Situation in Schwaben
Hier finden Sie regelmäßig aktualisierte Informationen zur Situation vor Ort im Regierungsbezirk mit Blick auf Akteure und Aktivitäten der extremistischen Szenen des Rechtsextremismus, der Reichsbürger und Selbstverwalter, des Linksextremismus sowie der Verfassungsschutzrelevanten Delegitimierung des Staates.

Besondere Ereignisse und Aktivitäten
Die Bayerische Informationsstelle gegen Extremismus (BIGE) führte bis zum 30. September 2025 70 Workshops für Schülerinnen und Schüler, sowie acht Veranstaltungen für Lehrkräfte im Regierungsbezirk Schwaben durch. Diese Veranstaltungen finden sowohl anlassbezogen als auch anlassunabhängig statt.
Anlassbezogene Vorträge und Beratungen an Schulen erfolgen sowohl auf Anfragen von Seiten der Schulen als auch eigeninitiativ durch die BIGE, wenn diese Kenntnisse über Vorfälle mit Bezug zum Rechtsextremismus erhält. Beispielhaft zeigt sich dies durch: Zeigen des „Hitlergrußes“ oder Skandieren von „Heil Hitler“, Öffentliches Zeigen verbotener rechtsextremistischer Symbole wie zum Beispiel das Hakenkreuz, rechtsextremistische Schmierereien an Schulgebäuden oder am Mobiliar im Klassenzimmer, rassistische, herabwürdigende oder beleidigende Äußerungen gegenüber anderen Schülerinnen und Schülern oder auch Lehrkräften oder durch bekannt werden von Aktivitäten von als extremistisch eingestuften Gruppierungen oder Einzelpersonen an Schulen oder Bildungseinrichtungen.
Auch im digitalen Bereich finden derartige Aktionen zum Beispiel in Form von Postings in Klassenchats (Darstellung Adolf Hitlers, verbotener Symbole wie des Hakenkreuzes oder antisemitische Darstellungen) oder auf Social Media statt. Auch gewaltverherrlichende Posts sind zu verzeichnen.
Die BIGE steht hierbei auch in engem Kontakt sowohl mit den jeweiligen Jugendbeamten der Polizei und den Kriminalpolizeiinspektionen als auch den jeweiligen Regionalbeauftragten für Demokratie und Toleranz.
Anlässlich des Volkstrauertages am 16. November führten auch dieses Jahr wieder verschiedene rechtsextremistische Akteure Gedenkaktionen durch.
So organisierten Mitglieder des NPD Kreisverbandes Lichtenfels / Kronach ein sogenanntes Heldengedenken. Die Aktion fand im Raum Kronach statt und wurde in Sozialen Medien in Form von Kurzvideos veröffentlicht.
Die neonazistische Kleinstpartei „Der Dritte Weg“ (III. Weg) berichtete auf ihrer Webseite über eine Aktion an einer Gedenkstätte in Deggendorf und veröffentlichte hierzu ein Bild mit beteiligten Personen.
Am Wochenende des Volkstrauertages konnte die Polizei Memmingen an mehreren Friedhöfen und Kriegerdenkmalen im Allgäu abgelegte Bilder mit Bezug zur Thematik des rechtsextremistischen „Heldengedenkens“ feststellen. An einigen Gedenkstätten wurde zudem ein gebundenes Birkenholzkreuz abgelegt. Auf einem Friedhof war dem Birkenkreuz zudem ein Stahlhelm (ohne Insignien) aufgesteckt.
Bei diesen Bildern handelte es sich um einen DIN A4 Ausdruck in schwarz/weiß mit den Zeilen „November 2025 – Heldengedenken“ sowie „Sie gaben alles, was sie hatten – ihr Leben, ihre Hoffnung, ihre Zukunft. Ihr Mut und Einsatz bleiben unvergessen, ihr Opfer unsere Verpflichtung!“ und dem Abbild eines Holzkreuzes auf dem ein Stahlhelm mit Einschussloch angebracht ist. Der Ausdruck war in einem Bilderrahmen eingefasst und an den Denkmälern sichtbar abgelegt. Die abgelegten Devotionalien können aufgrund ihrer Aufmachung mit hoher Wahrscheinlichkeit der rechtsextremistischen Szene zugeordnet werden.
Die Aktionen zeigen, dass das Gedenken an die deutschen Opfer der Weltkriege, verbrämt als sogenanntes „Heldengedenken“, für Rechtsextremisten unterschiedlichster Ausrichtung zwar weiterhin von Bedeutung ist, große öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen dieses Jahr, wie bereits in den Vorjahren, jedoch nicht mehr festzustellen sind.
Über die sozialen Medien kündigten die rechtsextremistischen Rapper PROTO und KAVALIER, die beide auch Bezüge zur Identitären Bewegung aufweisen, im Rahmen ihrer „Abschiebehauptsaison Tour 2025“ ein Konzert für den 15. August 2025 im „Raum Ulm / Bayern“ an. Aufgrund der unkonkreten Ortsangabe war zunächst unklar, ob die Veranstaltung in Bayern oder Baden-Württemberg stattfinden soll. Darüber hinaus meldete ein Verantwortlicher des rechtsextremistischen Labels NDS Records (kurz für Neuer Deutscher Standard) zwischenzeitlich eine private Veranstaltung in Bayern an. Dabei handelt es sich innerhalb der rechtsextremistischen Musikszene um eine gängige Praxis, Konzertveranstaltungen als private Veranstaltungen auszugeben bzw. keine konkreten Ortsangaben zu nennen, um möglichen Verbotsverfügungen zu entgehen.
Nach Bekanntwerden der Örtlichkeit wurden Aufenthaltsverbote gegen die beiden Musiker und ein Veranstaltungsverbot gegen NDS Records als Anzeiger der Veranstaltung ausgesprochen, die gerichtlich bestätigt wurden.
Die Veranstaltung wurde daraufhin nach Illertissen verlegt. Dort hat die Polizei ca. 45 Personen, die augenscheinlich mehrheitlich der rechtsextremistischen Szene zugeordnet werden konnten, festgestellt und es kam erneut zu einem Veranstaltungsverbot, das durch die Polizei umgesetzt wurde.
Dank eines engen Austausches der zuständigen Behörden, konnte das Konzert verhindert werden.
Zwischen Ende April und Anfang Mai 2025 konnten Aktivitäten der rechtsextremistischen Identitären Bewegung Deutschland (IBD) im Umfeld von mehreren Schulen in Bayern festgestellt werden. So wurden in Schwaben am 28./29. April in Augsburg Flyer auf dem Schulhof einer Schule verteilt und in Neu-Ulm am 30. April am Eingang einer Schule abgelegt. Auch in Mittelfranken wurde am 2. Mai in Spardorf durch die IBD über eine angemeldete Veranstaltung versucht, Flyer an einer Schule zu verteilen. Hier konnte aber aufgrund einer Verordnung des Landratsamtes Erlangen eine Stand-Verlegung erwirkt und somit eine direkte Verteilung an einer Schule verhindert werden. Weiterhin wurden auch in Oberbayern (München-Schwabing) am 29./30. April Flyer-Verteilungen durch die der Identitären Bewegung (IB) zuzurechnenden Regionalgruppe „Lederhosen Revolte“ bekannt, hierbei wurden Schüler auch aktiv angesprochen. An allen Örtlichkeiten wurden dieselben Flyer verteilt. Weitere Informationen können hier nachgelesen werden.
Am 26. Oktober 2024 veranstaltete die Junge Alternative (JA) Nordschwaben gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern des AfD-Ortsverbands Meitingen und Umgebung einen Vortragsabend in Gremheim, Gemeinde Schwenningen, auf dem nach eigenen Angaben vor allem die Themen „Meinungs- und Versammlungsfreiheit“ im Mittelpunkt standen. Seitens der AfD nahmen, neben der Ortsvorsitzenden des AfD-Ortsverbands Meitingen und Umgebung, ein Landtagsabgeordneter und Vorsitzender der Jungen Alternative Bayern, sowie ein stellvertretender Landesvorsitzender der AfD Bayern teil. Die Veranstaltung reihte sich in eine Serie regelmäßig stattfindender Stammtische und Vortragsabende der Jungen Alternative Nordschwaben in Gremheim unter der Teilnahme von Vertreterinnen und Vertretern der AfD, vornehmlich aus dem Raum Augsburg, und Aktivisten der IB bzw. Personen mit Bezügen zur IB ein. Veranstaltungsort war eine Lokalität, in der am 13. Juli ein sogenanntes „Patriotentreffen“ stattfand, an welchem mehrere Personen mit rechtsextremistischem Hintergrund sowie Personen mit Bezügen zur AfD teilgenommen hatten. Die regelmäßigen Veranstaltungen der JA Nordschwaben dienen insbesondere dazu, die Vernetzungen der AfD mit Akteuren des rechtextremistischen Vorfelds der Partei zu intensivieren sowie die Zusammenarbeit zwischen JA, AfD und dem rechtsextremistischen Vorfeld im Raum Schwaben zu verstetigen.
