 2024 – Vortrag von Martin SELLNER in Neu-Ulm

Am 18. Oktober 2024 fand in Neu-Ulm eine Veranstaltung des österreichischen Rechtsextremisten und zugleich der Führungsfigur der Identitären Bewegung, Martin SELLNER, mit ca. 30 Teilnehmenden statt. Auf der Veranstaltung trat auch der Vorsitzende der IB Deutschland als Referent auf. Darüber hinaus nahmen auch Mitglieder regionaler Ableger der Partei Alternative für Deutschland (AfD) teil. Der Veranstaltungsort war ein ehemaliges Vereinsheim einer Rockergruppierung und wurde vorab nicht öffentlich bekannt gegeben. SELLNER kam einem durch die Städte Ulm und Neu-Ulm verhängten Aufenthaltsverbot nicht nach, weshalb die örtliche Polizei die Veranstaltung auflöste. Im Nachgang veröffentlichte SELLNER auf seinem Telegram-Kanal Videos zum Polizeieinsatz sowie seinen dort gehaltenen Vortrag mit dem Thema „Das Geheimnis unserer Kraft“. Darin referiert er unter anderem über Erfolge der Neuen Rechten und der AfD in den ostdeutschen Bundesländern. In Bayern war SELLNER zuletzt am 4. August 2024 im Rahmen seiner Lesetour in Passau in Erscheinung getreten.

August 2024 – AfD-Veranstaltung in Meitingen mit Vernetzungsaktivitäten im Raum Schwaben

Am 3. August 2024 fand in der Gemeindehalle in Meitingen eine Veranstaltung des AfD-Ortsverbands Meitingen und Umgebung statt. Insgesamt nahmen an der Veranstaltung etwa 240 Personen teil. Im Nachgang konnten zu der Veranstaltung zahlreiche Beiträge und Bilder in diversen sozialen Netzwerken festgestellt werden.

Ausweislich der veröffentlichten Beiträge nahmen an der Veranstaltung zahlreiche Mitglieder der Jungen Alternative (JA) Bayern sowie weitere Akteure des rechtsextremistischen Vorfelds der Partei teil. Insbesondere konnten mehrere Aktivisten und Führungsfiguren der Regionalgruppierungen der Identitären Bewegung (IB) Reconquista 21 und Lederhosenrevolte festgestellt werden, welche vereinzelt blaue T-Shirts mit der Aufschrift „Identitäre Bewegung“ trugen und damit offen erkennbar als Mitglieder der IB auftraten. Überdies begrüßte die Vorsitzende des Ortsverbands im Rahmen ihres veröffentlichten Redebeitrags ausdrücklich „alle Mitglieder der Jungen Alternative“ und bedankte sich bei dem „patriotischen Vorfeld“ für die Teilnahme der vielen „wichtige[n] Akteure“.

Am 21. Juni 2024 veranstaltete der AfD-Ortsverband Meitingen und Umgebung seinen ersten Stammtisch in Meitingen unter der neuen Ortsvorsitzenden. Bereits an dieser Veranstaltung nahmen mehrere Aktivisten der IB teil.

Insgesamt konnten im Raum Schwaben in den vergangenen Monaten mehrere Veranstaltungen der AfD sowie der JA Nordschwaben und der JA Schwaben festgestellt werden, die auf eine deutliche Intensivierung der Kooperationsbereitschaft und der personellen Überschneidungen zwischen AfD, JA und Akteuren des rechtsextremistischen Vorfelds der Partei hindeuten. Weitere Informationen können hier nachgelesen werden.

Februar 2024 – Aktion der Identitären Bewegung „Kasperle gegen Rechts“ in Augsburg

Am 3. Februar 2024 führte die Regionalgruppe der Identitäre Bewegung (IB) „Reconquista21“ eine Aktion unter dem Motto „Kasperle für Rechts“ in Augsburg durch. Die Aktion fand auf dem Augsburger Rathausplatz statt, auf dem gleichzeitig eine Großkundgebung mit dem Motto „Gemeinsam gegen Rechts – Für Demokratie und Vielfalt“ abgehalten wurde. Auf dem mitgebrachten ausklappbaren Holzaufsteller (mit einer ungefähren Größe von 2 Meter x 4 Meter) war „Kasperle gegen Rechts“ zu lesen. Im ausgeklappten Teil stand „Remigration heißt: Heimat, Sicherheit, Wohlstand“.

Die Aktion fügt sich aufgrund der Aufmachung in das bekannte Vorgehen der IB ein, obgleich Großveranstaltungen für Aktionen in der Vergangenheit nur selten genutzt wurden. Durch das zunächst der Kundgebung entsprechende Auftreten gelang es, in die anwesende Menschenmenge zu gelangen und mit der Aktion für ein großes Publikum sichtbar zu sein. 

Dezember 2023 – Beteiligung der Jungen Alternative und der Identitären Bewegung an einer Demonstration in Holzheim

Am 9. Dezember 2023 fand in Holzheim (Lkr. Dillingen) eine nicht-extremistische Demonstration gegen die geplante Unterbringung von Asylsuchenden statt. An der Versammlung beteiligten sich circa 150 Personen, darunter zahlreiche Angehörige der Identitären Bewegung (IB) Schwaben und der Jungen Alternative (JA) Schwaben. Diese waren teilweise weit über 100 Kilometer angereist. Die Mitglieder der beiden Gruppierungen zeigten unter anderem ein Banner mit der Aufschrift „Für Holzheim – Gegen das Asylheim“. Während der Auftaktkundgebung, die als offenes Mikrofon gestaltet wurde, richtete sich auch eine langjährige Führungsfigur der IB Schwaben aus Stuttgart an die Teilnehmenden.

Bereits im Vorfeld der Versammlung wurde in den einschlägigen Kanälen der IB und der JA gemeinsam für die Teilnahme mobilisiert. Für die IB wie auch für die JA ist die Agitation gegen die Unterbringung von Asylsuchenden in Deutschland ein Kernthema. Bereits am 09. Februar 2023 hatte die IB Schwaben in der Gemeinde Peutenhausen (Oberbayern) eine Aktion gegen eine Asylbewerberunterkunft durchgeführt.

Neben der gemeinsamen Beteiligung von JA- und IB-Angehörigen an dem lokalen Demonstrationsgeschehen ist insbesondere die offene gemeinsame Bewerbung der Teilnahme bemerkenswert. Auf den dafür genutzten Flyern ist sowohl das Logo der IB-Gruppierung Reconquista 21 (R21) als auch das Logo der JA Nordschwaben abgebildet. R21 war bis vor Kurzem unter der Bezeichnung „Wackre Schwaben“ aktiv. Die Namensänderung spiegelt durch die Verwendung des Begriffs „Reconquista“, welcher von der IB europaweit verbreitet wird, die Absicht wider, auf nationaler und internationaler Ebene einen höheren Widererkennungswert als Teil der IB zu erreichen. Zudem scheint man durch die Streichung der Bezugnahme auf Schwaben den eigenen Wirkungskreis ausweiten zu wollen. Obwohl die IB und die JA im Raum Schwaben traditionell eng verbunden sind, ist eine derart offene Kooperation ein Novum.

November 2023 – Bundesweite Durchsuchungsaktion u.a. auch in Oberbayern in der Reichsbürger-Szene

Unter Führung der Generalstaatsanwaltschaft München und des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord wurden am 23. November 2023 20 Wohnungen im gesamten Bundesgebiet u. a. wegen des Verdachts der mitgliedschaftlichen Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung durchsucht. Darunter befand sich auch je ein Objekt in Kempten und Rosenheim.

Den Beschuldigten wird u. a. vorgeworfen, versucht zu haben, durch die gezielte (massenhafte) Kontaktaufnahme mit Behörden deren Kommunikationswege zu blockieren und damit rechtswidrig Einfluss auf deren Entscheidungen zu nehmen. Übergeordnetes Ziel der handelnden Personen war es, die Bundesrepublik Deutschland sowie ihre staatlichen Einrichtungen zu destabilisieren und rechtmäßiges staatliches Handeln durch die beschriebene Vorgehensweise zu verhindern oder zumindest zu erschweren. Die Gesprächspartner wurden beispielsweise mit Reichsbürgerthesen konfrontiert, der Begehung von Menschenrechts- und Kriegsverbrechen bezichtigt, beleidigt und teilweise mit dem Tode bedroht.

Weitere Informationen hierzu finden sich in der gemeinsamen Pressemitteilung der Generalstaatsanwaltschaft München und des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord.

November 2023 – Aktionen der rechtsextremistischen Szene zum Volkstrauertag

Das alljährlich von der neonazistischen Kleinstpartei „Der Dritte Weg“ (III. Weg) organisierte Heldengedenken in Wunsiedel fand in diesem Jahr nicht statt. Stattdessen führten Aktivisten der Partei am 18. November 2023 bundesweit regionale Aktionen zum „Heldengedenken“ durch. Im Rahmen dieser Aktionen wurden ideologisch aufgeladene Ansprachen zum Gedenken an die deutschen Opfer der Weltkriege gehalten, Gedenkzeremonien mit Fackeln durchgeführt sowie Kerzen und Grablichter gezündet.

