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Rechtsextremismus
Nationalrevolutionäre Jugend (NRJ), Jugendorganisation des III. Weg, erneut in Bayern an Schulen aktiv
Die neonazistische Kleinstpartei „Der Dritte Weg“ (III. Weg) versucht erneut, durch ihre Jugendorganisation Nationalrevolutionäre Jugend (NRJ) mit einer sog. „Schulhofoffensive“ neue Mitglieder und Interessenten zu rekrutieren.

Bereits am 24. Oktober 2024 berichteten wir unter der Rubrik „Aktuelle Meldungen“ über Aktivitäten der NRJ in Bayern. Im Rahmen der Kampagne „Schulhofoffensive“ fand mutmaßlich am 4. Februar 2026 eine erneute Flyerverteilung durch Aktivisten der NRJ München Oberbayern an einer Schule in Poing (Lkr. Ebersberg) statt. Ob hierbei auch Gespräche von Aktivisten mit Schülerinnen und Schülern stattgefunden haben, ist nicht bekannt.
Die neonazistische Kleinstpartei III. Weg veröffentlichte zur Aktion ihrer Jugendorganisation auf der parteieigenen Webseite einen Artikel, in dem dazu aufgerufen wurde, ein „Nationalrevolutionär“ zu werden und sich dem III. Weg anzuschließen. Laut Aussage des III. Weg sind insbesondere „Homopropaganda“ sowie der „Willkommenskult für fremde Landnehmer“ Probleme, die sich nicht nur an Schulen, sondern in der gesamten Bundesrepublik bemerkbar machen.
Auf dem vom III. Weg veröffentlichten Bildmaterial zur „Schulhofoffensive“ ist ein leicht verpixelter Aktivist zu sehen, welcher mutmaßlich einen Flyer mit der typischen Losung „Jugend Voran!“ in der Hand hält. Auf der Rückseite des Flyers steht in knappen Worten, warum sich die jungen Aktivisten für die NRJ einsetzen und wofür die NRJ stehen soll. Maßgeblichen Wert legt die Gruppierung demnach auf „Gemeinschaft“, „Zentren für deutsche Jugendliche, die frei von systemgesteuerter politischer Indoktrination sind“, sowie „eine Zukunft in welcher wir als deutsches Volk gut leben können“.
Bereits im Dezember 2025 hatte der III. Weg auf seiner Homepage einen Artikel veröffentlicht, wonach am 19. Dezember Flugblätter durch Aktivisten der NRJ an der Realschule in Höchstadt an der Aisch verteilt worden seien.
Die NRJ ist keine eigenständige Organisation, sondern fest in die Partei III. Weg eingebunden bzw. dieser untergeordnet und lebt die Ideologie und Programmatik des III. Weg. Mit der gezielten Investition der Partei in ihre Jugendorganisation soll die Attraktivität des III. Weg für Heranwachsende erhöht werden. Für den III. Weg bietet die NRJ die Möglichkeit, junge Menschen im Alter von 12 bis 25 Jahren frühzeitig in die Parteiarbeit mit einzubeziehen und ideologisch zu indoktrinieren, um so langfristig neue Parteimitglieder zu gewinnen. Die bisherigen Aktivitäten der NRJ ähneln denen des III. Weg stark. Darüber hinaus veranstaltet die NRJ sog. „Jugendtage“, die meist in den regionalen Stützpunkten stattfinden. So führt die NRJ sportliche und politische Aktivitäten durch und bewirbt mit dem Begriff „Schulhofoffensive“ ihre Organisation mit gemeinsamer Musik, Sport und Gemeinschaftsgefühl. Der III. Weg versucht auf diese Weise, erlebnisorientierten jungen Aktivistinnen und Aktivisten zielgruppenkonforme Angebote zu machen und sich als Alternative zu zivilgesellschaftlichen Angeboten der Freizeitgestaltung mit Nachhilfemöglichkeiten und Ausflügen zu positionieren. Den Jugendlichen wird dadurch das Leben eines Aktivisten nach dem Vorbild der Partei vorgelebt. Die Mitglieder der NRJ werden dabei für die Verteilung von Flugblättern oder ähnlichen Propagandamitteln eingesetzt. In Bayern bestehen seit dem Sommer 2024 zwei Stützpunkte der NRJ, München/Oberbayern sowie Franken.
Unter dem Begriff „Schulhofoffensive“ versteht der III. Weg sämtliche Aktivitäten und Mobilisierungsaktionen, wie beispielsweise Flugblattverteilungen oder weitere Werbemaßnahmen im Zusammenhang mit Schulen. Insbesondere seit der Gründung der NRJ in Bayern im Jahr 2022 legt der III. Weg größeren Wert auf Nachwuchsrekrutierung und spätere Ausbildung zu Parteikadern. In Bayern waren bislang kaum Aktionen im Umfeld von Schulen durch den III. Weg bekannt geworden. Die oben erwähnte Verteilung am 19. Dezember 2025 an einer Realschule in Neustadt an der Aisch war die erste bekanntgewordene Aktion des III. Weg in Bayern im Rahmen der Kampagne „Schulhofoffensive“. Schwerpunkte der „Schulhofoffensive“ waren bislang die ostdeutschen Bundesländer sowie Baden-Württemberg.
Bislang versuchte der III. Weg in Bayern Mitglieder für die NRJ ohne direkte Ansprache von Schülerinnen und Schülern an Schulen zu rekrutieren. Die oben geschilderten Verteilungen im Rahmen der „Schulhofoffensive“ scheinen hierbei einen Paradigmenwechsel hinsichtlich der Vorgehensweise zur Gewinnung von neuem Personenpotenzial zu markieren. Die neue Öffentlichkeitsarbeit der NRJ fällt auch in eine Zeit, in der rechtsextremistische Jugendgruppen allgemein Aufwind erfahren. Die NRJ versucht in der Folge auch von dieser Entwicklung zu profitieren. Entsprechend dem beschriebenen Paradigmenwechsel ist mit weiteren Aktionen der NRJ im Umfeld bayerischer Schulen zu rechnen.