Am 18. Oktober 2024 fand in Neu-Ulm eine Veranstaltung des österreichischen Rechtsextremisten und zugleich der Führungsfigur der Identitären Bewegung, Martin SELLNER, mit ca. 30 Teilnehmenden statt. Auf der Veranstaltung trat auch der Vorsitzende der IB Deutschland als Referent auf. Darüber hinaus nahmen auch Mitglieder regionaler Ableger der Partei Alternative für Deutschland (AfD) teil. Der Veranstaltungsort war ein ehemaliges Vereinsheim einer Rockergruppierung und wurde vorab nicht öffentlich bekannt gegeben. SELLNER kam einem durch die Städte Ulm und Neu-Ulm verhängten Aufenthaltsverbot nicht nach, weshalb die örtliche Polizei die Veranstaltung auflöste. Im Nachgang veröffentlichte SELLNER auf seinem Telegram-Kanal Videos zum Polizeieinsatz sowie seinen dort gehaltenen Vortrag mit dem Thema „Das Geheimnis unserer Kraft“. Darin referiert er unter anderem über Erfolge der Neuen Rechten und der AfD in den ostdeutschen Bundesländern. In Bayern war SELLNER zuletzt am 4. August 2024 im Rahmen seiner Lesetour in Passau in Erscheinung getreten.
Am 3. August 2024 fand in der Gemeindehalle in Meitingen eine Veranstaltung des AfD-Ortsverbands Meitingen und Umgebung statt. Insgesamt nahmen an der Veranstaltung etwa 240 Personen teil. Im Nachgang konnten zu der Veranstaltung zahlreiche Beiträge und Bilder in diversen sozialen Netzwerken festgestellt werden.
Ausweislich der veröffentlichten Beiträge nahmen an der Veranstaltung zahlreiche Mitglieder der Jungen Alternative (JA) Bayern sowie weitere Akteure des rechtsextremistischen Vorfelds der Partei teil. Insbesondere konnten mehrere Aktivisten und Führungsfiguren der Regionalgruppierungen der Identitären Bewegung (IB) Reconquista 21 und Lederhosenrevolte festgestellt werden, welche vereinzelt blaue T-Shirts mit der Aufschrift „Identitäre Bewegung“ trugen und damit offen erkennbar als Mitglieder der IB auftraten. Überdies begrüßte die Vorsitzende des Ortsverbands im Rahmen ihres veröffentlichten Redebeitrags ausdrücklich „alle Mitglieder der Jungen Alternative“ und bedankte sich bei dem „patriotischen Vorfeld“ für die Teilnahme der vielen „wichtige[n] Akteure“.
Am 21. Juni 2024 veranstaltete der AfD-Ortsverband Meitingen und Umgebung seinen ersten Stammtisch in Meitingen unter der neuen Ortsvorsitzenden. Bereits an dieser Veranstaltung nahmen mehrere Aktivisten der IB teil.
Insgesamt konnten im Raum Schwaben in den vergangenen Monaten mehrere Veranstaltungen der AfD sowie der JA Nordschwaben und der JA Schwaben festgestellt werden, die auf eine deutliche Intensivierung der Kooperationsbereitschaft und der personellen Überschneidungen zwischen AfD, JA und Akteuren des rechtsextremistischen Vorfelds der Partei hindeuten. Weitere Informationen können hier nachgelesen werden.
Am 3. Februar 2024 führte die Regionalgruppe der Identitäre Bewegung (IB) „Reconquista21“ eine Aktion unter dem Motto „Kasperle für Rechts“ in Augsburg durch. Die Aktion fand auf dem Augsburger Rathausplatz statt, auf dem gleichzeitig eine Großkundgebung mit dem Motto „Gemeinsam gegen Rechts – Für Demokratie und Vielfalt“ abgehalten wurde. Auf dem mitgebrachten ausklappbaren Holzaufsteller (mit einer ungefähren Größe von 2 Meter x 4 Meter) war „Kasperle gegen Rechts“ zu lesen. Im ausgeklappten Teil stand „Remigration heißt: Heimat, Sicherheit, Wohlstand“.
Die Aktion fügt sich aufgrund der Aufmachung in das bekannte Vorgehen der IB ein, obgleich Großveranstaltungen für Aktionen in der Vergangenheit nur selten genutzt wurden. Durch das zunächst der Kundgebung entsprechende Auftreten gelang es, in die anwesende Menschenmenge zu gelangen und mit der Aktion für ein großes Publikum sichtbar zu sein.
Am 9. Dezember 2023 fand in Holzheim (Lkr. Dillingen) eine nicht-extremistische Demonstration gegen die geplante Unterbringung von Asylsuchenden statt. An der Versammlung beteiligten sich circa 150 Personen, darunter zahlreiche Angehörige der Identitären Bewegung (IB) Schwaben und der Jungen Alternative (JA) Schwaben. Diese waren teilweise weit über 100 Kilometer angereist. Die Mitglieder der beiden Gruppierungen zeigten unter anderem ein Banner mit der Aufschrift „Für Holzheim – Gegen das Asylheim“. Während der Auftaktkundgebung, die als offenes Mikrofon gestaltet wurde, richtete sich auch eine langjährige Führungsfigur der IB Schwaben aus Stuttgart an die Teilnehmenden.
Bereits im Vorfeld der Versammlung wurde in den einschlägigen Kanälen der IB und der JA gemeinsam für die Teilnahme mobilisiert. Für die IB wie auch für die JA ist die Agitation gegen die Unterbringung von Asylsuchenden in Deutschland ein Kernthema. Bereits am 09. Februar 2023 hatte die IB Schwaben in der Gemeinde Peutenhausen (Oberbayern) eine Aktion gegen eine Asylbewerberunterkunft durchgeführt.
Neben der gemeinsamen Beteiligung von JA- und IB-Angehörigen an dem lokalen Demonstrationsgeschehen ist insbesondere die offene gemeinsame Bewerbung der Teilnahme bemerkenswert. Auf den dafür genutzten Flyern ist sowohl das Logo der IB-Gruppierung Reconquista 21 (R21) als auch das Logo der JA Nordschwaben abgebildet. R21 war bis vor Kurzem unter der Bezeichnung „Wackre Schwaben“ aktiv. Die Namensänderung spiegelt durch die Verwendung des Begriffs „Reconquista“, welcher von der IB europaweit verbreitet wird, die Absicht wider, auf nationaler und internationaler Ebene einen höheren Widererkennungswert als Teil der IB zu erreichen. Zudem scheint man durch die Streichung der Bezugnahme auf Schwaben den eigenen Wirkungskreis ausweiten zu wollen. Obwohl die IB und die JA im Raum Schwaben traditionell eng verbunden sind, ist eine derart offene Kooperation ein Novum.
Unter Führung der Generalstaatsanwaltschaft München und des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord wurden am 23. November 2023 20 Wohnungen im gesamten Bundesgebiet u. a. wegen des Verdachts der mitgliedschaftlichen Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung durchsucht. Darunter befand sich auch je ein Objekt in Kempten und Rosenheim.
Den Beschuldigten wird u. a. vorgeworfen, versucht zu haben, durch die gezielte (massenhafte) Kontaktaufnahme mit Behörden deren Kommunikationswege zu blockieren und damit rechtswidrig Einfluss auf deren Entscheidungen zu nehmen. Übergeordnetes Ziel der handelnden Personen war es, die Bundesrepublik Deutschland sowie ihre staatlichen Einrichtungen zu destabilisieren und rechtmäßiges staatliches Handeln durch die beschriebene Vorgehensweise zu verhindern oder zumindest zu erschweren. Die Gesprächspartner wurden beispielsweise mit Reichsbürgerthesen konfrontiert, der Begehung von Menschenrechts- und Kriegsverbrechen bezichtigt, beleidigt und teilweise mit dem Tode bedroht.
Weitere Informationen hierzu finden sich in der gemeinsamen Pressemitteilung der Generalstaatsanwaltschaft München und des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord.
Das alljährlich von der neonazistischen Kleinstpartei „Der Dritte Weg“ (III. Weg) organisierte Heldengedenken in Wunsiedel fand in diesem Jahr nicht statt. Stattdessen führten Aktivisten der Partei am 18. November 2023 bundesweit regionale Aktionen zum „Heldengedenken“ durch. Im Rahmen dieser Aktionen wurden ideologisch aufgeladene Ansprachen zum Gedenken an die deutschen Opfer der Weltkriege gehalten, Gedenkzeremonien mit Fackeln durchgeführt sowie Kerzen und Grablichter gezündet.