Unter dem Motto „Tot sind nur jene, die vergessen werden“ führte der III. Weg am 18. November 2023 auch an mehreren Orten in Bayern Gedenkveranstaltungen durch. In Ostbayern versammelten sich Aktivisten unter anderem an Kriegerdenkmälern in Furth im Wald und in Hofkirchen und hinterließen Kerzen und Blumenkränze. Ferner wurden am 18. November 2023, wie schon in den vorherigen Jahren geschehen, Devotionalien an einigen Kriegerdenkmälern im Regierungsbezirk Schwaben abgelegt.

Aktivisten und Sympathisanten der Jungen Alternative Bayern versuchten am Volkstrauertag und im Nachgang zur offiziellen staatlichen Gedenkveranstaltung, am Kriegerdenkmal im Hofgarten in München einen Kranz niederzulegen.

Die Aktionen zeigen, dass das Gedenken an die deutschen Opfer der Weltkriege, verbrämt als sogenanntes „Heldengedenken“, für Rechtsextremisten unterschiedlichster Ausrichtung weiterhin von Bedeutung ist, auch wenn große öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen dieses Jahr nicht festzustellen waren.

November 2023 – Reichsbürger halten bundesweite Veranstaltung „3. Zukunftskongress Deutschland“ in Wemding ab

Vom 17. bis 19. November  2023 fand in einem Hotel in Wemding (Landkreis Donau-Ries) der „3. Zukunftskongress Deutschland“ statt, welcher als Teil einer Veranstaltungsreihe dem Phänomenbereich der Reichsbürger und Selbstverwalter zugeordnet werden kann. Im Rahmen der dreitägigen Veranstaltung wurden in Form von Seminaren mehrere Vorträge mit Bezug zur Ideologie der Reichsbürger- und Selbstverwalterszene gehalten.

Die angekündigten Referenten der Veranstaltung konnten bereits im Vorfeld der Szene der Reichsbürger und Selbstverwalter zugeordnet werden. Unter den Referenten war auch eine bayerische Person, welche in der Vergangenheit neben Rednertätigkeiten auch mit einem Holocaust-leugnenden Posting in den sozialen Medien aufgefallen war.

Am zweiten Veranstaltungstag, dem 18. November, kam es im Außenbereich der Veranstaltungsörtlichkeit zu einem tätlichen Angriff eines Teilnehmers auf einen anwesenden Medienvertreter. Nachdem der Täter nicht namentlich identifiziert werden konnte, entschied die polizeiliche Einsatzleitung vor Ort, die Teilnehmer der Veranstaltung einer Kontrolle zum Zwecke der Identitätsfeststellung zu unterziehen. Der Täter konnte daraufhin ausfindig gemacht werden. Gegen ihn läuft aktuell ein Verfahren wegen eines Körperverletzungsdelikts. Im Rahmen der Identitätsfeststellungsmaßnahmen konnte die Polizei insgesamt 71 Teilnehmerinnen und Teilnehmer feststellen. Im Zuge der polizeilichen Maßnahme wurden zudem zwei ausständige Haftbefehle gegen Kongressteilnehmer vollstreckt. Ein Haftbefehl konnte gegen die Zahlung einer noch ausstehenden Geldbuße abgewendet werden, der zweite Haftbefehl wurde vor Ort tatsächlich vollstreckt.

Ebenfalls fand am 18. November eine vom Bürgermeister der Gemeinde Wemding organisierte Gegendemonstration zur Reichsbürgerveranstaltung statt. Insgesamt fanden sich hier ca. 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein und demonstrierten für Demokratie und Rechtstaatlichkeit. Im Rahmen dieser Kundgebung kam es zu keinen Zwischenfällen.

Für den „3. Zukunftskongress“ wurde über mehrere Wochen in einschlägigen Gruppen in den sozialen Medien mobilisiert. Auf die besagte Örtlichkeit in Wemding wurde in der Vergangenheit bereits häufiger von Seiten der Reichsbürgerszene als Veranstaltungsort zurückgegriffen. Dem „3. Zukunftskongress Deutschland“ vorangegangen waren die ersten beiden Kongresse in Thüringen. Mit 71 Teilnehmerinnen und Teilnehmern unterschritt man allerdings die Marke der Vorgängerveranstaltung deutlich.

Der „Zukunftskongress Deutschland“ ist eines der größten Treffen bzw. Seminare im Phänomenbereich Reichsbürger und Selbstverwalter. Bei solchen Veranstaltungen kommt es zur Vernetzung von Szeneangehörigen untereinander. Zudem dienen diese und ähnlich gelagerte Veranstaltungen auch immer der (An-)Werbung neuer Mitglieder für die Reichsbürgerbewegung. Durch reichsbürgertypische Inhalte der einzelnen Vorträge sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch ideologisch an die Reichsbürgerszene angebunden werden.

Veranstaltungen dieser Art werden in der Regel nicht von zusammenhängenden Reichsbürgergruppierungen organisiert, sondern entstehen über die Tätigkeit von herausgehobenen Einzelpersonen, die sich oftmals über die Organisation von entsprechenden Veranstaltungen profilieren und das Ziel verfolgen, mehr Popularität innerhalb der Szene zu gewinnen. Nicht zuletzt muss auch angenommen werden, dass über die Durchführung solcher Veranstaltungen auch monetäre Ziele verfolgt werden.

November 2023 – Vernetzungstreffen Identitärer Bewegung in Dasing

Die IB-Regionalgruppierung Reconquista 21 veranstaltete am 11. November 2023 ein Vernetzungstreffen in einem Lokal in Dasing. Martin Sellner, der führende Aktivist der IB im deutschsprachigen Raum, trat bei der Veranstaltung als Redner vor dem Banner der Gruppierung auf. Neben Akteuren der IB waren auch Politiker der AfD anwesend.

Juni 2023 – Junge Alternative Schwaben führt Bannerkation in Ulm durch

Am 2. Juni 2023 veranstaltete der schwäbische Ableger der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative (JA Schwaben) eine Banneraktion unter dem Motto „Sichere Grenzen – sicherer Schulweg“ vor dem Landgericht in Ulm. Anlass der Aktion war der erste Verhandlungstag im Prozess um den tödlichen Messerangriff in lllerkirchberg (Baden-Württemberg) im Dezember 2022. Angeklagt ist ein 27-Jähriger, der als Asylbewerber aus Eritrea nach Deutschland gekommen war. Er soll die beiden Mädchen im Alter von 13 und 14 Jahren auf ihrem Schulweg mit einem Messer angegriffen haben. Die 14-Jährige erlag ihren Verletzungen. Im Nachgang der Aktion veröffentlichte die JA Schwaben auf ihrem Telegram-Kanal einige Bilder sowie eine Stellungnahme zu der Aktion. Demnach wollte die Gruppierung mit ihrer Aktion auf die „fehlgeleitete Migrationspolitik und auf die verheerende Willkommenskultur aufmerksam“ machen. Zudem behauptet die JA dabei, auf großes Medieninteresse sowie auf Zuspruch von Passanten gestoßen zu sein. Tatsächlich wurde die Aktion von mehreren Regionalzeitungen aufgegriffen. Die Aktion in Ulm fügt sich ein in eine Serie vergleichbarer medialer Kampagnen nach der Tötung des Mädchens in Illerkirchberg. Kurz nach der Tat fand am 7. Dezember 2022 in Unterkirchberg (Baden-Württemberg) eine Banneraktion der rechtsextremistischen Identitären Bewegung (IB) unter dem Motto „Kinder schützen – Asylheim Illerkirchberg schließen“ statt. Einer der Aktivisten vom 7. Dezember war nun auch an der besagten Aktion in Ulm beteiligt. Er gehört dem Landesvorstand der bayerischen JA an und bekleidet dort das Amt des Schatzmeisters. Auffällig ist außerdem, dass die grafische Darstellung einer Festung auf dem JA-Banner in der Vergangenheit bereits auch durch die IB genutzt wurde.

März/April 2023 – Aktivistenwochenende der identitären „Wackre Schwaben“

Vom 31. März bis 2. April 2023 fand das Aktivistenwochenende der Regionalgruppe „Wackre Schwaben“ der Identitären Bewegung (IB) unter dem Motto „Identität und Weltanschauung“ statt. Es nahmen ca. 30 Aktivisten aus dem gesamten deutschsprachigen Raum an einem konspirativ festgelegten Ort im Bereich Schwaben teil.

Bei der Gruppierung „Wackre Schwaben“ handelt es sich um einen regionalen Personenzusammenschluss aus dem Raum Schwaben, der der Identitären Bewegung (IB) eindeutig zuzuordnen ist. Die IB veranstaltet regelmäßig derartige Aktivistenwochenenden, die IB Schwaben beispielsweise seit mindestens April 2017 zweimal jährlich. Zielgruppe waren bereits damals „IBler aus dem süddeutschen Raum“. Nachdem im Jahr 2022 zwei Aktivistenwochenenden in Schwaben stattfanden, handelt es sich in diesem Jahr um die erste Zusammenkunft dieser Art. Wie üblich wurden professionelle Fotos und ein Video auf einschlägigen Social-Media-Kanälen veröffentlicht.

