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Linksextremismus in Bayern: Situation, Zahlen, Statistik

Die aktuelle Situation mit Blick auf Linksextremismus im Freistaat – besonders im Fokus, einschließlich spezifischer Zahlen und Statistiken: Das Personenpotenzial der linksextremistischen Szene und die Entwicklung der linksextremistischen bayerischen Autonomen.

Personenpotenzial

Das linksextremistische Personenpotenzial in Bayern belief sich Ende 2024 auf insgesamt rund 3.100 Personen (2023: 3.260). Darunter waren rund 920 gewaltorientierte Personen (2023: 840).

202220232024
Parteien und Vereinigungen
Partei DIE LINKE, offen extremistische Strukturen800800700
Deutsche Kommunistische Partei (DKP)270250220
Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (mit Jugendorganisation REBELL)140120110
Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ)110110110
Rote Hilfe1.1001.1501.200
Sonstige Gruppierungen360360140
Autonome/Anarchisten810800870
Summe3.6403.5903.350
Mehrfachzählungen1440330250
Gesamtzahl3.2003.2603.100
Gewalt­orientierte Personen von der Gesamtzahl2880840920

Die Zahlen sind geschätzt und gerundet.
1 Die Mehrfachmitgliedschaften im Bereich Parteien und sonstige Zusammenschlüsse werden vom Gesamtpotenzial abgezogen.
2 Dazu zählen gewalttätige, gewaltbereite, Gewalt unterstützende und Gewalt befürwortende Personen.
Quelle: Verfassungsschutzbericht Bayern 2024

Straf- und Gewalttaten

Die Gesamtzahl linksextremistischer Straftaten in Bayern ist 2024 gesunken. Während im Jahr 2023 insgesamt 378 Straftaten zu verzeichnen waren, wurden 2024 insgesamt 272 Straftaten gezählt. Nach wie vor stellen Sachbeschädigungen mit 212 Delikten den Großteil der Straftaten dar. Auch die Zahl der linksextremistischen Gewalttaten in Bayern fiel 2024 auf 16 Delikte. Die Zahl der Brand- und Sprengstoffdelikte fiel mit neun Delikten im Vergleich zum Vorjahr (2023: 21) stark ab. Wie in 2023 wurde die Mehrzahl dieser Delikte (fünf) im Großraum München begangen; in fünf Fällen handelte es sich um Angriffe auf die Infrastruktur.

Quelle: Verfassungsschutzbericht Bayern 2024

202220232024
Politisch motivierte Gewaltdelikte
Tötungsdelikte (auch Versuch)1
Körperverletzungen21184
Brand- und Sprengstoffdelikte6219
Landfriedensbruch1
Raub11
Widerstandsdelikte1083
Gefährlicher Eingriff in Bahn-, Schiffs- und Luftverkehr21
Sonstige Gewalttaten
Gesamt424916
Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat/Terrorismus1
Sonstige Straftaten
Sachbeschädigungen267249212
Propragandadelikte5510
Nötigung/Bedrohung954
Volksverhetzung191171170
Sonstige Straftaten41169230
Gesamt322328256
Straftaten insgesamt364378272

1 Darunter drei Volksverhetzungsdelikte und zwei Delikte der Bildung krimineller Vereinigungen.
2 Darunter zwei Volksverhetzungsdelikte.
Quelle: Verfassungsschutzbericht Bayern 2024

Podcast

Was wollen Linksextremisten?

„Abgehört“ – Der Podcast des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz.

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Autonome Szene in Bayern

In modernen, individualisierten Gesellschaften verlieren traditionelle gesellschaftliche Orientierungspunkte an Relevanz. Die Frage nach der Verortung der eigenen Identität gewinnt an Bedeutung und ist – auch aufgrund der Informationsflut in den sozialen Medien – gleichzeitig immer schwerer zu beantworten. Mit welchen Gruppen sich Menschen identifizieren und für welche Themen sie sich engagieren, unterliegt einem sich stets beschleunigenden Wechsel.

Die Corona-Krise hat diese Entwicklung zusätzlich verstärkt. Davon ist auch die linksextremistische Szene betroffen, die sich schon immer durch Unübersichtlichkeit und Fragmentierung ausgezeichnet hat. Da die autonome Szene vor allem aus Heranwachsenden und jungen Erwachsenen besteht, bei denen sich Orientierung und Lebensverhältnisse auch kurzfristig stark verändern können, etablieren sich szeneintern nur selten langfristig stabile Gruppenstrukturen.

Der Fortbestand der wenigen etablierten Gruppierungen der autonomen Szene sowie deren Aktivitätsniveau hängt von Kerngruppen oder Einzelpersonen ab. Zugleich erleichtern es die sozialen Medien, Menschen mit gesellschaftspolitischen Themen anzusprechen bzw. zu mobilisieren. Dabei setzt die Szene oft auf das Format der „Offenen Antifaschistischen Treffen“ (OAT), die interessierten Personen einen niedrigschwelligen Erstkontakt ermöglichen sollen. Durch die OAT kann dann ein Zugang zu Gruppen mit entsprechenden Themenfeldern vermittelt werden, die mit den persönlichen Neigungen und Interessen korrespondieren.

Die derzeit existierenden linksextremistischen Gruppen bilden daher zu einer Vielzahl von Themen (z. B. Antifaschismus, Klima, Feminismus, Flüchtlingshilfe) Untergruppierungen, die sich in den sozialen Medien präsentieren und für ihre jeweiligen Anliegen werben. Vordergründig handelt es sich dabei um unabhängig voneinander agierende Gruppen, die aber im Hintergrund von einem kleinen linksextremistischen Aktivistenstamm bzw. entsprechenden Kerngruppen angeleitet werden. Aktuell zeichnet sich die linksextremistische autonome Szene durch folgende Aspekte aus:

  • unverbindliche Strukturen mit niedrigschwelligen Angeboten
  • geringer ideologischer Anspruch
  • Fokussierung auf spezifische Themenfelder
  • kurzfristige Bildung neuer Gruppen
  • kleinteilige Gruppen mit häufig wechselnden Personen
  • informelle Hierarchien gepaart mit der Möglichkeit für neue Interessierte, sich schnell einzubringen
  • Aktions- und Erlebnisorientierung
  • starke Präsenz in den sozialen Medien
  • Vernetzung mit anderen gleichgesinnten Gruppen

Durch diese Entwicklung haben autonome Szenetreffs, sog. „autonome Zentren“, an Bedeutung gewonnen. Sie stellen Linksextremisten Räume zur Verfügung, um mit Gleichgesinnten zusammenzukommen und in den direkten Austausch mit interessierten Personen treten zu können. Demgegenüber können unerwünschte Personen bzw. Gruppierungen schnell ausgeschlossen werden. Diese Trefförtlichkeiten von Autonomen werden häufig auch von anderen, nichtextremistischen Gruppen genutzt (Mischnutzung).

Quelle: Verfassungsschutzbericht Bayern 2024

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