Unter dem Motto „Tot sind nur jene, die vergessen werden“ führte der III. Weg am 18. November 2023 auch an mehreren Orten in Bayern Gedenkveranstaltungen durch. In Ostbayern versammelten sich Aktivisten unter anderem an Kriegerdenkmälern in Furth im Wald und in Hofkirchen und hinterließen Kerzen und Blumenkränze. Ferner wurden am 18. November 2023, wie schon in den vorherigen Jahren geschehen, Devotionalien an einigen Kriegerdenkmälern im Regierungsbezirk Schwaben abgelegt.
Aktivisten und Sympathisanten der Jungen Alternative Bayern versuchten am Volkstrauertag und im Nachgang zur offiziellen staatlichen Gedenkveranstaltung, am Kriegerdenkmal im Hofgarten in München einen Kranz niederzulegen.
Die Aktionen zeigen, dass das Gedenken an die deutschen Opfer der Weltkriege, verbrämt als sogenanntes „Heldengedenken“, für Rechtsextremisten unterschiedlichster Ausrichtung weiterhin von Bedeutung ist, auch wenn große öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen dieses Jahr nicht festzustellen waren.
Vom 17. bis 19. November 2023 fand in einem Hotel in Wemding (Landkreis Donau-Ries) der „3. Zukunftskongress Deutschland“ statt, welcher als Teil einer Veranstaltungsreihe dem Phänomenbereich der Reichsbürger und Selbstverwalter zugeordnet werden kann. Im Rahmen der dreitägigen Veranstaltung wurden in Form von Seminaren mehrere Vorträge mit Bezug zur Ideologie der Reichsbürger- und Selbstverwalterszene gehalten.
Die angekündigten Referenten der Veranstaltung konnten bereits im Vorfeld der Szene der Reichsbürger und Selbstverwalter zugeordnet werden. Unter den Referenten war auch eine bayerische Person, welche in der Vergangenheit neben Rednertätigkeiten auch mit einem Holocaust-leugnenden Posting in den sozialen Medien aufgefallen war.
Am zweiten Veranstaltungstag, dem 18. November, kam es im Außenbereich der Veranstaltungsörtlichkeit zu einem tätlichen Angriff eines Teilnehmers auf einen anwesenden Medienvertreter. Nachdem der Täter nicht namentlich identifiziert werden konnte, entschied die polizeiliche Einsatzleitung vor Ort, die Teilnehmer der Veranstaltung einer Kontrolle zum Zwecke der Identitätsfeststellung zu unterziehen. Der Täter konnte daraufhin ausfindig gemacht werden. Gegen ihn läuft aktuell ein Verfahren wegen eines Körperverletzungsdelikts. Im Rahmen der Identitätsfeststellungsmaßnahmen konnte die Polizei insgesamt 71 Teilnehmerinnen und Teilnehmer feststellen. Im Zuge der polizeilichen Maßnahme wurden zudem zwei ausständige Haftbefehle gegen Kongressteilnehmer vollstreckt. Ein Haftbefehl konnte gegen die Zahlung einer noch ausstehenden Geldbuße abgewendet werden, der zweite Haftbefehl wurde vor Ort tatsächlich vollstreckt.
Ebenfalls fand am 18. November eine vom Bürgermeister der Gemeinde Wemding organisierte Gegendemonstration zur Reichsbürgerveranstaltung statt. Insgesamt fanden sich hier ca. 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein und demonstrierten für Demokratie und Rechtstaatlichkeit. Im Rahmen dieser Kundgebung kam es zu keinen Zwischenfällen.
Für den „3. Zukunftskongress“ wurde über mehrere Wochen in einschlägigen Gruppen in den sozialen Medien mobilisiert. Auf die besagte Örtlichkeit in Wemding wurde in der Vergangenheit bereits häufiger von Seiten der Reichsbürgerszene als Veranstaltungsort zurückgegriffen. Dem „3. Zukunftskongress Deutschland“ vorangegangen waren die ersten beiden Kongresse in Thüringen. Mit 71 Teilnehmerinnen und Teilnehmern unterschritt man allerdings die Marke der Vorgängerveranstaltung deutlich.
Der „Zukunftskongress Deutschland“ ist eines der größten Treffen bzw. Seminare im Phänomenbereich Reichsbürger und Selbstverwalter. Bei solchen Veranstaltungen kommt es zur Vernetzung von Szeneangehörigen untereinander. Zudem dienen diese und ähnlich gelagerte Veranstaltungen auch immer der (An-)Werbung neuer Mitglieder für die Reichsbürgerbewegung. Durch reichsbürgertypische Inhalte der einzelnen Vorträge sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch ideologisch an die Reichsbürgerszene angebunden werden.
Veranstaltungen dieser Art werden in der Regel nicht von zusammenhängenden Reichsbürgergruppierungen organisiert, sondern entstehen über die Tätigkeit von herausgehobenen Einzelpersonen, die sich oftmals über die Organisation von entsprechenden Veranstaltungen profilieren und das Ziel verfolgen, mehr Popularität innerhalb der Szene zu gewinnen. Nicht zuletzt muss auch angenommen werden, dass über die Durchführung solcher Veranstaltungen auch monetäre Ziele verfolgt werden.
Die IB-Regionalgruppierung Reconquista 21 veranstaltete am 11. November 2023 ein Vernetzungstreffen in einem Lokal in Dasing. Martin Sellner, der führende Aktivist der IB im deutschsprachigen Raum, trat bei der Veranstaltung als Redner vor dem Banner der Gruppierung auf. Neben Akteuren der IB waren auch Politiker der AfD anwesend.
Vom 31. März bis 2. April 2023 fand das Aktivistenwochenende der Regionalgruppe „Wackre Schwaben“ der Identitären Bewegung (IB) unter dem Motto „Identität und Weltanschauung“ statt. Es nahmen ca. 30 Aktivisten aus dem gesamten deutschsprachigen Raum an einem konspirativ festgelegten Ort im Bereich Schwaben teil.
Bei der Gruppierung „Wackre Schwaben“ handelt es sich um einen regionalen Personenzusammenschluss aus dem Raum Schwaben, der der Identitären Bewegung (IB) eindeutig zuzuordnen ist. Die IB veranstaltet regelmäßig derartige Aktivistenwochenenden, die IB Schwaben beispielsweise seit mindestens April 2017 zweimal jährlich. Zielgruppe waren bereits damals „IBler aus dem süddeutschen Raum“. Nachdem im Jahr 2022 zwei Aktivistenwochenenden in Schwaben stattfanden, handelt es sich in diesem Jahr um die erste Zusammenkunft dieser Art. Wie üblich wurden professionelle Fotos und ein Video auf einschlägigen Social-Media-Kanälen veröffentlicht.
Die Regionalgruppe „Wackre Schwaben“ ist innerhalb der süddeutschen IB besonders aktiv. Weil sich die IB nicht an Regierungsbezirken, sondern an „Volksgrenzen“ orientiert, finden ihre Aktionen grenzübergreifend sowohl im baden-württembergischen als auch im bayerischen Teil Schwabens statt: Am 9. Februar 2023 führten die „Wackren Schwaben“ eine Propagandaaktion vor einer Asylunterkunft in Peutenhausen/BY (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, ca. 100 km östlich von Ulm) durch. Hierzu stoppten sechs Aktivisten den Durchgangsverkehr vor der Einrichtung und entrollten ein 10 bis 15 Meter langes Banner mit der Aufschrift „Gefährderstandort“ auf der Fahrbahn.
Straftaten der Politisch motivierten Kriminalität
Sicherheitsberichte der Polizeipräsidien Schwaben Nord und Schwaben Süd/West zur Politisch motivierten Kriminalität (PMK)
Anmerkung zu „Politisch motivierte Kriminalität“ (PMK): Als PMK werden alle Straftaten bezeichnet und erfasst, die einen oder mehrere Straftatbestände der sogenannten klassischen Staatsschutzdelikte erfüllen, selbst wenn im Einzelfall eine politische Motivation nicht festgestellt werden kann. Bei Straftaten, die auch in der Allgemeinkriminalität begangen werden können, erfolgt eine Würdigung der Gesamtumstände (siehe Bericht des Bundesamts für Verfassungsschutz 2024, Seite 24).
Im Jahr 2024 wurden im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Nord insgesamt 102 Straftaten aus dem Phänomenbereich der Politisch motivierten Kriminalität (PMK) registriert. Gegenüber dem Vorjahr mit 93 Delikten ist hier ein Anstieg der Fallzahlen um 9 Delikte bzw. 9,7 % zu verzeichnen.