Die Regionalgruppe „Wackre Schwaben“ ist innerhalb der süddeutschen IB besonders aktiv. Weil sich die IB nicht an Regierungsbezirken, sondern an „Volksgrenzen“ orientiert, finden ihre Aktionen grenzübergreifend sowohl im baden-württembergischen als auch im bayerischen Teil Schwabens statt: Am 9. Februar 2023 führten die „Wackren Schwaben“ eine Propagandaaktion vor einer Asylunterkunft in Peutenhausen/BY (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, ca. 100 km östlich von Ulm) durch. Hierzu stoppten sechs Aktivisten den Durchgangsverkehr vor der Einrichtung und entrollten ein 10 bis 15 Meter langes Banner mit der Aufschrift „Gefährderstandort“ auf der Fahrbahn.

Rechtsextremismus

Die Bayerische Polizei zur aktuellen Lage

Straftaten der Politisch motivierten Kriminalität

Sicherheitsberichte der Polizeipräsidien Schwaben Nord und Schwaben Süd/West zur Politisch motivierten Kriminalität (PMK)

Anmerkung zu „Politisch motivierte Kriminalität“ (PMK): Als PMK werden alle Straftaten bezeichnet und erfasst, die einen oder mehrere Straftatbestände der sogenannten klassischen Staatsschutzdelikte erfüllen, selbst wenn im Einzelfall eine politische Motivation nicht festgestellt werden kann. Bei Straftaten, die auch in der Allgemeinkriminalität begangen werden können, erfolgt eine Würdigung der Gesamtumstände (siehe Bericht des Bundesamts für Verfassungsschutz 2025, Seite 24).

Sicherheitsbilanz 2025 – Polizeipräsidium Schwaben Nord

Im Jahr 2025 wurden im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Nord insgesamt 458 Straftaten aus dem Phänomenbereich der Politisch motivierten Kriminalität (PMK) festgestellt. Gegenüber dem Vorjahr mit 468 Delikten ist hier ein Rückgang der Fallzahlen um 2,1 % zu verzeichnen.

Im Bereich der PMK -rechts- war ein Rückgang der Fallzahlen um 26,1 % festzustellen, es konnten hier 17 (Vorjahr: 23) extremistische Straftaten verzeichnet werden.

Ein versuchtes Tötungsdelikt im Oktober 2025 an einer Mittelschule in Friedberg wurde der PMK -rechts- zugerechnet.

69,5 % der Straftaten aus dem Bereich Hasskriminalität wurden der PMK -rechts- zugeordnet, mit 73 Fällen (Vorjahr: 70) ist hier ein Anstieg zu verzeichnen. Die drei häufigsten Tatumstände waren hierbei fremdenfeindliche (86,7%), ausländerfeindliche (41,9 %) und rassistische (36,2 %) Beweggründe.

An weiteren Infos interessiert? Der Gesamtbericht des Polizeipräsidiums Schwaben Nord kann hier nachgelesen werden.

Jahresbericht 2025 – Polizeipräsidium Schwaben Süd/West

Für das Jahr 2025 ist für den Bereich des PP Schwaben Süd/West insgesamt ein Rückgang der Fallzahlen im Bereich der Politisch motivierten Kriminalität (PMK) zu verzeichnen. Es konnten hier 564 Fälle (Vorjahr: 571) und damit 1,24 % weniger als im Vorjahr registriert werden.

Die Fallzahlen der PMK -rechts- weisen erneut einen Anstieg auf 261 Fälle (Vorjahr: 249) auf. Ein Großteil der Delikte wurde weiterhin unter Nutzung des Tatmittels Internet durch Weitergabe unreflektierter Posts in sozialen Netzwerken begangen. Hierbei handelt es sich überwiegend um Propagandadelikte mit 146 Fällen (Vorjahr: 142) und Volksverhetzungen mit 35 Fällen (Vorjahr: 50).

Die Anzahl an Gewaltdelikten im Bereich der PMK -rechts- sank auf 15 Fälle (Vorjahr: 17) und liegt damit noch immer deutlich über dem 10-Jahresmittel von 10,2 Delikten. Die PMK -rechts- ist damit anteilsmäßig seit 2023 wieder stärkster Phänomenbereich mit 46,3 % Anteil aller PMK-Delikte. Der Bereich der PMK -sonstige Zuordnung-, diesem werden u.a. auch Fälle von Reichsbürgern zugerechnet, ist im Jahr 2025 erstmals seit 2023 mit 216 Fällen (Vorjahr: 256) rückläufig.

Für den Bereich der Hasskriminalität ist ein Rückgang auf 151 Fälle (Vorjahr: 161) festzustellen, 118 Fälle waren dabei im Wesentlichen dem Phänomenbereich der PMK -rechts- zuzuordnen.

An weiteren Infos interessiert? Der Gesamtbericht des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West kann hier nachgelesen werden.

Rechtsextremistische Akteure in Schwaben

Parteien und andere rechtsextremistische Strukturen


Der Verfassungsschutz unterscheidet die drei Kategorien Parteien, parteiunabhängige bzw. parteiungebundene Strukturen und weitgehend unstrukturiertes Personenpotenzial.

In 2025 wurden in Bayern insgesamt 855 Mitglieder und Unterstützer rechtsextremistischer Parteien und parteinaher Gruppen erfasst.

In die Kategorie parteiunabhängige bzw. parteiungebundene Strukturen fallen alle Gruppen und Organisationen, welche einen gewissen Bindungs- und Organisationsgrad erkennen lassen. Hierzu zählen organisierte neonazistische Gruppierungen, rechtsextremistische Bands, kommunale Wählervereinigungen, Verlage und Vertriebsnetze, Bürgerinitiativen, Vereine, kameradschaftliche Stammtischrunden und Gesprächszirkel. Vor allem finden sich hier organisierte Neonazis und die Identitäre Bewegung (IB). In 2025 zählten hierzu insgesamt rund 585 Personen.

Zur Kategorie weitgehend unstrukturiertes Personenpotenzial zählen organisationsungebundene subkulturell geprägte Rechtsextremisten (Skinheads), rechtsextremistische Einzelpersonen und Internetaktivisten. Diesem Personenpotenzial werden in Bayern etwa 1.390 Personen zugerechnet.

In Schwaben gibt es auch organisationsungebundene subkulturell geprägte Rechtsextremisten sowie rechtsextremistische Einzelpersonen, die sich anlassbezogen, zum Beispiel bei Demonstrationen oder privaten Treffen, zusammenfinden oder im Internet extremistische Inhalte verbreiten, um ihre verfassungsfeindlichen Ziele zu verwirklichen.

Weitere Informationen zum Personenpotenzial in Bayern können hier nachgelesen werden.
Der Dritte Weg (III. Weg)

Die Partei Der Dritte Weg (III. Weg) verfügt in Deutschland über 950 Mitglieder, davon 145 in Bayern. Die Partei vertritt einen stark neonazistisch geprägten Rechtsextremismus. Zahlreiche Mitglieder, Fördermitglieder und mit der Partei Sympathisierende stammen aus dem Umfeld des 2014 verbotenen neonazistischen Netzwerks Freies Netz Süd (FNS). Ausführliche Hintergrundinformationen zur Partei finden Sie hier.

Die Parteistützpunkte des neonazistischen III. Weg berichten regelmäßig über ihre Aktivitäten auf der Webseite der Partei. So werden bundesweite Kampagnen der Partei durch die einzelnen Parteigliederungen regional oder lokal durch eigene Aktionen umgesetzt, über die dann im Anschluss auf der Parteiseite berichtet wird.

Logo der neonazistischen Kleinpartei Der Dritte Weg (III. Weg). Es zeigt in grüner Farbe die Zahl Drei als römische Zahl über einem Eichenlaub-Halbkranz.
© Screenshot der-dritte-weg.info, gesichert 05.07.2024

Des Weiteren betreibt die Partei unter der Bezeichnung „Revolution auf Sendung“ ein Internetradioformat. Die Sendungen werden unregelmäßig auf der Webseite der Partei eingestellt und beinhalten Interviews, Musikbeiträge und Nachrichten der Partei. Bei den Interviewpartnern handelt es sich um rechtsextremistische Aktivisten.

Da sich der III. Weg nicht nur als reine Partei, sondern ebenso als „Nationale Bewegung“ versteht, sollen durch regelmäßige Freizeitaktivitäten – wie etwa sportliche Aktivitäten, Wanderungen, Vorträge und Rechtsschulungen oder Aktionen, wie die Ankündigung zum Schulstart kostenlosen Schulbedarf „an alle Deutschen“ auszugeben – Mitglieder, Sympathisanten und deren Familien eng an Partei und Stützpunkt gebunden werden.

Informationen über Aktivitäten des III. Weg in Schwaben können unter Besondere Ereignisse und Aktivitäten nachgelesen werden.

Am 25. Juli 2020 gründete der „III. Weg“ in Bayern einen eigenen Landesverband. Kreisverbände stellen in der Organisationsstruktur der Partei die kleinsten selbstständigen Einheiten dar. Die Satzung der Partei ermöglicht es, in Gebieten, in denen keine Untergliederungen bestehen, sog. „Stützpunkte“ einzurichten. Zum Jahresende 2025 sind auf einer auf der Parteiwebseite veröffentlichten Karte 25 Stützpunkte genannt. In Bayern befinden sich demnach die drei Parteistützpunkte „Mainfranken“, „Mittelfranken“ und „München/Oberbayern“. Die Stützpunkte Ostbayern und Oberfranken erscheinen hingegen nicht mehr. Allerdings entfaltet der „III. Weg“ bisweilen weiterhin Aktivitäten in diesen Gebieten, über die auch auf der Parteiwebseite berichtet wird.