Im Bereich PMK -rechts- war insgesamt ein Rückgang der Fallzahlen um 14,9 % festzustellen, es konnten hier 23 (Vorjahr: 27) extremistische Straftaten verzeichnet werden. Im Bereich der Volksverhetzung ergibt sich ein Rückgang auf 10 Fälle (Vorjahr: 15) und bei Propagandadelikten ein Rückgang auf 5 Fälle (Vorjahr: 8). Volksverhetzungen bilden aber weiterhin mit einem Anteil von 43,5 % (Vorjahr: 55,6 %) den Schwerpunkt im Bereich PMK -rechts-.
Bei Betrachtung der Phänomenbereiche war bei der politisch rechts motivierten Hasskriminalität ein leichter Rückgang auf 70 Fälle (Vorjahr: 73) festzustellen. Sie bildete mit einem Anteil von 69,3 % aber weiterhin den Schwerpunkt in allen Phänomenbereichen (Vorjahr: 74,5%).
An weiteren Infos interessiert? Der Gesamtbericht des Polizeipräsidiums Schwaben Nord kann hier nachgelesen werden.
Im Vergleich zum Vorjahr konnte das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West gestiegene Fallzahlen im Bereich der Politisch motivierten Kriminalität (PMK) verzeichnen. Insgesamt wurden 571 Fälle (Vorjahr: 512) und damit 11,5 % mehr als im Vorjahr registriert.
Der Bereich der PMK -sonstige Zuordnung-, diesem werden auch Fälle von Reichsbürgern zugerechnet, ist anteilsmäßig erneut stärkster Bereich mit rund 44,8 %. Hier war ein Anstieg auf 256 (Vorjahr: 242) Fälle zu verzeichnen.
Die Fallzahlen der PMK -rechts- weisen erneut einen Anstieg auf 249 Fälle (Vorjahr: 213) auf. Propagandadelikte mit 142 Fällen (Vorjahr: 117) und Volksverhetzungen mit 50 Fällen (Vorjahr: 47) bildeten hier einen Schwerpunkt. Die Anzahl der Gewaltdelikte stieg im Vergleich zum Vorjahr von 9 auf 17 Fälle.
Für den Bereich der Hasskriminalität ist ein Anstieg auf 161 Fälle (Vorjahr: 124) festzustellen, 103 Fälle (Vorjahr: 96) waren dabei im Wesentlichen dem Phänomenbereich der PMK -rechts-zuzuordnen.
An weiteren Infos interessiert? Der Gesamtbericht des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West kann hier nachgelesen werden.
Parteien und andere rechtsextremistische Strukturen
Der Verfassungsschutz unterscheidet die drei Kategorien Parteien, parteiunabhängige bzw. parteiungebundene Strukturen und weitgehend unstrukturiertes Personenpotenzial.
In die Kategorie parteiunabhängige bzw. parteiungebundene Strukturen fallen alle Gruppen und Organisationen, welche einen gewissen Bindungs- und Organisationsgrad erkennen lassen. Hierzu zählen organisierte neonazistische Gruppierungen, rechtsextremistische Bands, kommunale Wählervereinigungen, Verlage und Vertriebsnetze, Bürgerinitiativen Vereine, kameradschaftliche Stammtischrunden und Gesprächszirkel. Vor allem finden sich hier organisierte Neonazis und die Identitäre Bewegung (IB).
Zur Kategorie weitgehend unstrukturiertes Personenpotenzial zählen organisationsungebundene subkulturell geprägte Rechtsextremisten (Skinheads), rechtsextremistische Einzelpersonen und Internetaktivisten.
In Schwaben gibt es auch organisationsungebundene subkulturell geprägte Rechtsextremisten sowie rechtsextremistische Einzelpersonen, die sich anlassbezogen, zum Beispiel bei Demonstrationen oder privaten Treffen, zusammenfinden.
Die Partei Der Dritte Weg (III. Weg) verfügt in Deutschland über 800 Mitglieder, davon 160 in Bayern. Die Partei vertritt einen stark neonazistisch geprägten Rechtsextremismus. Zahlreiche Mitglieder, Fördermitglieder und mit der Partei Sympathisierende stammen aus dem Umfeld des 2014 verbotenen neonazistischen Netzwerks Freies Netz Süd (FNS). Ausführliche Hintergrundinformationen zur Partei finden Sie hier.
Die Parteistützpunkte des neonazistischen III. Weg berichten regelmäßig über ihre Aktivitäten auf der Webseite der Partei. So werden bundesweite Kampagnen der Partei durch die einzelnen Parteigliederungen regional oder lokal durch eigene Aktionen umgesetzt, über die dann im Anschluss auf der Parteiseite berichtet wird.

Des Weiteren betreibt die Partei unter der Bezeichnung „Revolution auf Sendung“ ein Internetradioformat. Die Sendungen werden unregelmäßig auf der Webseite der Partei eingestellt und beinhalten Interviews, Musikbeiträge und Nachrichten der Partei. Bei den Interviewpartnern handelt es sich um rechtsextremistische Aktivisten.
Da sich der III. Weg nicht nur als reine Partei, sondern ebenso als „Nationale Bewegung“ versteht, sollen durch regelmäßige Freizeitaktivitäten – wie etwa sportliche Aktivitäten, Wanderungen, Vorträge und Rechtsschulungen – Mitglieder, Sympathisanten und deren Familien eng an Partei und Stützpunkt gebunden werden.
Informationen über Aktivitäten des III. Weg in Schwaben können unter Besondere Ereignisse und Aktivitäten nachgelesen werden.
Bis 2019 gliederte sich die Partei in die bundesweiten Gebietsverbände Süd, Mitte und West. Am 28. September 2019 beschloss der III. Weg auf seinem Bundesparteitag eine Änderung seiner Satzung. Diese zielte auf eine Umstrukturierung der Gebietsverbände in Landesverbände ab.

Die Gründung des Landesverbands Bayern, der den bisherigen Gebietsverband Süd ersetzte, erfolgte am 25. Juli 2020.
Kreisverbände sind die kleinsten selbstständigen Einheiten der Partei.
Die Satzung ermöglicht es, in Gebieten, in denen keine Untergliederungen bestehen, sogenannte „Stützpunkte“ einzurichten. Zum Jahresende 2024 waren auf der Parteiwebseite 24 Stützpunkte genannt, davon 5 in Bayern. In Bayern befanden sich die 5 Parteistützpunkte „Mainfranken“, „Oberfranken“, „Mittelfranken“, „Ostbayern“ und „München/Oberbayern“.
Im April 2025 ist auf der Parteiwebseite eine interaktive Karte über die bundesweite räumliche Verteilung der Parteistützpunkte bekannt geworden. In Bayern ist der III. Weg nach eigener aktueller Darstellung nun mit den drei Parteistützpunkten „München/Oberbayern“, „Mittelfranken“ und „Mainfranken“ vertreten. Der Stützpunkt München/Oberbayern besteht seit 2014 und ist auch im bayerischen Allgäu aktiv.
Grundsätzlich ist der Internetauftritt jedes Stützpunkts mit der Parteiwebseite verlinkt, auf der regelmäßig regionale Berichte von Aktionen, wie beispielsweise Flyerverteilaktionen eingestellt werden.
Die Partei eröffnete am 29. Oktober 2022 in Schweinfurt ihr erstes Partei- und Bürgerbüro in Bayern. Das Bürger- und Parteibüro in Schweinfurt (SW 16) ist die 2. offizielle Anlaufstelle der Partei im Bundesgebiet und wird als Treff- und Versammlungsort für Rechtsextremisten genutzt.
Im Nachgang zu dieser Eröffnung kam es auch zur Gründung des Stützpunkts Franken der Nationalrevolutionären Jugend (NRJ), der Parteijugend des III. Weg. Die NRJ ist keine eigenständige Organisation, sondern fest in die Partei eingebunden bzw. dieser untergeordnet und lebt die Ideologie und Programmatik des III. Weg. Die bisherigen Aktivitäten des NRJ ähneln denen des III. Weg, darüber hinaus veranstaltet die NRJ sog. „Jugendtage“, die meist in den regionalen Stützpunkten stattfinden. Nähere Informationen zur NRJ könnn hier nachgelesen werden.
In Bayern betrieb der III. Weg im Jahr 2024 mehrere Informationsstände mit Pavillon, Transparenten, Fahnen und Flugblattverteilung. Die Veranstaltungen fanden am 24. Februar in Furth im Wald (Lkr. Cham), am 20. April in Garmisch-Partenkirchen, am 1. Juni in Lindau am Bodensee, am 24. August in Holzkirchen (Lkr. Miesbach), am 26. Oktober in Füssen und am 23. November in Aschaffenburg statt. Dabei konnte die Partei in Garmisch-Partenkirchen mit rund 30 Personen mobilisieren. Ferner wurden 2024 in Bayern Flugblattverteilungen des „III. Weg“ in den Regierungsbezirken Oberbayern, Schwaben und Unterfranken bekannt.