Grafik Bayernkarte mit drei eingetragenen Stützpunkten der rechtsextremistischen Kleinpartei Der Dritte Weg
© BayLfV

Grundsätzlich ist der Internetauftritt jedes Stützpunkts mit der Parteiwebseite verlinkt, auf der regelmäßig regionale Berichte von Aktionen, wie beispielsweise Flyerverteilaktionen eingestellt werden.

Die Partei eröffnete am 29. Oktober 2022 in Schweinfurt ihr erstes Partei- und Bürgerbüro in Bayern. Das Bürger- und Parteibüro in Schweinfurt (SW 16) ist die 3. offizielle Anlaufstelle der Partei im Bundesgebiet und wird als Treff- und Versammlungsort für Rechtsextremisten genutzt.

Im Nachgang zu dieser Eröffnung kam es auch zur Gründung des Stützpunkts Franken der Nationalrevolutionären Jugend (NRJ), der Parteijugend des III. Weg. Die NRJ ist keine eigenständige Organisation, sondern fest in die Partei eingebunden bzw. dieser untergeordnet und lebt die Ideologie und Programmatik des III. Weg. Die bisherigen Aktivitäten des NRJ ähneln denen des III. Weg, darüber hinaus veranstaltet die NRJ sog. „Jugendtage“, die meist in den regionalen Stützpunkten stattfinden. Neben sportlichen und politischen Aktivitäten bewirbt die NRJ mit dem Begriff Schulhof-Offensiveihre Organisation und versucht auf diese Weise jungen Aktivistinnen und Aktivisten zielgruppenkonforme Angebote zu machen. Das Personenpotential der NRJ in Bayern beträgt etwa 30 Personen. Nähere Informationen zur NRJ können hier nachgelesen werden.

In Bayern betrieb der „III. Weg“ im Jahr 2025 mehrere Informationsstände mit Pavillon, Transparenten, Fahnen und Flugblattverteilung. Die Veranstaltungen fanden am 1. Februar in Westendorf (Lkr. Ostallgäu), am 19. April in Wolfratshausen, am 10. Mai in Schweinfurt, am 18. August in Penzberg und Garmisch-Partenkirchen, am 13. September in Weilheim in Oberbayern und Starnberg sowie am 11. Oktober in Landsberg am Lech und Fürstenfeldbruck statt.

Ferner wurden 2025 in Bayern Flugblattverteilungen und Banneraktionen des „III. Weg“ in den Regierungsbezirken Oberbayern, Niederbayern, Schwaben und Mittelfranken bekannt. Am 19. Dezember verteilten Aktivisten der NRJ im Rahmen der sog. „Schulhofoffensive“ Flugblätter und Aufkleber an der Realschule in Höchstadt an der Aisch. Die Partei berichtete hierüber auf ihrer Webseite und veröffentlichte Bilder.

Die Heimat

Das Bundesverfassungsgericht bestätigte mit Urteil vom 17. Januar 2017 die verfassungsfeindliche Ausrichtung der Partei NPD, die sich seit 3. Juni 2023 in „Die Heimat“ umbenannt hat.

Ein Verbot lehnte das Gericht jedoch ab, da die Bedeutung der Partei für eine Gefährdung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung zu gering sei.

Mit Urteil vom 23. Januar 2024 hat das Bundesverfassungsgericht die Partei für die Dauer von 6 Jahren von der staatlichen Parteienfinanzierung ausgeschlossen.

Symbol Logo Partei Die Heimat, weißer Schriftzug Heimat mit schwarzem Ausrufezeichen auf schraffiertem gelbem Hintergrund
© Wikimedia Commons

Die Partei Die Heimat (vormals NPD) verfügt deutschlandweit über 2.600 Mitglieder und Fördermitglieder (Stand: Bundesverfassungsschutzbericht 2025), davon etwa 330 in Bayern. Wie die meisten rechtsextremistischen Gruppierungen und Parteien ist auch Die Heimat im Internet aktiv und kann daher nicht nur durch Aktionen vor Ort, sondern ebenso online, u.a. durch Streaming-Angebote, ihre Ideologie auch in Schwaben verbreiten.

Aus Sicht der Partei stellt eine „Volksgemeinschaft“ die einzig natürliche und damit annehmbare staatliche und gesellschaftliche Ordnung dar, weil angeblich nur sie dem wahren Wesen des Menschen entspricht. Die Partei strebt damit einen Gegenentwurf zur parlamentarischen Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland an. Die von der Partei vertretenen völkischen Grundideen bringen im Zusammenhang mit den verschiedensten politischen Themen oft ausländerfeindliche, antisemitische, rassistische – und in Bezug auf den historischen Nationalsozialismus verharmlosende und zu­stimmende – Positionen zum Ausdruck. Ihr angestrebtes Ziel der „Systemüberwindung“ und ihre Grundaussagen stehen inhaltlich im Widerspruch zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Das Parteiprogramm ist von einem ausgeprägten Nationalismus getragen und schreibt den Gedanken der „Volksgemeinschaft“ in einer völkisch-kollektivistischen Auslegung fest. Für die Partei resultiert die Würde des Einzelnen nicht aus dem freien Willen des Individuums. Ihr zufolge ist der Wert eines Menschen von der biologisch-­genetischen Teilhabe an der „Volksgemeinschaft“ abhängig. Da nur Deutsche völkischer Abstammung Teil der „Volksgemeinschaft“ sein können, ist eine rassistisch und nationalistisch geprägte Fremdenfeindlichkeit elementarer Bestandteil der Parteiideologie vom „lebensrichtigen Menschenbild“, das sich insbesondere gegen „Fremdbestimmung“ und „Überfremdung“ richtet.

In Bayern besteht ein „Die Heimat“-­Landesverband. Öffentlich wahrnehmbare Aktivitäten in Bayern beschränken sich allerdings auf Franken. Der bayerische Landesverband von „Die Heimat“ betreibt einen Telegram­-Kanal, auf dem neben der Verbreitung von rechtsextremistischen Narrativen und Berichten über außerbayerische Veranstaltungen von „Die Heimat“ vornehmlich Veranstaltungen Dritter beworben werden. Beispiele hierfür sind Demonstrationsaufrufe des unter Beobachtung des Bayerischen Landesamts für Verfassungsschutz stehenden „Team Menschenrechte“. Die realweltlichen Aktivitäten bayerischer Aktivisten von „Die Heimat“ beschränken sich hingegen auf die Teilnahme an einigen der dort beworbenen Veranstaltungen sowie auf einzelne eigene Aktionen.

Die „Jungen Nationalisten“ (JN) bilden die Jugendorganisation von „Die Heimat“. Unter der Leitung des hessischen Landesvorsitzenden von „Die Heimat“ fanden am 15. März 2025, an einem nicht veröffentlichten Ort in Hessen, die Gründung des JN-Landesverbandes Süd sowie der erste JN-­Landeskongress Süd statt. Auf Veranstaltungsfotos ist ein Teilnehmer aus Bayern erkennbar. Der Landeskongress Süd verbindet JN­-Stützpunkte in Baden-Württemberg, Bayern und Hessen mit dem JN-Bundesvorstand.

An weiteren Infos interessiert? Mehr zu diesem Thema kann hier nachgelesen werden.

Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD (2023))

Mit dem Beschluss der Umbenennung in „Die Heimat“ war am 3. Juni 2023 der Prozess einer Neuausrichtung der im Jahr 1964 gegründeten NPD abgeschlossen. Allerdings festigen seitdem abtrünnige Parteimitglieder von „Die Heimat“ unter Wiederbelebung des Parteinamens „Nationaldemokratische Partei Deutschlands“ eigene Strukturen.

Anfang Januar 2024 wurde bekannt, dass es von der Partei „Die Heimat“ eine neue Abspaltung gibt, die Partei „Nationaldemokratische Partei Deutschlands“ (NPD (2023)) mit Sitz in Hamburg.  In Bayern gab die NPD (2023) Strukturen in Kronach und in München bekannt. Um ihr Mobilisierungspotenzial zu vergrößern, nutzt die NPD Lichtenfels/Kronach vermehrt die „Revolte Franken“. Die dort verantwortlichen Personen sind auch der NPD Lichtenfels/Kronach zuzuordnen. Bis Ende 2025 verfügte die Partei in Bayern über 30 Mitglieder.

Logo der NPD, schwarzes Oval mit gelbem Eichenlaub umrandet und großen weißen Buchstaben NPD in der Mitte
© https://npd-voran.de/Berichte.php

Ideologisch unterscheiden sich die Parteien NPD (2023) und „Die Heimat“ kaum. Die NPD (2023) nutzt das annähernd wortgleich übernommene Parteiprogramm von „Die Heimat“ und sieht sich als radikalere Systemalternative.

Weitere Informationen zur Partei NPD (2023) können hier nachgelesen werden.

Generation Deutschland (GD), vormals: Junge Alternative für Deutschland (JA)

Die frühere Jugendorganisation der AfD, die Junge Alternative für Deutschland war bis 2024 die offizielle Jugendorganisation der Partei. Am 11./12. Januar 2025 beschloss die AfD auf ihrem Bundesparteitag eine Satzungsänderung, um eine neue Jugendorganisation zu gründen und diese enger an die Partei zu binden.

Angenommen wurde der Antrag – trotz des Widerstandes zahlreicher auch bayerischer JA-Mitglieder sowie aus dem bayerischen AfD-Landesverband – mit mehr als der nötigen Zweidrittelmehrheit. Befürworter der Auflösung der JA begründeten den Schritt vor allem mit einer besseren finanziellen Ausstattung, sowie mit dem Schutz vor einem möglichen Verbot.

Zwei gekreuzte Eichenblätter in der Farbe Schwarz und Blau.
© x.com/generation_afd/photo

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) stufte die JA als gesichert rechtsextremistisch ein. Hiergegen legten die AfD und die JA Rechtsmittel ein. Mit Beschluss vom 5. Februar 2024 lehnte das VG Köln einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung gegen die Einstufung der JA als nunmehr gesichert rechtsextremistische Bestrebung durch das BfV ab. Gegen den Beschluss des VG Köln im Eilverfahren wurde von der unterlegenen Seite Beschwerde eingelegt. Das OVG Nordrhein-Westfalen verwarf in einem Beschluss vom 10. Juni 2025 die Beschwerde gegen den Beschluss des VG Köln nach Auflösung der JA im Wesentlichen als unzulässig und stellte das Verfahren im Übrigen ein. Dieser Beschluss ist unanfechtbar, das Eilverfahren zur Einstufung der JA ist damit beendet. Das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz (BayLfV) bearbeitete die JA als rechtsextremistisches Beobachtungsobjekt. Als Vollzugstermin der beschlossenen Änderung der AfD-Bundessatzung ergab sich der 1. April 2025.

Der JA-Bundeskongress beschloss daraufhin in Apolda am 1. Februar 2025 die Auflösung der JA mit Wirkung zum 31. März 2025. Im März wurde bekannt, dass auch der bayerische JA-Landesverband (JA Bayern) dem Beschluss des AfD-Bundesparteitages folgte und vor dem Hintergrund der geplanten Neuorganisation seine Auflösung beschloss. Am 29. November 2025 fand der Gründungskongress der neuen AfD Jugendorganisation „Generation Deutschland“ (GD) in Gießen (Hessen) statt. Die Teilnehmerzahl belief sich auf etwa 850 stimmberechtigte Mitglieder sowie zahlreiche AfD-Bundesvorstandsmitglieder, Funktionäre und Abgeordnete sowie einzelne Protagonisten der Neuen Rechten. Aus Bayern konnte die Teilnahme von bis zu 70 Personen festgestellt werden.

Die neu gegründete Parteijugend gab sich den Namen „Generation Deutschland“ (GD). Im Gegensatz zu ihrer Vorgängerorganisation ist die Generation Deutschland kein eigenständiger Verein, sondern eine in die Strukturen der AfD integrierte Jugendorganisation. Unter den 15 Mitgliedern des Bundesvorstandes befindet sich eine Person aus Bayern, die die Position des 8. Beisitzers bekleidet. Diese war vom ehemaligen bayerischen Landesvorsitzenden der JA persönlich für das Amt vorgeschlagen worden.

Am 20. Dezember 2025, gründete sich in Greding die GD Bayern. An der Gründungsveranstaltung als zweiter Landesverband der GD nach Rheinland-Pfalz. An der Gründungsveranstaltung nahmen laut Presseberichten knapp über 100 Personen teil. Als Teilnehmer vor Ort konnten Personen festgestellt werden, die der Identitären Bewegung (IB) zuzurechnen sind – u.a. der Bundesleiter der IB Deutschland.

Auf der Veranstaltung wurde ein Jugendstatut (Satzung) verabschiedet sowie ein Landesvorstand, bestehend aus 11 Personen, gewählt. Als Landesvorstand wurde MdL Franz Schmid gewählt, der bis zu ihrer Auflösung Vorsitzender der JA Bayern und Schatzmeister auf Bundesebene war. 

Gegenüber der Publikation „Info direkt“ kündigte er eine enge Zusammenarbeit mit dem zum Teil extremistischen Vorfeld der Partei an:

„Wir werden Seminare durchführen, die politische Themen zum Inhalt haben, die über die Tagespolitik hinausgehen. Dabei gilt der Grundsatz, dass wir unser Umfeld und Vorfeld mitnehmen und die AfD Jugend als Teil einer großen Widerstandsfamilie von Islamkritikern […] über patriotische Aktivisten wie die der ‚Identitären Bewegung‘ bis zu Montagsspaziergängern für Frieden verstehen.“

Das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz bearbeitet die Generation Deutschland ab ihrer Gründung als Teil des Beobachtungsobjekts AfD, da die Generation Deutschland aufgrund ihrer Rechtsform – anders als die Junge Alternative – nicht-selbständiger, integraler Teil der Gesamtpartei AfD ist.

Am 26. Oktober 2024 veranstaltete die „JA Nordschwaben“ gemeinsam mit Vertretern des AfD Ortsverbands Meitingen einen Vortragsabend in Gremheim (Lkr. Dillingen an der Donau). Die Veranstaltung reihte sich ein in eine Serie regelmäßig stattfindender Stammtische und Vortragsabende der „JA Nordschwaben“, an denen sich auch Vertreter der AfD, vornehmlich aus dem Raum Augsburg, und Aktivisten der IB bzw. Personen mit Bezügen zur IB beteiligten. Neben Stammtischen in Schwaben fand am 17. Juli 2024 eine öffentliche Veranstaltung in Gremheim statt. Informationsstände der JA in Schwaben wurden am 2. Februar 2024 in Höchstädt an der Donau (Lkr. Dillingen an der Donau) und am 27. Juli 2024 in Babenhausen (Lkr. Unterallgäu) durchgeführt.

Am 11. Februar 2025 fand eine Veranstaltung der Jungen Alternative Nordschwaben in Gremheim statt, bei der ein Europaabgeordneter der AfD als Hauptredner eingeladen war. Unter den Teilnehmern konnten ferner Aktivisten der IB festgestellt werden.

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Identitäre Bewegung

Die ursprünglich aus Frankreich stammende und inzwischen europaweit agierende Identitäre Bewegung (IB) ist ein rechtsextremistischer Personenzusammenschluss, der eine mitunter subtile, auf den gesamtgesellschaftlichen Diskurs abzielende Beeinflussungsstrategie verfolgt.

Kennzeichnend für den Aktionismus der IB sind öffentliche Stör- und Transparentaktionen, die sie im Rahmen von Social-Media-Kampagnen inszenieren und verbreiten.

Griechischer Buchstaben Lambda in Form eines nach oben zeigenden spitzen Winkels in den Farben Schwarz und Geld
© Screenshot Telegram-Kanal Identitäre Bewegung, gesichert 31.03.2025

Die hierarchische Struktur der IB in Bayern, die sich zunächst nach vermeintlichen „Volksgrenzen“ gliederte, wurde mittlerweile zugunsten autonomer Orts- bzw. Regionalgruppen aufgelöst. Hintergrund dieser Entwicklung ist eine Mitte 2021 initiierte Neuausrichtung der IB. Der Aufbau voneinander augenscheinlich unabhängiger Gruppierungen dient dazu, die IB langfristig flexibler zu gestalten, sowie vor staatlichen Maßnahmen, aber auch vor Repression und „Outings“ politischer Gegner zu schützen. Aus diesen Gründen wurde auch weitestgehend auf die bekannte IB-Symbolik, wie beispielsweise das gelbe Lambda auf schwarzem Grund, verzichtet. Von dieser Strategie hat sich die IB mittlerweile entfernt. Sie tritt nun auch in Bayern wieder vermehrt offen als „Identitäre Bewegung“ unter Verwendung des gelb-schwarzen Lambda-Symbols auf und gibt sich selbstbewusst.

Derzeit treten in Bayern die der IB zurechenbaren Gruppierungen „Reconquista21“ (vormals „Wackre Schwaben“) und „Lederhosen Revolte“ öffentlich wahrnehmbar in Erscheinung.

Über Webseiten und Social-Media-Kanäle veröffentlichte Beiträge stellt sich die IB bei Aktivistentreffen häufig als kampfsportaffin dar und veröffentlicht Aufnahmen von Boxtrainings.

Öffentlichkeitswirksame Aktionen der IB in Bayern konzentrieren sich seit Jahresbeginn vor allem auf den Themenkomplex „Asyl und Migration“, der auch im Fokus der öffentlichen Debatte steht.

Im Jahr 2025 gingen Aktionen in Bayern zumeist von der Regionalgruppierung „Lederhosen Revolte“ aus oder waren Teil einer überregionalen identitären Zusammenarbeit. Aktivitäten von anderen autonomen Orts- bzw. Regionalgruppen, bspw. der „Reconquista21“, wurden 2025 in Bayern nicht festgestellt. Im März 2026 wurde bekannt, dass die Gruppierung „Reconquista21“ wieder ihre frühere Gruppenbezeichnung „Identitäre Bewegung Schwaben“ (IB Schwaben) führt. Die Aktivitäten scheinen sich derzeit fast ausschließlich auf Baden-Württemberg zu konzentrieren. Bei der „Lederhosen Revolte“ handelt es sich damit um die derzeit einzige aktive IB-Regionalorganisation in Bayern. Die Aktionsschwerpunkte lagen in München und Südbayern, wobei die Aktivisten der „Lederhosen Revolte“ auch an Aktionen der IB außerhalb Bayerns teilnahmen.