Das Bundesverfassungsgericht bestätigte mit Urteil vom 17. Januar 2017 die verfassungsfeindliche Ausrichtung der Partei NPD, die sich am 3. Juni 2023 auf einem Bundesparteitag in „Die Heimat“ umbenannte.
Das Gericht entschied jedoch gegen ein Verbot der Partei wegen fehlender Anhaltspunkte für die Fähigkeit, ihre verfassungsfeindlichen Ziele durchzusetzen.

Mit Urteil vom 23. Januar 2024 hat das Bundesverfassungsgericht die Partei für die Dauer von 6 Jahren von der staatlichen Parteienfinanzierung ausgeschlossen.
Die Partei Die Heimat (vormals NPD) verfügt deutschlandweit über 2.800 Mitglieder und Fördermitglieder, davon etwa 360 in Bayern (Stand 2024). Wie die meisten rechtsextremistischen Gruppierungen und Parteien ist auch Die Heimat im Internet aktiv und kann daher nicht nur durch Aktionen vor Ort, sondern ebenso online, u. a. durch Streaming-Angebote, ihre Ideologie auch in Schwaben verbreiten.
Aus Sicht der Partei stellt eine „Volksgemeinschaft“ die einzig natürliche und damit annehmbare staatliche und gesellschaftliche Ordnung dar, weil angeblich nur sie dem wahren Wesen des Menschen entspricht. Die Partei strebt damit einen Gegenentwurf zur parlamentarischen Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland an. Die von der Partei vertretenen völkischen Grundideen bringen im Zusammenhang mit den verschiedensten politischen Themen oft ausländerfeindliche, antisemitische, rassistische – und in Bezug auf den historischen Nationalsozialismus verharmlosende und zustimmende – Positionen zum Ausdruck. Ihr angestrebtes Ziel der „Systemüberwindung“ und ihre Grundaussagen stehen inhaltlich im Widerspruch zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Das Parteiprogramm ist von einem ausgeprägten Nationalismus getragen und schreibt den Gedanken der „Volksgemeinschaft“ in einer völkisch-kollektivistischen Auslegung fest. Für die Partei resultiert die Würde des Einzelnen nicht aus dem freien Willen des Individuums. Ihr zufolge ist der Wert eines Menschen von der biologisch-genetischen Teilhabe an der „Volksgemeinschaft“ abhängig. Da nur Deutsche völkischer Abstammung Teil der „Volksgemeinschaft“ sein können, ist eine rassistisch und nationalistisch geprägte Fremdenfeindlichkeit elementarer Bestandteil der Parteiideologie vom „lebensrichtigen Menschenbild“, das sich insbesondere gegen „Fremdbestimmung“ und „Überfremdung“ richtet.
In Bayern besteht ein „Die Heimat“-Landesverband. Öffentlich wahrnehmbare Aktivitäten in Bayern beschränken sich allerdings auf Franken. So nahmen Parteiaktivisten sowie der bayerische Landesvorsitzende in Stein bei Nürnberg an Kundgebungen einer Bürgerinitiative gegen die Unterbringung von Flüchtlingen teil. In Nürnberg besuchte der bayerische Landesvorsitzende auch Kundgebungen anderer Veranstalter. In Weißenburg in Bayern wurde auch im März 2024 eine Flugblattverteilung „Deutschland braucht deutsche Kinder, keine Flüchtlinge“ bekannt.
Als eine der Partei zugehörige Vereinigung nennt die Satzung die Jungen Nationalisten (JN). Die JN waren bislang als Jugendorganisation der NPD bekannt. Nach Umbenennung der NPD in Die Heimat wurden die JN als Jugendorganisation der Partei Die Heimat fortgeführt, die in Bayern nur sehr vereinzelt in Erscheinung tritt. So berichtete die „Heimat“ in Bayern im Juli 2024 über eine Stadtführung der „JN Franken“, an der in Nürnberg der bayerische Landesvorsitzende der Partei „Heimat“ teilnahm und eine „JN“-Fahne zeigte. Am „Heldengedenken“ bei mittelfränkischen Kriegsgräberstätten nahm laut Fotos in einem Beitrag im Facebook-Profil „Heimat Franken“ vom 17. November 2024 ebenfalls eine Person mit JN-Fahne teil.
An weiteren Infos interessiert? Mehr zu diesem Thema kann hier nachgelesen werden.
Anfang Januar 2024 wurde bekannt, dass es von der Partei „Die Heimat“ eine neue Abspaltung gibt, die Partei „Nationaldemokratische Partei Deutschlands“ (NPD (2023)) mit Sitz in Hamburg. Auf der Internetseite www.npd-voran.de werden für Bayern Strukturen der NPD (2023) in Kronach und München genannt. Weitere Informationen zur Partei NPD (2023) können hier nachgelesen werden.
Die „Junge Alternative für Deutschland“ (JA) wurde im Juni 2013 gegründet und als eigenständiger Verein mit Sitz in Berlin konstituiert. Sie war gemäß einer bisherigen Fassung der Bundessatzung der „Alternative für Deutschland“ (AfD) die offizielle Jugendorganisation der Partei.
Um die Jugendorganisation neu zu gründen und enger an sich zu binden, stellte der AfD-Bundesvorstand beim Bundesparteitag in Riesa am 12. Januar 2025 einen Antrag zur Änderung der AfD-Bundessatzung zur Abstimmung. Der Antrag sah im Wesentlichen eine Auflösung der „Jungen Alternative für Deutschland“ und die Neugründung einer in die AfD integrierten Jugendorganisation vor.

Angenommen wurde der Antrag trotz des Widerstandes zahlreicher auch bayerischer JA-Mitglieder sowie aus dem bayerischen AfD-Landesverband mit mehr als der nötigen Zweidrittelmehrheit. Befürworter der Auflösung der JA begründeten den Schritt vor allem mit einer besseren finanziellen Ausstattung sowie mit dem Schutz vor einem möglichen Verbot. Als Vollzugstermin der beschlossenen Änderung der AfD-Bundessatzung ergab sich der 1. April 2025.
Am 22. März 2025 war bekannt geworden, dass der bayerische JA-Landesverband (JA Bayern) dem Beschluss des AfD-Bundesparteitages folgte und sich vor dem Hintergrund der geplanten Neuorganisation der jungen AfD-Mitglieder auflöst.
Das Verwaltungsgericht Köln hatte in einem Verwaltungsstreitverfahren der AfD gegen das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) in der Entscheidung vom 8. März 2022 die Zulässigkeit der Beobachtung der JA sowie die Berichterstattung durch das BfV bestätigt. Gegen diese Entscheidung legte die AfD Berufung beim Oberverwaltungsgericht Münster (OVG Münster) ein.
Das OVG Münster entschied im Mai 2024, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz die AfD und JA als Verdachtsfall beobachten darf. Mit Urteil vom 13.05.2024 durch das OVG wurde die Berufung der AfD und der JA gegen die Urteile vom 8. März 2022 somit zurückgewiesen. Über die von der Klägerin gegen die Nichtzulassung der Revision eingelegte Beschwerde wurde noch nicht entschieden, das Verwaltungsstreitverfahren zur Einstufung der JA als Verdachtsfall ist daher noch nicht rechtskräftig abgeschlossen.
Am 28. März 2023 stufte das BfV die JA dann als „gesichert extremistische Bestrebung“ ein (Heraufstufung des Verdachtsfalls). Gegen diese Entscheidung des BfV legten die AfD und die JA erneut Rechtsmittel ein. Mit Beschluss vom 5. Februar 2024 lehnte das VG Köln einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung gegen die Einstufung der JA als nunmehr „gesichert extremistische Bestrebung“ ab. Gegen den Beschluss des VG Köln vom 5. Februar wurde Beschwerde eingelegt. Gegenwärtig ist das Verwaltungsstreitverfahren zur Einstufung der JA als „gesichert extremistische Bestrebung“ durch das BfV noch nicht rechtskräftig abgeschlossen.
Bundesweit waren für die JA rund 4.000 Anhänger zu verzeichnen, in Bayern wurden der Gruppierung etwa 350 Personen zugerechnet. Die „JA Bayern“ wies bundesweit keine flächendeckenden Strukturen auf. Schwerpunktmäßig trat die JA im Regierungsbezirk Schwaben unter der Bezeichnung „Junge Alternative Schwaben“ bzw. „Junge Alternative Nordschwaben“ auf.