An Aktionen der IB, insbesondere der Gruppierung „Lederhosen Revolte“, beteiligten sich regelmäßig auch Mitglieder der rechtsextremistischen Aktivitas der „Burschenschaft Danubia München“.

Informationen zu Aktionen in Schwaben können unter der Rubrik Besondere Ereignisse und Aktivitäten nachgelesen werden.

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Extremistische Agitation im Internet

Rechtsextremistische Gruppierungen und Akteure nutzen in hohem Maße die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation. Dies gilt auch für Rechtsextremisten in Schwaben. Zu ihren Zielen gehört es dabei, Szeneangehörige und Sympathisanten aufzuwiegeln und mit ihren Inhalten möglichst hohe Reichweiten über das eigene Milieu hinaus zu erzielen, um Einfluss auf den öffentlichen Diskurs zu nehmen. Zudem sind Rechtsextremisten bestrebt, sich im Internet miteinander zu vernetzen. Dies trifft nicht nur auf Akteure zu, die auch in der Realwelt Szenekontakte pflegen. Mittlerweile sind vermehrt Personen festzustellen, deren Radikalisierung und Vernetzung mit anderen Rechtsextremisten ausschließlich online stattfindet.

Rechtsextremisten nutzen im Internet neben klassischen Internetseiten und Onlineblogs auch zahlreiche bekannte Messenger­dienste (z.B. WhatsApp und Threema), Videoplattformen (z.B. YouTube) und soziale Netzwerke (z.B. Facebook, X, Instagram und TikTok). Auch aus der Gamingszene bekannte Kooperations­- und Streaming-­Plattformen wie Discord oder Steam spielen eine Rolle.

Rechtsextremistische Akteure nutzen das Internet, um manipulative und extremistische Inhalte zu verbreiten. Sie wollen ein Klima von Misstrauen und Hass z. B. gegenüber Geflüchteten und Andersdenkenden, aber auch gegenüber etablierten Medien, staatlichen Einrichtungen und dem demokratischen Prozess schaffen. Soziale Medien bieten diesen Einzelpersonen niedrigschwellige Möglichkeiten, in virtuellen Räumen verfassungsfeindliche Propaganda zu betreiben, sich zu vernetzen und Aktionen zu planen, die im äußersten Fall zur Begehung von schweren Straftaten in der Realwelt, wie Angriffen gegen Repräsentanten des Staates und der Politik, führen können.

Daher spielt das Internet auch bei Radikalisierungsprozessen, die von einer realweltlichen rechtsextremistischen Szene losgelöst sind, eine zentrale Rolle.

Jugendliche und junge Erwachsene vernetzen und radikalisieren sich insbesondere auch in rechtsextremistischen Chatgruppen. Derartige Chatgruppen sind oftmals von Gewalt und Hass geprägt und schaffen so ein Klima, das den Abbau von Hemmschwellen zur Gewaltanwendung begünstigt. Mit Blick auf das Radikalisierungspotenzial im Netz gilt Personen und Gruppierungen, die mit Amokläufern und Attentätern sympathisieren, seit Jahren ein besonderes Augenmerk.  Anhänger der „Attentäter-Fanszene“ vernetzen sich virtuell, um ihre gewalttätigen Vorbilder zu ehren sowie teils rassistisch geprägte Gewaltfantasien miteinander zu teilen. Dabei handelt es sich um eine digitale Subkultur, die Amoktäter sowie ideologisch unterschiedlich motivierte Attentäter als „Heilige“ („Saints“) verehrt.  Bei nihilistischen und sadistischen Online-­Subkulturen, liegt der Schwerpunkt auf kriminellen Aktivitäten, wie der sexuellen Anbahnung an Minderjährige im Internet, oder der Erpressung durch Nacktaufnahmen. Antrieb für solche Taten ist oftmals auch ein allgemeiner Hass auf die Menschheit. Aufgrund des insgesamt destruktiven und stark gewaltverherrlichenden Charakters solcher Netzwerke bestehen teilweise aber auch Anknüpfungspunkte zum gewaltorientierten Rechtsextremismus, insbesondere zur Siege-­Culture.

Das Internet bietet Nutzern neben diversen Kommunikations-­ und Vernetzungsmöglichkeiten auch vielfältige Potenziale im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI). Die Anwendungsbereiche erstrecken sich dabei von der Bilderstellung über die Bildmanipulation bis hin zur Erstellung von sog. „Deepfakes“, die allgemein als Form der KI­-basierten Bild­- und Audiobearbeitung gelten und biometrische Merkmale von Personen wie Aussehen, Mimik oder Stimme täuschend echt imitieren. Im Phänomenbereich Rechtsextremismus war zuletzt vermehrt die Nutzung solcher Technologien festzustellen. Insbesondere authentisch wirkende Bilder und Videos werden von Rechtsextremisten zielgruppenorientiert für Propagandazwecke genutzt.

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Extremistische Agitation durch Musik­veranstaltungen

Rechtsextremistische Musik ist ein wesentliches Eintrittstor in die rechtsextremistische Szene. So nutzen Szeneangehörige auch Musik, um Jugendliche mit rechtsextremistischem Gedankengut in Kontakt zu bringen. Teilweise wird weiterhin verkürzt von „Rechtsrock“ gesprochen, obwohl das Angebot an rechtsextremistischer Musik längst zahlreiche unterschiedliche Stile und Zielrichtungen umfasst, die von Skinheadmusik und Balladen über Black Metal bis hin zu Hip Hop und Techno reichen. Die Texte enthalten meist nationalistisches, fremdenfeindliches, antisemitisches und antidemokratisches Gedankengut.

Teilweise adaptieren Rechtsextremisten auch populäre, nicht­-extremistische Musiktitel. Problematisch ist diese Entwicklung zu Coversongs auch deshalb, weil unbedenkliche Lieder auf diese Weise ein „Doppelleben“ entwickeln und, auch ganz ohne extremistischen Text, zum Erkennungszeichen oder Meme extremistischer Akteure aufgeladen werden können. Zudem können Rechtsextremisten über die Kaperung eines bereits bekannten Hits leichter provozieren und damit größere Aufmerksamkeit erlangen.

Rechtsextremistische Musikveranstaltungen (Konzerte und Liederabende) im In- und Ausland ermöglichen es Szeneangehörigen zudem, neue Kontakte aufzubauen, sich szeneintern zu vernetzen oder Einkünfte zu generieren.

In Bayern finden seit vielen Jahren keine Musikgroßveranstaltungen mehr statt. Als allgemeiner Trend lassen sich kleinere Veranstaltungen und Musikveranstaltungen im europäischen Ausland feststellen, zu denen auch Personen aus Bayern anreisen. In Bayern überwiegt die Zahl der Musikveranstaltungen, die in kleinem Kreis und privaten Rahmen oft konspirativ durchgeführt werden.

In Schwaben wurden im Jahr 2025 keine rechtsextremistischen Musikveranstaltungen bekannt.

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Reichsbürger und Selbstverwalter

Szene

Das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz beobachtet die Reichsbürger- und Selbstverwalterszene als sicherheitsgefährdende Bestrebung. In kleinen Teilen der Szene finden sich auch ideologische Überschneidungen mit dem Rechtsextremismus insbesondere dort, wo sich Versatzstücke nationalsozialistischer, antisemitischer und revisionistischer Denkmuster wiederfinden.

Zur Reichsbürger- und Selbstverwalterszene in Bayern zählen unter anderem folgende Gruppierungen:

Vaterländischer Hilfsdienst (VHD), Königreich Deutschland (KRD), seit 13. Mai 2025 verboten und Indigenes Volk Germaniten (IVG).

Auch in Schwaben sind vereinzelt Aktivitäten dieser Gruppierungen bekannt geworden.

In Bayern liegen zu rund 5.008 Personen belastbare Hinweise bezüglich ihrer Zugehörigkeit zur Reichsbürger- und Selbstverwalterszene vor. In Schwaben beläuft sich die Zahl mit Stand 31. März 2026 auf 679 Personen (PP Schwaben Nord: 358, PP Schwaben Süd/West: 321).

Die Zahl der Reichsbürger in Bayern, die auch in rechtsextremistischen Zusammenhängen bekannt geworden sind, beläuft sich auf ca. 140 Personen. Dabei handelt es sich vorwiegend um Einzelpersonen, die keinen konkreten Strukturen zugerechnet werden können und Ideologieelemente aus beiden Phänomenbereichen vertreten. Insbesondere bei den Themen Antisemitismus und Gebietsrevisionismus gibt es Überschneidungen zwischen Personen aus der rechtsextremistischen Szene und Reichsbürgern. Auch zum Phänomenbereich verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staates besteht in Teilen eine inhaltliche Nähe. Eine strukturelle Zusammenarbeit mit Personen aus diesen Phänomenbereichen ist aber weiterhin nicht erkennbar.