Am 26. Oktober 2024 veranstaltete die „JA Nordschwaben“ gemeinsam mit Vertretern des AfD Ortsverbands Meitingen einen Vortragsabend in Gremheim (Lkr. Dillingen an der Donau). Die Veranstaltung reihte sich ein in eine Serie regelmäßig stattfindender Stammtische und Vortragsabende der „JA Nordschwaben“, an denen sich auch Vertreter der AfD, vornehmlich aus dem Raum Augsburg, und Aktivisten der IB bzw. Personen mit Bezügen zur IB beteiligten. Neben Stammtischen in Schwaben fand am 17. Juli 2024 eine öffentliche Veranstaltung in Gremheim statt. Informationsstände der JA in Schwaben wurden am 2. Februar 2024 in Höchstädt an der Donau (Lkr. Dillingen an der Donau) und am 27. Juli 2024 in Babenhausen (Lkr. Unterallgäu) durchgeführt.
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Die ursprünglich aus Frankreich stammende und inzwischen europaweit agierende Identitäre Bewegung (IB) ist ein rechtsextremistischer Personenzusammenschluss, der eine mitunter subtile, auf den gesamtgesellschaftlichen Diskurs abzielende Beeinflussungsstrategie verfolgt.
Kennzeichnend für den Aktionismus der IB sind öffentliche Stör- und Transparentaktionen, die sie im Rahmen von Social-Media-Kampagnen inszenieren und verbreiten.

Die hierarchische Struktur der IB in Bayern, die sich zunächst nach vermeintlichen „Volksgrenzen“ gliederte, wurde mittlerweile zugunsten autonomer Orts- bzw. Regionalgruppen aufgelöst. Hintergrund dieser Entwicklung ist eine Mitte 2021 initiierte Neuausrichtung der IB. Der Aufbau voneinander augenscheinlich unabhängiger Gruppierungen dient dazu, die IB langfristig flexibler zu gestalten, sowie vor staatlichen Maßnahmen, aber auch vor Repression und „Outings“ politischer Gegner zu schützen. Aus diesen Gründen wurde auch weitestgehend auf die bekannte IB-Symbolik, wie beispielsweise das gelbe Lambda auf schwarzem Grund, verzichtet. Von dieser Strategie hat sich die IB mittlerweile entfernt. Sie tritt nun auch in Bayern wieder vermehrt offen als „Identitäre Bewegung“ unter Verwendung des gelb-schwarzen Lambda-Symbols auf und gibt sich selbstbewusst.
Derzeit treten in Bayern die der IB zurechenbaren Gruppierungen „Reconquista21“ (vormals „Wackre Schwaben“) und „Lederhosen Revolte“ öffentlich wahrnehmbar in Erscheinung.
Über Webseiten und Social-Media-Kanäle veröffentlichte Beiträge stellt sich die IB bei Aktivistentreffen häufig als kampfsportaffin dar und veröffentlicht Aufnahmen von Boxtrainings.
Öffentlichkeitswirksame Aktionen der IB in Bayern konzentrieren sich seit Jahresbeginn vor allem auf den Themenkomplex „Asyl und Migration“, der auch im Fokus der öffentlichen Debatte steht.
An Aktionen der IB, insbesondere der Gruppierung „Lederhosen Revolte“, beteiligten sich regelmäßig auch Mitglieder der rechtsextremistischen Aktivitas der „Burschenschaft Danubia München“.
Informationen zu Aktionen in Schwaben können unter der Rubrik Besondere Ereignisse und Aktivitäten nachgelesen werden.
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Extremistische Agitation im Internet
Auch jenseits von organisierten Strukturen verbreiten Einzelpersonen – auch aus Schwaben – verfassungsfeindliche Propaganda im Internet. Dabei werden auf den unterschiedlichsten Plattformen – beispielsweise durch Memes, Hashtags und Kommentare – extremistische Botschaften geteilt und zum Hass aufgestachelt. Die Entwicklungen im digitalen Raum werden von den Sicherheitsbehörden laufend beobachtet. In enger Abstimmung zwischen Justiz, Polizei und Verfassungsschutz werden Hassbotschaften bzw. strafrechtlich relevante Inhalte konsequent verfolgt.
Rechtsextremistische Organisationen und Einzelpersonen setzen für ihre Propaganda digitale Medien und Formate als festen Bestandteil ihrer Kommunikationsstrategien ein. Das Internet ermöglicht ihnen den erleichterten Zugang zu einem heterogenen Empfängerkreis, der über die engere extremistische Anhängerszene hinausreicht.
Allerdings gehen insbesondere die im Internet aktiven Personen weit über das bekannte partei- und organisationsgebundene rechtsextremistische Spektrum hinaus. Das Personenpotenzial ist daher zahlenmäßigen Schwankungen unterworfen.
Rechtsextremistische Akteure nutzen das Internet, um manipulative und extremistische Inhalte zu verbreiten. Sie wollen ein Klima von Misstrauen und Hass z. B. gegenüber Geflüchteten und Andersdenkenden, aber auch gegenüber etablierten Medien, staatlichen Einrichtungen und dem demokratischen Prozess schaffen. Soziale Medien bieten diesen Einzelpersonen niedrigschwellige Möglichkeiten, in virtuellen Räumen verfassungsfeindliche Propaganda zu betreiben, sich zu vernetzen und Aktionen zu planen, die im äußersten Fall zur Begehung von schweren Straftaten in der Realwelt, wie Angriffen gegen Repräsentanten des Staates und der Politik, führen können. Daher spielt das Internet auch bei Radikalisierungsprozessen, die von einer realweltlichen rechtsextremistischen Szene losgelöst sind, eine zentrale Rolle. Hierbei ist beispielsweise in der Gaming-Szene und der sog. Attentäter-Fanszene ein gewisses Radikalisierungspotenzial erkennbar. In der Gaming-Szene werden z. B. mittels eigens entwickelter Szene-Spiele rechtsextremistische Botschaften verbreitet. Bei der Attentäter-Fanszene handelt es sich um eine digitale Subkultur, die Amoktäter sowie ideologisch unterschiedlich motivierte Attentäter verehrt. Eine Anbindung an realweltliche rechtsextremistische Strukturen existiert in der Regel nicht.
Das Internet bietet Nutzern neben diversen Kommunikations- und Vernetzungsmöglichkeiten auch vielfältige Potenziale im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI). Die Anwendungsbereiche erstrecken sich dabei von der Bilderstellung über die Bildmanipulation bis hin zur Erstellung von sog. „Deepfakes“, die allgemein als Form der KI-basierten Bild- und Audiobearbeitung gelten und biometrische Merkmale von Personen wie Aussehen, Mimik oder Stimme täuschend echt imitieren. Im Phänomenbereich Rechtsextremismus war zuletzt vermehrt die Nutzung solcher Technologien festzustellen. Insbesondere authentisch wirkende Bilder und Videos werden von Rechtsextremisten zielgruppenorientiert für Propagandazwecke genutzt.
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Extremistische Agitation durch Musikveranstaltungen
Rechtsextremistische Musik ist ein wesentliches Eintrittstor in die rechtsextremistische Szene. So nutzen Szeneangehörige auch Musik, um Jugendliche mit rechtsextremistischem Gedankengut in Kontakt zu bringen. Oft wird weiterhin verkürzt von „Rechtsrock“ gesprochen, obwohl das Angebot an rechtsextremistischer Musik längst zahlreiche unterschiedliche Stile und Zielrichtungen umfasst, die von Skinheadmusik und Balladen über Black Metal bis hin zu Hip Hop und Techno reichen. Die Texte enthalten meist nationalistisches, fremdenfeindliches, antisemitisches und antidemokratisches Gedankengut.

Adaptionen populärer Musiktitel durch Rechtsextremisten erfuhren 2024 besondere Aufmerksamkeit. Bei mehreren Veranstaltungen – auch in Bayern – wurde der bekannte Party-Hit „L’Amour Toujours“ gezielt verändert und mit der fremdenfeindlichen Parole „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ gesungen. Problematisch ist diese Entwicklung zu Cover-Songs auch deshalb, weil unbedenkliche Lieder auf diese Weise ein „Doppelleben“ entwickeln und auch ganz ohne extremistischen Text, zum Erkennungszeichen oder Meme extremistischer Akteure aufgeladen werden können.
Rechtsextremistische Musikveranstaltungen (Konzerte und Liederabende) im In- und Ausland ermöglichen es Szeneangehörigen zudem, neue Kontakte aufzubauen, sich szeneintern zu vernetzen oder Einkünfte zu generieren.
Im Bundesgebiet fanden seit 2019 keine Musikgroßveranstaltungen mehr statt. Als allgemeiner Trend lassen sich kleinere Veranstaltungen und Musikveranstaltungen im europäischen Ausland feststellen, zu denen auch Personen aus Bayern anreisen. In Bayern überwiegt die Zahl der Musikveranstaltungen, die in kleinem Kreis und privaten Rahmen oft konspirativ durchgeführt werden.
In Schwaben wurden im Jahr 2024 keine rechtsextremistischen Musikveranstaltungen bekannt.
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Szene
Das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz beobachtet die Reichsbürger- und Selbstverwalterszene als sicherheitsgefährdende Bestrebung. In kleinen Teilen der Szene finden sich auch ideologische Überschneidungen mit dem Rechtsextremismus; insbesondere dort, wo sich Versatzstücke nationalsozialistischer, antisemitischer und revisionistischer Denkmuster wiederfinden.
Zur Reichsbürger- und Selbstverwalterszene in Bayern zählen unter anderem folgende Gruppierungen:
Vaterländischer Hilfsdienst (VHD), Königreich Deutschland (KRD), seit 13. Mai 2025 verboten und Indigenes Volk der Germaniten (IVG).
Auch in Schwaben sind vereinzelt Aktivitäten dieser Gruppierungen bekannt geworden.
In Bayern liegen zu rund 5.395 Personen belastbare Hinweise bezüglich ihrer Zugehörigkeit zur Reichsbürger- und Selbstverwalterszene vor. In Schwaben beläuft sich die Zahl mit Stand 09/2025 auf 715 Personen (PP Schwaben Nord: 354, PP Schwaben Süd/West: 361).
In Bayern sind Angehörige der Szene in den Regierungsbezirken Unterfranken, Mittelfranken und Oberbayern überdurchschnittlich vertreten. Eine eindeutige Zuordnung von Angehörigen der Reichsbürger- und Selbstverwalterszene zur rechtsextremistischen Szene ist bislang nur in wenigen Fällen belegbar. Die Zahl der Reichsbürger in Bayern, die auch in rechtsextremistischen Zusammenhängen bekannt geworden sind, beläuft sich auf ca. 140 Personen.
Reichsbürger und Selbstverwalter
in Schwaben
Szene-Angehörige
Bayern
(Stand: 09/2025)
Szene-Angehörige
Schwaben
(Stand: 09/2025)
Ideologie und Aktivitäten
Reichsbürger bewegen sich in einem für sie geschlossenen Weltbild. Der Glaube daran, dass deutsche Gesetze für sie keine Gültigkeit hätten, führt dazu, dass staatliche Maßnahmen als unrechtmäßig empfunden werden. Gewalttaten richten sich daher in aller Regel gegen staatliche Maßnahmen beziehungsweise gegen Vertreter des Staates. Solche Gewalttaten werden innerhalb der Szene in der Regel als Notwehr gegen den Staat gedeutet. Gewalttäter erfahren dementsprechend nach einschlägigen Vorfällen solidarisierenden Zuspruch. Bei Einzelpersonen, die ideologisch besonders gefestigt erscheinen, ist eine Häufung politisch motivierter Straftaten feststellbar, insbesondere Beleidigungs- und Nötigungsdelikte, in Einzelfällen auch Erpressungsdelikte. Darüber hinaus werden innerhalb der Szene regelmäßig reichsbürgertypische Musterschreiben verbreitet, die häufig als Reaktion auf Bußgeldbescheide an öffentliche Stellen adressiert werden. Diese erfüllen u. a. aufgrund der enthaltenen Schadensersatzforderungen die Straftatbestände der Erpressung, Nötigung und Bedrohung.
Im Jahr 2024 konzentrierten sich die Aktivitäten der Szene vor allem auf die Durchführung von Seminar- und Vortragsveranstaltungen sowie auf gemeinschaftliche Aktivitäten mit dem Ziel, die eigene Ideologie zu verbreiten und die Vernetzung innerhalb der Szene voranzutreiben. In den Vorträgen und Seminaren geht es u.a. um reichsbürgertypische Problemstellungen, z. B. die Frage, welche Möglichkeiten bestehen, die eigenen Kinder dem staatlichen Schulsystem zu entziehen. Bereits in der Vergangenheit hatten Szeneangehörige damit begonnen, vereinzelt sog. „alternative Schulen“ zu gründen.
Waffenaffinität
Auch zeigt eine Vielzahl von Sachverhalten die hohe Waffenaffinität bei Angehörigen der Reichsbürger- und Selbstverwalterszene. Sie besitzen zum einen häufig erlaubnisfreie Waffen, die sie zur vermeintlichen Selbstverteidigung und zur Durchsetzung ihrer Ziele einsetzen könnten. Zum anderen werden oft nicht nur legale, (noch) im Besitz befindliche Waffen festgestellt, sondern auch illegale Waffen bis hin zu ganzen Waffenarsenalen. Daher ist es erforderlich, den Waffenbesitz innerhalb der Szene weiterhin konsequent aufzudecken und zu unterbinden, aber auch den Besitz erlaubnisfreier Waffen im Blick zu behalten. Zur Eindämmung des Gefährdungspotenzials durch den Waffenbesitz von Reichsbürgern werden regelmäßig und systematisch waffenrechtliche Erlaubnisse überprüft und, wo möglich, entzogen. Jede waffenrechtliche Erlaubnis setzt eine waffenrechtliche Zuverlässigkeit voraus. Diese ist bei Angehörigen der Reichsbürger- und Selbstverwalterszene aber regelmäßig zu verneinen, da die Nichtanerkennung des Staates und seiner Gesetze ein Kernbestandteil der Ideologie ist.
Straftaten
Straftaten von Angehörigen der Reichsbürger- und Selbstverwalterszene werden seit dem Jahr 2017 gesondert erfasst.
In 2024 wurden insgesamt 107 (Vorjahr: 306) extremistische Straftaten gezählt, darunter 26 politisch motivierte Gewaltdelikte (Vorjahr: 73). Den Schwerpunkt bei den politisch motivierten Gewaltdelikten bildeten mit 22 Taten erneut die Erpressungsdelikte (Vorjahr: 59). Die Zahl der Widerstandsdelikte sank von sieben auf zwei Taten. Mit 55 Taten (Vorjahr: 146) stellten Nötigungs- und Bedrohungsdelikte erneut den Schwerpunkt der sonstigen 81 Straftaten dar (Vorjahr: 233). Einzelne Personen sind u. a. wegen Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole, Volksverhetzung sowie verfassungsfeindlicher Verunglimpfung von Staatsorganen aufgefallen.
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Bestrebungen, die basierend auf einem von Verschwörungstheorien geprägten Staats- und Elitenhass in demokratiefeindlicher Weise darauf abzielen, wesentliche Verfassungsgrundsätze außer Geltung zu setzen oder die Funktionsfähigkeit des Staates erheblich zu beeinträchtigen, ohne dabei die Wesensmerkmale extremistischer Bestrebungen eines anderen Phänomenbereichs, wie etwa des Rechtsextremismus, aufzuweisen, werden dem Phänomenbereich der verfassungsschutzrelevanten Delegitimierung des Staates zugerechnet. Hierzu zählen auch Bestrebungen, die sich durch eine agitatorische Verächtlichmachung des Staates gegen das Demokratieprinzip richten, die durch ihre Demokratiefeindlichkeit angetrieben zu extremistisch motivierten Straf- und Gewalttaten aufrufen oder sich unter Verkennung der Art. 20 Abs. 4 Grundgesetz zugrundeliegenden Voraussetzungen auf ein vermeintliches Widerstandsrecht berufen und sich dabei gegen das Rechtsstaatsprinzip stellen.
Das Personenpotenzial im Phänomenbereich verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staates liegt in Bayern derzeit im mittleren zweistelligen Bereich.
Personen, die in ihrem Aktivismus gegen die staatlichen Corona-Schutzmaßnahmen nachdrücklich verfassungsfeindliche Ziele verfolgt haben, führten diesen Aktivismus in den meisten Fällen auch im Jahr 2023 fort. Angetrieben durch den Glauben an diffuse Verschwörungstheorien versuchen sie auch in ihrem Umfeld einen Vertrauensverlust in den demokratischen Verfassungsstaat und dessen Repräsentanten herbeizuführen.
Mit dem Rückgang der realweltlichen Veranstaltungen und Aktivitäten der in ihrer Gesamtheit nicht extremistischen Corona-Protestszene verlagerte sich die Agitation der Delegitimiererszene 2023 zunehmend in den virtuellen Raum. Dieser wurde mit seinen Echokammern und der Möglichkeit sich zu vernetzen für Viele zu einem Rückzugsort. Innerhalb der zumeist themen- oder anlassgebundenen Kanäle und Gruppen treffen Angehörige des Phänomenbereiches auch auf Personen, die zuvor noch nicht mit verfassungsschutzrelevanten Bestrebungen in Kontakt gekommen sind. So werden Hass, Hetze und Gewaltfantasien innerhalb der sozialen Medien verbreitet und können somit bei den jeweiligen Chatteilnehmern ein Klima der Unzufriedenheit und Angst erzeugen. Nicht selten kommt es dabei, angeheizt durch unmoderierte Chatverläufe, zu Radikalisierungsverläufen.