Aktuelle Situation

Reichsbürger und Selbstverwalter
in Schwaben



Ideologie und Aktivitäten

Reichsbürger bewegen sich in einem für sie geschlossenen Weltbild. Der Glaube daran, dass deutsche Gesetze für sie keine Gültigkeit hätten, führt dazu, dass staatliche Maßnahmen als unrechtmäßig empfunden werden. Gewalttaten richten sich daher in aller Regel gegen staatliche Maßnahmen beziehungsweise gegen Vertreter des Staates. Solche Gewalttaten werden innerhalb der Szene in der Regel als Notwehr gegen den Staat gedeutet. Gewalttäter erfahren dementsprechend nach einschlägigen Vorfällen solidarisierenden Zuspruch. Bei Einzelpersonen, die ideologisch besonders gefestigt erscheinen, ist eine Häufung politisch motivierter Straftaten feststellbar, insbesondere Beleidigungs- und Nötigungsdelikte, in Einzelfällen auch Erpressungsdelikte. Darüber hinaus werden innerhalb der Szene regelmäßig reichsbürgertypische Musterschreiben verbreitet, die häufig als Reaktion auf Bußgeldbescheide an öffentliche Stellen adressiert werden. Diese erfüllen u.a. aufgrund der enthaltenen Schadensersatzforderungen die Straftatbestände der Erpressung, Nötigung und Bedrohung.

Angehörige der Reichsbürger­- und Selbstverwalterszene entfalten gegenüber staatlichen Institutionen eine Vielzahl von Aktivitäten, die – wie das Erstellen von Fantasiedokumenten – zum Teil Ausdruck ihrer Ideologie sind, aber auch auf das Lahmlegen der öffentlichen Verwaltung abzielen. In Einzelfällen kommt es auch zu Gewaltandrohung bzw. ­anwendung gegenüber staatlichen Repräsentanten. Trotz drohender staatlicher Maßnahmen treten Reichsbürger und Selbstverwalter dabei häufig offen und unter Nennung ihrer Personalien in Erscheinung.

Es ist davon auszugehen, dass sich abhängig von der Entwicklung der tagespolitischen Ereignisse auch Angehörige der Reichsbürger-­ und Selbstverwalterszene weiterhin an Protestveranstaltungen und Demonstrationen beteiligen werden, um ihre Ideologie zu verbreiten und interessierte Personen anzusprechen.

Waffenaffinität

Auch zeigt eine Vielzahl von Sachverhalten die hohe Waffenaffinität bei Angehörigen der Reichsbürger- und Selbstverwalterszene. Sie besitzen zum einen häufig erlaubnisfreie Waffen, die sie zur vermeintlichen Selbstverteidigung und zur Durchsetzung ihrer Ziele einsetzen könnten. Zum anderen werden oft nicht nur legale, (noch) im Besitz befindliche Waffen festgestellt, sondern auch illegale Waffen bis hin zu ganzen Waffenarsenalen. Folglich besteht die Notwendigkeit, den Waffenbesitz innerhalb der Szene weiterhin konsequent aufzudecken und zu unterbinden, aber auch den Besitz erlaubnisfreier Waffen im Blick zu behalten. Zur Eindämmung des Gefährdungspotenzials durch den Waffenbesitz von Reichsbürgern werden regelmäßig und systematisch waffenrechtliche Erlaubnisse überprüft und, wo möglich, entzogen. Jede waffenrechtliche Erlaubnis setzt eine waffenrechtliche Zuverlässigkeit voraus. Diese ist bei Angehörigen der Reichsbürger- und Selbstverwalterszene aber regelmäßig zu verneinen, da die Nichtanerkennung des Staates und seiner Gesetze ein Kernbestandteil der Ideologie ist.

Straftaten

Straftaten von Angehörigen der Reichsbürger- und Selbstverwalterszene werden seit dem Jahr 2017 gesondert erfasst.

In 2025 wurden insgesamt 47 (2024: 107) extremistische Straftaten gezählt, darunter 9 Gewaltdelikte (2024: 26). Den Schwerpunkt bei den insgesamt rückläufigen Gewaltdelikten bildeten mit 5 Taten erneut die Erpressungsdelikte (2024: 22). Die Zahl der Widerstandsdelikte bewegte sich mit 3 Taten (2024: 2) auf annährend gleichem Niveau. Mit 15 Taten (2024: 55) stellten Nötigungs­ und Bedrohungsdelikte weiterhin den Schwerpunkt der insgesamt 37 sonstigen Straftaten dar (2024: 81). In weiteren 6 Fällen handelte es sich um Beleidigungsdelikte sowie in 2 Fällen um Üble Nachrede/Verleumdung von Politikern. Einzelne Personen sind u.a. wegen des gefährdenden Verbreitens personenbezogener Daten, Volksverhetzung, Umgang mit explosiven Stoffen sowie Verschaffen von falschen amtlichen Ausweisen aufgefallen.

An weiteren Infos interessiert? Mehr zu diesem Thema kann hier nachgelesen werden.

Verfassungsschutz­­relevante Delegitimierung des Staates

Bestrebungen, die basierend auf einem von Verschwörungstheorien geprägten Staats- und Elitenhass in demokratiefeindlicher Weise darauf abzielen, wesentliche Verfassungsgrundsätze außer Geltung zu setzen oder die Funktionsfähigkeit des Staates erheblich zu beeinträchtigen, ohne dabei die Wesensmerkmale extremistischer Bestrebungen eines anderen Phänomenbereichs, wie etwa des Rechtsextremismus, aufzuweisen, werden dem Phänomenbereich der verfassungsschutzrelevanten Delegitimierung des Staates zugerechnet. Hierzu zählen auch Bestrebungen, die sich durch eine agitatorische Verächtlichmachung des Staates gegen das Demokratieprinzip richten, die durch ihre Demokratiefeindlichkeit angetrieben zu extremistisch motivierten Straf- und Gewalttaten aufrufen oder sich unter Verkennung der Art. 20 Abs. 4 Grundgesetz zugrundeliegenden Voraussetzungen auf ein vermeintliches Widerstandsrecht berufen und sich dabei gegen das Rechtsstaatsprinzip stellen.

Das Personenpotenzial im Phänomenbereich verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staates liegt in Bayern derzeit im mittleren zweistelligen Bereich.

Personen, die in ihrem Aktivismus gegen die staatlichen Corona-Schutzmaßnahmen nachdrücklich verfassungsfeindliche Ziele verfolgt haben, führten diesen Aktivismus in den meisten Fällen auch im Jahr 2023 fort. Angetrieben durch den Glauben an diffuse Verschwörungstheorien versuchen sie auch in ihrem Umfeld einen Vertrauensverlust in den demokratischen Verfassungsstaat und dessen Repräsentanten herbeizuführen.

Mit dem Rückgang der realweltlichen Veranstaltungen und Aktivitäten der in ihrer Gesamtheit nicht extremistischen Corona-Protestszene verlagerte sich die Agitation der Delegitimiererszene 2023 zunehmend in den virtuellen Raum. Dieser wurde mit seinen Echokammern und der Möglichkeit sich zu vernetzen für Viele zu einem Rückzugsort. Innerhalb der zumeist themen- oder anlassgebundenen Kanäle und Gruppen treffen Angehörige des Phänomenbereiches auch auf Personen, die zuvor noch nicht mit verfassungsschutzrelevanten Bestrebungen in Kontakt gekommen sind. So werden Hass, Hetze und Gewaltfantasien innerhalb der sozialen Medien verbreitet und können somit bei den jeweiligen Chatteilnehmern ein Klima der Unzufriedenheit und Angst erzeugen. Nicht selten kommt es dabei, angeheizt durch unmoderierte Chatverläufe, zu Radikalisierungsverläufen.

Aussagen von Szeneangehörigen richten sich zum Teil auch gegen die körperliche Unversehrtheit von Politikerinnen und Politikern. In zahlreichen Fällen wurde öffentlich konkret dazu aufgerufen, Straftaten zu begehen.

Es lassen sich in Bayern – und damit auch in Schwaben – derzeit keine festen Strukturen ausmachen. Feststellbar sind Vernetzungsbestrebungen vor allem im virtuellen Raum, dort überwiegend auf Kommunikationsplattformen wie Telegram.

Linksextremismus

Die Bayerische Polizei zur aktuellen Lage

Straftaten der Politisch motivierten Kriminalität

Sicherheitsberichte der Polizeipräsidien Schwaben Nord und Schwaben Süd/West zur Politisch motivierten Kriminalität (PMK)

Anmerkung zu „Politisch motivierte Kriminalität“ (PMK): Als PMK werden alle Straftaten bezeichnet und erfasst, die einen oder mehrere Straftatbestände der sogenannten klassischen Staatsschutzdelikte erfüllen, selbst wenn im Einzelfall eine politische Motivation nicht festgestellt werden kann. Bei Straftaten, die auch in der Allgemeinkriminalität begangen werden können, erfolgt eine Würdigung der Gesamtumstände (siehe Bericht des Bundesamts für Verfassungsschutz 2025, Seite 24).

Sicherheitsbilanz 2025 – Polizeipräsidium Schwaben Nord

Im Jahr 2025 wurden im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Nord insgesamt 458 Straftaten aus dem Phänomenbereich der Politisch motivierten Kriminalität (PMK) festgestellt. Gegenüber dem Vorjahr mit 468 Delikten ist hier ein Rückgang der Fallzahlen um 2,1 % zu verzeichnen.

Für den Bereich der Politisch motivierten Kriminalität -links- wurden insgesamt 43 (Vorjahr: 37) Straftaten registriert. Gegenüber dem Vorjahr ist hier ein erneuter Anstieg der

Fallzahlen um 16,2 % zu verzeichnen. Für den Bereich der Hasskriminalität konnten 2 Fälle (Vorjahr: 4) festgestellt werden.

An weiteren Infos interessiert? Der Gesamtbericht des Polizeipräsidiums Schwaben Nord kann hier nachgelesen werden.

Jahresbericht 2025 – Polizeipräsidium Schwaben Süd/West

Mit 37 Fällen in 2025 blieb die Anzahl der Delikte im Bereich der PMK -links- (Vorjahr: 22) auf dem vergleichsweise niedrigen Niveau der Vorjahre. Bei 20 der 37 Delikte handelte es sich um Sachbeschädigungen, welche größtenteils in Zusammenhang mit der vorgezogenen Bundestagswahl 2025 begangen wurden.

Die Anzahl an Gewaltdelikten im Bereich PMK -links- bewegt sich im Schutzbereich des PP Schwaben Süd/West seit Jahren auf einem sehr niedrigen

Niveau. Für 2025 konnten vier linksmotivierte Körperverletzungen erfasst werden.

An weiteren Infos interessiert? Der Gesamtbericht des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West kann hier nachgelesen werden.

Linksextremistische Szene in Schwaben

Ziel der linksextremistischen Szene ist es, die durch das Grundgesetz vorgegebene Staats- und Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland zu beseitigen und – je nach ideologisch-politischer Orientierung – durch eine sozialistische, kommunistische oder eine „herrschaftsfreie“ Gesellschaft zu ersetzen. Die linksextremistischen Vorstellungen richten sich insbesondere gegen durch das Grundgesetz garantierte Grundrechte, die parlamentarische Demokratie, die Gewaltenteilung, die Volkssouveränität, das Rechtsstaatsprinzip und den Pluralismus.

Die freiheitliche demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland wird als „kapitalistisches System“ und als Wurzel des Faschismus diffamiert und soll abgeschafft werden. In der linksextremistischen Szene bilden Autonome den weitaus größten Teil des gewaltbereiten Personenpotenzials.

Autonome haben zwar keine einheitliche Ideologie, Ziel aller Autonomen ist es aber, den Staat und seine Einrichtungen zu zerschlagen. Neben Sachbeschädigungen wenden Autonome auch Gewalt gegen Personen – vor allem gegen tatsächliche oder vermeintliche Angehörige der rechtsextremistischen Szene und gegen Polizeikräfte – an, um ihre Vorstellungen durchzusetzen. Die Szene besetzt dabei auch Themen, die an sich nicht extremistisch sind. Ihr Ziel ist es dabei aber in erster Linie, ihre linksextremistischen politischen Positionen zu verbreiten. Hierzu werden vor allem aktuelle, gesellschaftlich relevante Themen wie die Bundespolitik, Klima­ und Umweltschutz oder der Nahost-­Konflikt aufgegriffen. So werden seit Beginn des Russland-Ukraine-Kriegs die politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen auf Deutschland thematisiert und der Kontakt zu bürgerlich-demokratischen Organisationen gesucht, um die Akzeptanz der eigenen antidemokratischen Standpunkte zu erhöhen. In Bayern gehören etwa 820 Personen zur autonomen bzw. anarchistischen Szene.

Die derzeit existierenden linksextremistischen Gruppen bilden daher zu einer Vielzahl von Themen (z.B. Antifaschismus, Klima, Feminismus, Antimilitarismus) Untergruppierungen, die sich in den sozialen Medien präsentieren und für ihre jeweiligen Anliegen werben. Vordergründig handelt es sich dabei um unabhängig voneinander agierende Gruppen, die aber im Hintergrund von einem kleinen linksextremistischen Aktivistenstamm bzw. entsprechenden Kerngruppen angeleitet werden.

Aktuell zeichnet sich die linksextremistische autonome Szene durch folgende Aspekte aus:

  • unverbindliche Strukturen mit niedrigschwelligen Angeboten
  • geringer ideologischer Anspruch
  • Fokussierung auf spezifische Themenfelder
  • kurzfristige Bildung neuer Gruppen
  • kleinteilige Gruppen mit häufig wechselnden Personen
  • informelle Hierarchien gepaart mit der Möglichkeit für neue Interessierte, sich schnell einzubringen
  • Aktions- und Erlebnisorientierung
  • starke Präsenz in den sozialen Medien
  • Vernetzung mit anderen gleichgesinnten Gruppen

Seit einigen Jahren engagieren sich linksextremistische Gruppen in Bayern verstärkt im Bereich Klima- und Umweltschutz. Bei der linksextremistischen Klimaschutzkampagne „Ende Gelände“ nehmen Szeneangehörige eine tragende Rolle ein.

In Bayern unterhält das linksextremistische Klimabündnis „Ende Gelände“ Ortsgruppen in Augsburg, Erlangen, München, Nürnberg, Regensburg und Würzburg.  Aktivisten von „Ende Gelände“ besetzten am 4. September 2025 im bayerischen Reichling einen Gasbohrturm, um für einen Gasausstieg zu demonstrieren. In den sozialen Medien wurde hierzu ein Video mit dem Titel „We shut shit down“ veröffentlicht.

Angehörige der linksextremistischen Szene verüben immer häufiger konspirativ geplante Straftaten wie Brandanschläge, zu denen im Nachgang auf einschlägigen Internetportalen anonyme Selbstbezichtigungsschreiben veröffentlicht werden. Anschlagsziele sind vor allem Unternehmen der Rüstungsindustrie und die Deutsche Bahn AG, die ihm Rahmen linksextremistischer „Anti-Militarismus“-Kampagnen im Fokus gewaltbereiter Szeneakteure stehen.

Linksextremistische Agitation und Übergriffe richten sich vermehrt auch gegen Einzelpersonen, die z.B. aufgrund von Äußerungen, Berufszugehörigkeit oder der Teilnahme an einer Veranstaltung gezielt angegriffen werden. Auch Presseangehörige stehen im Fokus linksextremistischer Gewalttäter, ebenso wie Personen, die sich von der Szene losgesagt haben.

Auch in Schwaben sind Aktivitäten der linksextremistischen Szene festzustellen.

Die SDAJ, vormals Jugendorganisation der DKP, ist nun eine eigenständige Organisation. Sie pflegt aber weiterhin enge Kontakte zur DKP. In Bayern bestehen Ortsgruppen der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) in München, Landshut, Nürnberg, Neumarkt in der Oberpfalz, Regensburg und auch in Kempten.

Am 24. Februar 2025 führte das „Solidaritätsnetzwerk“ nach eigenen Angaben in Augsburg eine Kundgebung anlässlich der Wahl von Friedrich Merz zum Bundeskanzler durch.

Analog zum Bedeutungsverlust des Themenfeldes „Klimaschutz“ in der linksextremistischen Szene, gab das in Augsburg bestehende „antikapitalistische Klimatreffen“ Mitte September 2025 in einem Statement in den sozialen Medien bekannt, dass es seine diesbezüglichen Aktivitäten pausieren werde, da der „Kampf um Klimagerechtigkeit“ in der Krise stecke.

Die autonome Szene in Augsburg wurde durch das „Offene Antifaschistische Treffen Augsburg“ (OAT Augsburg) und das „Offenes Antikapitalistisches Klimatreffen Augsburg“ (OAKA) dominiert. Letzteres gab Mitte September sowohl auf Social Media als auch auf seiner Webseite die vorläufige Einstellung seiner Aktivitäten bekannt. Interessierte verwies das OAKA darauf, sich künftig an das OAT Augsburg zu wenden. Beide Gruppen halten ihre Veranstaltungen in dem Szenelokal „Ganze Bäckerei“ ab, wo auch die Augsburger Ortsgruppe des „Rote Hilfe e.V.“ ihre Kontaktadresse hat. Die beiden autonomen Gruppierungen arbeiten jedoch daran, unter dem Namen „Linkes Zentrum Lilly Prem“ ein eigenes Zentrum aufzubauen, für das bereits eine Webseite erstellt wurde. Die Namensähnlichkeit von Gruppierungen der autonomen Szene in München und Augsburg kann als Indiz für eine enge Verbundenheit untereinander verstanden werden, die sich auch auf die autonome Szene in Rosenheim erstrecken dürfte.

Aktuelle Informationen über Aktivitäten der Linksextremistischen Szene in Schwaben können unter der Rubrik „Besondere Ereignisse und Aktivitäten nachgelesen werden.

An weiteren Infos zum Linksextremismus interessiert?  Mehr zu diesem Thema kann hier nachgelesen werden.

Situation vor Ort

Aktuelle Ereignisse und Szene-Aktivitäten in Ihrem Regierungsbezirk

Hier finden Sie Informationen zu Akteuren und Aktivitäten aus allen extremistischen Phänomenbereichen in Ihrem Regierungsbezirk.

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