Aussagen von Szeneangehörigen richten sich zum Teil auch gegen die körperliche Unversehrtheit von Politikerinnen und Politikern. In zahlreichen Fällen wurde öffentlich konkret dazu aufgerufen, Straftaten zu begehen.
Es lassen sich in Bayern – und damit auch in Schwaben – derzeit keine festen Strukturen ausmachen. Feststellbar sind Vernetzungsbestrebungen vor allem im virtuellen Raum, dort überwiegend auf Kommunikationsplattformen wie Telegram.
Straftaten der Politisch motivierten Kriminalität
Sicherheitsberichte der Polizeipräsidien Schwaben Nord und Schwaben Süd/West zur Politisch motivierten Kriminalität (PMK)
Anmerkung zu „Politisch motivierte Kriminalität“ (PMK): Als PMK werden alle Straftaten bezeichnet und erfasst, die einen oder mehrere Straftatbestände der sogenannten klassischen Staatsschutzdelikte erfüllen, selbst wenn im Einzelfall eine politische Motivation nicht festgestellt werden kann. Bei Straftaten, die auch in der Allgemeinkriminalität begangen werden können, erfolgt eine Würdigung der Gesamtumstände (siehe Bericht des Bundesamts für Verfassungsschutz 2024, Seite 24).
Im Bereich der Politisch motivierten Kriminalität -links- wurden im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Nord insgesamt 37 Straftaten registriert. Gegenüber dem Vorjahr mit 19 Delikten ist hier ein erneuter Anstieg der Fallzahlen um 18 Straftaten bzw. 94,7 % zu verzeichnen.
An weiteren Infos interessiert? Der Gesamtbericht des Polizeipräsidiums Schwaben Nord kann hier nachgelesen werden.
Mit 22 Fällen in 2024 blieb die Anzahl der Delikte im Bereich der PMK -links- (Vorjahr: 19) auf dem niedrigen Niveau der Vorjahre. Bei 12 der 19 Delikte handelte es sich um Sachbeschädigungen. Die Anzahl an Gewaltdelikten ist im Bereich des PP Schwaben Süd/West seit Jahren auf einem sehr niedrigen Niveau. Für 2024 konnten zwei linksmotivierte Körperverletzungen festgestellt werden
An weiteren Infos interessiert? Der Gesamtbericht des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West kann hier nachgelesen werden.
Linksextremistische Szene in Schwaben
Ziel der linksextremistischen Szene ist es, die durch das Grundgesetz vorgegebene Staats- und Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland zu beseitigen und – je nach ideologisch-politischer Orientierung – durch eine sozialistische, kommunistische oder eine „herrschaftsfreie“ Gesellschaft zu ersetzen. Die linksextremistischen Vorstellungen richten sich insbesondere gegen durch das Grundgesetz garantierte Grundrechte, die parlamentarische Demokratie, die Gewaltenteilung, die Volkssouveränität, das Rechtsstaatsprinzip und den Pluralismus.
Die freiheitliche demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland wird als „kapitalistisches System“ und als Wurzel des Faschismus diffamiert und soll abgeschafft werden. In der linksextremistischen Szene bilden Autonome den weitaus größten Teil des gewaltbereiten Personenpotenzials.
Autonome haben zwar keine einheitliche Ideologie, Ziel aller Autonomen ist es aber, den Staat und seine Einrichtungen zu zerschlagen. Neben Sachbeschädigungen wenden Autonome auch Gewalt gegen Personen – vor allem gegen tatsächliche oder vermeintliche Angehörige der rechtsextremistischen Szene und Polizeikräfte – an, um ihre Vorstellungen durchzusetzen. Die Szene besetzt dabei auch Themen, die an sich nicht extremistisch sind. Ihr Ziel ist es dabei aber in erster Linie, ihre linksextremistischen politischen Positionen zu verbreiten. Hierzu werden vor allem aktuelle, gesellschaftlich relevante Themen wie Klima- und Umweltschutz oder Migration aufgegriffen. Aus ihrem antiimperialistischen Weltbild entwickelt sich bei Angehörigen der linksextremistischen Szene häufig auch ein Antizionismus – die Ablehnung des Staates Israel und dessen Innen- und Außenpolitik.
So werden seit Beginn des Russland-Ukraine-Kriegs die politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen auf Deutschland thematisiert und der Kontakt zu bürgerlich-demokratischen Organisationen gesucht, um die Akzeptanz der eigenen antidemokratischen Standpunkte zu erhöhen.
Die derzeit existierenden linksextremistischen Gruppen bilden daher zu einer Vielzahl von Themen (z. B. Antifaschismus, Klima, Feminismus, Flüchtlingshilfe) Untergruppierungen, die sich in den sozialen Medien präsentieren und für ihre jeweiligen Anliegen werben. Vordergründig handelt es sich dabei um unabhängig voneinander agierende Gruppen, die aber im Hintergrund von einem kleinen linksextremistischen Aktivistenstamm bzw. entsprechenden Kerngruppen angeleitet werden.
Aktuell zeichnet sich die linksextremistische autonome Szene durch folgende Aspekte aus:
- unverbindliche Strukturen mit niedrigschwelligen Angeboten
- geringer ideologischer Anspruch
- Fokussierung auf spezifische Themenfelder
- kurzfristige Bildung neuer Gruppen
- kleinteilige Gruppen mit häufig wechselnden Personen
- informelle Hierarchien gepaart mit der Möglichkeit für neue Interessierte, sich schnell einzubringen
- Aktions- und Erlebnisorientierung
- starke Präsenz in den sozialen Medien
- Vernetzung mit anderen gleichgesinnten Gruppen
Aktuell engagieren sich auch einige lokale linksextremistische Gruppen in Bayern verstärkt im Bereich Klima- und Umweltschutz. Bei der linksextremistischen Klimaschutzkampagne „Ende Gelände“ nehmen Szeneangehörige eine tragende Rolle ein.
In Bayern unterhält das linksextremistische Klimabündnis „Ende Gelände“ Ortsgruppen in Augsburg, Erlangen, München, Nürnberg, Regensburg und Würzburg. Derzeit positioniert sich „Ende Gelände“ thematisch breiter und eindeutig linksextremistischer im Bündnis „Disrupt“, einem Zusammenschluss von linksextremistischen Gruppierungen mit umweltpolitischer Agenda sowie postautonomen Gruppen wie z. B. die „Interventionistische Linke“. Neben Klima- und Umweltthemen werden dort klassische linksextremistische Fragestellungen behandelt.
Angehörige der linksextremistischen Szene verüben immer häufiger konspirativ geplante Straftaten wie Brandanschläge, zu denen im Nachgang auf einschlägigen Internetportalen anonyme Selbstbezichtigungsschreiben veröffentlich werden. Anschlagsziele sind vor allem Unternehmen der Rüstungsindustrie und die Deutsche Bahn AG, die ihm Rahmen linksextremistischer „Anti-Militarismus“-Kampagnen im Fokus gewaltbereiter Szeneakteure stehen.
Linksextremistische Agitation und Übergriffe richten sich vermehrt auch gegen Einzelpersonen, die z. B. aufgrund von Äußerungen, Berufszugehörigkeit oder der Teilnahme an einer Veranstaltung gezielt angegriffen werden. Auch Presseangehörige stehen im Fokus linksextremistischer Gewalttäter, ebenso wie Personen, die sich von der Szene losgesagt haben.
Auch in Schwaben sind Aktivitäten der linksextremistischen Szene festzustellen.
Aktuell engagieren sich auch einige lokale linksextremistische Gruppen in Bayern verstärkt im Bereich Klima- und Umweltschutz. In München versuchten diverse Gruppierungen im Umfeld der autonomen „Antifaschistischen Linken München“, z.B. das „Offenes antikapitalistisches Klimatreffen München“, sich aktiv in die Proteste für den Klimaschutz einzubringen. Auch in Augsburg besteht ein „antikapitalistisches Klimatreffen“.
In Bayern bestehen Ortsgruppen der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) in München, Landshut, Nürnberg, Neumarkt in der Oberpfalz, Regensburg und auch in Kempten.
Am 24. Februar 2025 führte das „Solidaritätsnetzwerk“ nach eigenen Angaben in Augsburg eine Kundgebung anlässlich der Wahl von Friedrich Merz zum Bundeskanzler durch.
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